Piranesi (1720-1778)

Das virtuelle Museum römischer Altertümer

11.04.-15.06.2008 10:00-18:00



Im Rahmen einer Kooperation zwischen dem Landesmuseum Joanneum und dem Museum für Kunst und Gewerbe in Zagreb zeigt die Alte Galerie im Frühjahr 2008 in Schloß Eggenberg 42 Graphiken aus dem Zyklus Vasi candelabri cippi sarcofagi  ... (Rom 1778) von Giovanni Battista Piranesi. Der Venezianer ist einer der großartigsten Meister der Radierung, und als Architekt, Archäologe, Kunsttheoretiker, Restaurator, Sammler und Antiquitätenhändler eine Ausnahmeerscheinung in der Kunst des 18. Jahrhunderts.


Entsprechend seiner Schulung in Venedig, wo in dieser Zeit die Vedute äußerst beliebt war, und seiner Verehrung der Altertümer Roms, verbindet der Radierer Piranesi in seinem Œuvre klassizistische Strenge und archäologische Präzision mit spätbarocker Ausdruckskraft und künstlerischer Phantasie.


Die ausgestellte Serie umfasst Radierungen von Vasen, Kandelabern, Dreifüßen, Opfersteinen, Urnen, Grabsteinen, bauplastischen Fragmenten und anderen ungewöhnlichen Gegenständen. Sie stellt eine weniger bekannte Facette in Piranesis Œuvre dar. Hier steht nicht der Architekturvisionär und Vedutenzeichner im Vordergrund, sondern der „Meister des Designs“. Diese im letzten Lebensjahrzehnt des Künstlers entstandenen Blätter bezeugen seine Tätigkeit als Sammler, Restaurator und Antiquitätenhändler. Zu den Darstellungen von Altertümern aus britischen und römischen Sammlungen treten auch zahlreiche Objekte aus seinem eigenen Besitz. Piranesis Erwerbungen gehen einerseits auf seine Teilnahme an Ausgrabungen zurück, andererseits kamen sie durch Tausch und Kauf zustande. Hervorzuheben sind Vasen imposanten Ausmaßes und großartige Kandelaber, die aus der Villa Hadriana stammen.


Der Künstler nahm dort mehrere Jahre an Ausgrabungen teil, die der schottische Maler Gavin Hamilton leitete. Gewissermaßen als Werbung für sein eigenes Geschäft produzierte Piranesi ab 1768 Einzelblätter mit Darstellungen von antiken Vasen, Urnen, Sarkophagen, Öllampen etc. Zehn Jahre später fügte er diese in der großen zweibändigen Publikation „Vasi candelabri cippi sarcofagi ...“ zusammen. Man kann hier von einem der frühesten Kunstkataloge sprechen. Diese Blätter erlangten in Europa große Aufmerksamkeit – vor allem in den angelsächsischen Ländern, wo der Stil Piranesis besonders viele Verehrer fand. Da die Käufer von ihren Erwerbungen zu dieser Zeit Vollständigkeit erwarteten, ging mit dem Handel von klassischen Altertümern auch deren Restaurierung einher. Piranesi stellte eigens Mitarbeiter ein, die auf Ergänzung von Antiquitäten spezialisiert waren. Als Katalog antikisierenden Formenguts angelegt, beeinflusste diese Radierungsserie zutiefst Kunsthandwerk und Raumausstattung im Europa um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert.


Integraler Teil dieser Radierungen sind begleitende Texte mit Informationen über Besitzer, Fund- und Aufenthaltsort, detaillierten Beschreibungen, Erklärungen nebst ausführlichen Widmungen. Jedes Blatt der Serie widmete Piranesi den angesehensten amatori delle belle arti – Mitgliedern des päpstlichen Hofes sowie der aristokratischen und intellektuellen Elite Europas, bedeutenden Mäzenen, Freunden, Künstlerkollegen und Mitarbeitern im Antiquitätenhandel. Er lobte ihr Sachverständnis, ihren guten Geschmack, betonte seine Freundschaft zu Aristokraten sowie seine Geschäftsbeziehungen und bewies damit ausgeprägten Sinn für moderne Kundenakquise.


Eine Ausstellung aus dem Museum für Kunst und Gewerbe, Zagreb
(Muzej za umjetnost i obrt) in der Alten Galerie.


 


Alte Galerie, Schloss Eggenberg

Eggenberger Allee 90
8020 Graz, Österreich
T +43-316/8017-9770
F +43-316/8017-9779
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