Die Delikatesse der Malerei

Meisterwerke von Johann Georg Platzer

19.09.2007-13.01.2008 10:00-18:00



Der Südtiroler Johann Georg Platzer (1704 – 1761) zählt zu den bedeutendsten Vertretern der Rokokomalerei in Österreich, der vor allem im Wien Maria Theresias gewirkt hat. Seine Gemälde waren schon zu Lebzeiten bei adeligen und bürgerlichen Sammlern hochbegehrt. Längst haben sie ihren Weg in die großen Galerien gefunden und zählen heute zu den kostbarsten künstlerischen Zeugnissen ihrer Zeit.

 

Die zumeist auf Kupfer gemalten Gemälde kleinen Formats zeichnen sich durch enorme Präzision sowie exquisite Farbgebung aus. Sie sind Ausdruck des gewachsenen Bedürfnisses nach Luxus und gefälliger Unterhaltung, abseits von schwerem Pathos und machtvoller Rhetorik, wie sie die Kunst des Barock schätzte.

 

Beliebt sind mythologischen Szenen, die aber ihre ernste Bedeutung vielfach eingebüßt haben. Sie sind Ausdruck erotisch gesteigerter Lebensfreude, in der die Sinnlichkeit des flämischen Barock weiterlebt. Auch das Kabinettformat, das praktischen Sammlerbedürfnissen entgegenkommt, stammt aus Antwerpen, dem Zentrum der flämischen Barockmalerei und Fokus einer hoch entwickelten, bürgerlichen Sammelkultur.

 

Dem flämischen Vorbild verdankt der Künstler auch die Fähigkeit, vielfigurige, komplizierte Szenen zu arrangieren. Hier lebt noch der niederländische Manierismus fort, der zuvor vor allem am Prager Hof Kaiser Rudolfs II. um 1600 seine Hochblüte erlebt hatte. Aus dieser Tradition stammt das auch von Platzer neu beschworene Ideal einer unbeschwerten von keinerlei Gewalt oder Bedrohung getrübte Gemeinschaft, eine erneuerte Utopie des Goldenen Zeitalters.

 

Ein hervorstechender, modischer Zug sind Eleganz und Galanterie wie es dem Geist des 18. Jahrhunderts in besonderem Maße entspricht. Platzers Genrebilder zeigen das ungetrübte, heitere Vergnügen einer aristokratischen Gesellschaft. Dieses Genre war kurz zuvor in Frankreich vor allem durch Antoine Watteau, den Maler der galanten Feste, der fêtes galantes, zu höchster Entfaltung gebracht worden.

 

Seine Wurzeln hat auch dieses Thema in der niederländischen Kunst des 16. und 17. Jahrhunderts, wo allerdings das scheinbar unbeschwerte Vergnügen stets mit einer ernsten Warnung vor dem Laster des Müßiggangs verbunden ist.

 

Freilich hat auch die Beschäftigung mit der immer noch tonangebenden, ernsten Historie in Platzers Werk ihr Echo gefunden, wiewohl in der gefälligen, farbenfrohen Art des Rokoko. So finden sich unter seinen Bildern auch Szenen aus der altrömischen Geschichte, die klassische Themen wie die sprichwörtliche Römertugend, die virtus Romana, aufgreifen oder das tragische Ende Kleopatras vor einer prächtigen Theaterkulisse in dramatische Formkleiden. Solche Stoffe und ihre effektvolle Inszenierung verdankte Platzer seiner Ausbildung an der Wiener Akademie sowie der reichen, an Italien orientierten Bühnenkultur in der Metropole des Habsburgerreiches.


Schon die älteren flämischen Kabinettbilder mit ihrem enormen Erzählreichtum sind regelrechte Schulen des Sehens. Auch bei Platzer sollen die vielen Details zu eingehender Betrachtung einladen und so zur Kennerschaft erziehen. Ein ähnliches Ziel haben die in seinem Werk mehrfach vertretenen Darstellungen von Bildhauerund Malerateliers mit ihren riesigen Mengen an Gemälden bzw. Abgüssen nach berühmten Vorbildern. Allesamt erfunden, spielen sie aber auf reale Kunstwerke an. Aus solchen Bildern spricht die Vorliebe der Zeit, ein großes Vorbildwissen zu gewinnen und die technischen Fertigkeiten zu schulen. So ist es nicht zuletzt der Maler selbst, der sich inmitten seines Ateliers als arrivierter „Star“ und moderner Erfolgsmensch präsentiert.


Für diese Ausstellung konnten zahlreiche öffentliche Sammlungen sowie private Leihgeber aus dem In- und Ausland gewonnen werden. So alle tragen dazu bei, ein reizvolles Kapitel mitteleuropäischer Kunst und Kultur vorzustellen.


Alte Galerie, Schloss Eggenberg

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nur im Rahmen einer Führung und nach Voranmeldung zugänglich


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