|
|
|
|
|
|
Graz, 09.04.2026
Das Jahresprogramm 2026 der Neuen Galerie Graz und des BRUSEUMs nimmt Bezug auf die eigene Sammlung und erweitert diese Perspektive durch aktuelle zeitgenössische Positionen: Die Ausstellung Analytische Schönheit (ab 24.04.) und die Personale von Markus Huemer (ab 14.05.) adressieren im Rahmen des Jahresschwerpunkts BLOOM das Motiv der Blume und verbinden historische und zeitgenössische Kunst. Die Ausstellung Trauma Körper. Hannes Schwarz, Walter Pichler und Bruno Gironcoli (ab 13.11.) präsentiert Werke von Künstlern der Nachkriegszeit, die den menschlichen Körper als Spiegel von Trauma und Verletzungen thematisieren. Selection, die Sammlungsausstellung der Neuen Galerie Graz, die unter anderem unter Einbeziehung von Werkwünschen der Besucher*innen konzipiert wurde, präsentiert die Highlights der Sammlung.
Das BRUSEUM widmet sich parallel dazu seiner eigenen Sammlung und Geschichte: Im Zentrum steht eine umfassende Retrospektive zu Günter Brus aus eigenen Beständen: Das Bleiben im Rahmen des Unmöglichen (ab 29.05.). Mit Maria Legat präsentiert das BRUSEUM darüber hinaus mit Ende November eine markante zeitgenössische Position in ihrer ersten musealen Einzelausstellung.
|
|
Die Bilddichtung von Günter Brus "Das Bleiben im Rahmen des Unmöglichen" ist titelgebend für die kommende Ausstellung im BRUSEUM; Josef Schrammel, kaufmännischer Direktor des Universalmuseums Joanneum, Roman Grabner, Leiter des BRUSEUMs, Diana Brus, Marko Mele, wissenschaftlicher Direktor des Universalmuseums Joanneum, und Peter Peer, Leiter der Neuen Galerie Graz, Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
„Im Rahmen des Unmöglichen“ bleibt das BRUSEUM mit einer umfangreichen Schau aus der Sammlung
Mit der offiziellen Eröffnung des Joanneumsviertels im November 2011 wurde erstmals die Sammlung des BRUSEUMs umfassend der Öffentlichkeit präsentiert. Seither zeigt das BRUSEUM Werke im Spannungsfeld von Aktionismus, Politik, Zeichnung und Literatur – mit dem Ziel, immer wieder Künstler*innen vor den Vorhang zu holen, die in einem inhaltlichen, ästhetischen oder historischen Kontext zu Günter Brus stehen. Dabei werden sowohl Zeitgenoss*innen von Brus als auch zeitgenössische Künstler*innen präsentiert, die durch experimentelle, grenzüberschreitende und innovative Ansätze neue Perspektiven eröffnen.
Mit der Ausstellung Günter Brus. Das Bleiben im Rahmen des Unmöglichen, die am 28.05. ihre Türen öffnen wird, gibt das BRUSEUM – 15 Jahre nach seiner Eröffnung – erneut einen Einblick in die vielfältige Sammlung und widmet dem im Februar 2024 verstorbenen Künstler eine retrospektive Schau aus eigenen Beständen. Somit rückt man nicht nur die Qualität der eigenen Sammlung in den Fokus, sondern richtet den Blick auch gezielt auf die in den letzten Jahren erfolgten Bestandserweiterungen durch Schenkungen und Dauerleihgaben. Die Ausstellung folgt dabei nicht streng der Chronologie, sondern wirft Schlaglichter auf Themen und Motive, die sich durch das gesamte künstlerische Schaffen von Brus ziehen – von jenen Originalzeichnungen, die Günter Brus als Einladungen für das BRUSEUM angefertigt und dem Museum anschließend geschenkt hat, bis hin zu Bild-Dichtungen, die sich als Dauerleihgaben aus deutschem Privatbesitz im BRUSEUM befinden und bislang weder ausgestellt noch publiziert wurden.
Roman Grabner, Leiter des BRUSEUMs: „Das BRUSEUM beherbergt die einzige museale Sammlung, die das Werk des Künstlers durch 60 Jahre hindurch lückenlos dokumentieren kann. Die aktuellen Umbruchsituationen schärfen das Bewusstsein für die Radikalität und Kompromisslosigkeit seines Oeuvres und zugleich auch für die Verantwortung, die man als Museum für die Bewahrung und Vermittlung trägt.“
„Für mich ist ein Kunstwerk ein lebendiger Organismus, den man nicht besitzen kann. Bestenfalls finden Werke in guten Sammlungen und Museen eine sichere Unterkunft – und in diesen sollten sie für alle Menschen sichtbar und erlebbar sein. Der Titel der Ausstellung, benannt nach einer Bild-Dichtung meines Vaters, lautet Das Bleiben im Rahmen des Unmöglichen. Er hatte die Gabe, den Nagel auf den Kopf zu treffen – und genau das sehe ich als eines der zentralen Vermächtnisse seiner Kunst“, so Diana Brus.
Die Sammlungsausstellung im BRUSEUM wird roh und offen angelegt sein. Notwendig gewordene Revitalisierungsmaßnahmen in den Museumsräumen werden in die Ästhetik der Ausstellungsgestaltung miteinbezogen und thematisieren die permanente Arbeit an und mit der eigenen Sammlung. Zugleich wirft die Präsentation ein Schlaglicht auf die Ausstellungsbedingungen des Künstlers in den ersten Jahrzehnten seiner Karriere, in denen museale Repräsentationsräume und White Cubes für ihn die Ausnahme waren.
|
|
Die Ausstellung "Das Bleiben im Rahmen des Unmöglichen" wirft Schlaglichter auf Themen und Motive, die sich durch das gesamte künstlerische Schaffen von Brus ziehen und zeigt beispielsweise auch Originalzeichnungen, die Günter Brus als Einladungen für das BRUSEUM angefertigt und dem Museum anschließend geschenkt hat © Günter Brus, "Zusammenwerken - Zusammenwirken"
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Mit Missionarsstellung zeigt das BRUSEUM die erste museale Personale einer Künstlerin
Nach der retrospektiven Schau zu Günter Brus öffnet das BRUSEUM Ende des Jahres den Blick auf eine aktuelle Position der zeitgenössischen Kunst. Missionarsstellung nennt Maria Legat (*1980) ihre erste große Werkschau und gibt mit dem Titel auch die inhaltliche Stoßrichtung vor. Wir alle meinen zu wissen, was unter diesem Begriff zu verstehen ist, doch die Künstlerin greift die sprachliche Formulierung auf, um sie auf ihre weitreichenden gesellschaftlichen Implikationen zu befragen. Die Missionarsstellung spiegelt klassische Geschlechterrollen wider und hat eine bestimme Positionierung der Frau zum Inhalt: untergeordnet, selbstlos und passiv. Als Künstlerin, Mutter und Bürgerin sucht sie eine Gegenposition, die von Wertschätzung, Gleichberechtigung und Empathie geprägt ist.
Als Malerin zeichnet sie mit Kohle auf rohem Leinen, das nicht auf Keilrahmen aufgespannt, sondern plan an die Wand genagelt wird, und formuliert in einem zweiten Schritt ihre Formen mit selbst angerührten Farben lasierend aus. Sie praktiziert eine transparente Malerei, die ihre Konstruktion nicht versteckt, sondern ihre Entstehung offen zeigt. Ihre Bilder entziehen sich daher dem schnellen Erfassen und damit den Sehgewohnheiten unserer überkontrastierten Welt. Es braucht Zeit und Geduld, um ihren Darstellungen nachzuspüren und den Zusammenhang der Motive zu erkennen. Diese Verweigerung der gegenwärtigen Sehkonventionen ist durchaus als Geste des Widerstands zu verstehen.
Legats Bilder sind immer politisch, doch keine Reaktionen auf die Tagespolitik, sie sind theoretisch fundiert, doch keine Illustrationen zeitgeistiger Vorzeigetheoretiker*innen, sie sind persönlich, doch kein Ausdruck individueller Mythologien. Legat zeichnet und malt Parabeln über den Zustand der Welt. In einem langwierigen Prozess des Zweifelns, Abwägens und Entscheidens ringt sie mit jeder malerischen Setzung, um zu ihren originären und kraftvollen Bildfindungen zu gelangen.
Die Ausstellung im BRUSEUM ist die erste museale Einzelausstellung der Künstlerin und zugleich die erste Personale einer Künstlerin im Museum für Günter Brus.
„Das Jahresprogramm 2026 in der Neuen Galerie Graz und im BRUSEUM macht einmal mehr deutlich, wie zentral eine gewachsene Sammlung als Arbeitsgrundlage ist – und dass es keineswegs selbstverständlich ist, über einen solchen Bestand zu verfügen. Die Sammlung zu Günter Brus ermöglicht es, künstlerische Entwicklungen über Jahrzehnte hinweg nachzuvollziehen und immer wieder neu zu befragen. Sie bildet damit die Basis für eine kontinuierliche Auseinandersetzung“, erklärt Marko Mele, wissenschaftlicher Direktor des Universalmuseums Joanneum.
|
|
Maria Legat ist die erste Künstlerin, der im BRUSEUM eine Personale gewidmet ist, Sujet: REITTIER oder UZLDW LVI, 2021, Sammlung Starmann, Foto: Maria Legat © Maria Legat
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Nachkriegskunst im Spiegel des menschlichen Körpers in der Neuen Galerie Graz
In der Ausstellung Trauma Körper. Hannes Schwarz, Walter Pichler und Bruno Gironcoli steht der menschliche Körper als Spiegel historischer Traumata im Mittelpunkt. Hannes Schwarz’ Werk zeigt den Menschen geprägt vom Trauma des NS-Regimes und des Krieges, deformiert, zerrissen und auf der Suche nach einem neuen Selbstverständnis – ein Beitrag zur „Postwar“-Diskussion über die menschliche Existenz nach 1945.
Seine Bilder werden den Arbeiten von Walter Pichler und Bruno Gironcoli gegenübergestellt, die ebenfalls in ihren Frühwerken den Körper thematisieren. Die Ausstellung zeigt Überschneidungen, Unterschiede und Ergänzungen der Werke und verdichtet so die existenzialistische Perspektive auf den Körper als Indikator für individuelles und kollektives Trauma. Kunst wird hier als Katharsis erfahrbar – ein radikaler Bruch mit idealisierten Körperbildern.
„Es ist das erste Mal, dass diese drei künstlerischen Positionen zusammen unter einem thematischen Aspekt gesehen werden können. Das wird die Sichtweise auf die einzelnen künstlerischen Positionen verdichten, es wird aber auch einen schärferen Blick auf den historischen Moment ermöglichen. Die pessimistisch-düstere Grundstimmung dieser Ausstellung kann durchaus auf unsere Gegenwart bezogen werden“, so der Kurator Günther Holler-Schuster.
|
|
Das künstlerische Werk von Hannes Schwarz nimmt innerhalb der österreichischen Kunstentwicklung nach 1945 eine besondere Stellung ein; Hannes Schwarz, OT, 1966, Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Ausstellungen im Rahmen von BLOOM
Bereits ab Ende April wird die Ausstellung Analytische Schönheit präsentiert, die noch nie gezeigte Blumendarstellungen aus der Sammlung der Neuen Galerie – von biedermeierlichen Aquarellen über fernöstliche Farbholzschnitte bis hin zu zeitgenössischen Positionen – zeigt. Die Personale Markus Huemer. Ein Fußballfeld muss baumfrei sein, zu sehen ab Mitte Mai, umfasst rund 80 Gemälde aus den vergangenen 25 Jahren seines Schaffens. Sie zeigt Naturdarstellungen – von Landschaften über Pflanzenstillleben bis zu Blumenbildern –, die allesamt auf digitalen Bildern basieren.
Peter Peer, Leiter der Neuen Galerie Graz: „Die Ausstellung Analytische Schönheit belegt die enge Verbindung von Wissenschaft und Kunst in einem Zeitraum von 200 Jahren, die neben dem botanischen Interesse immer auch die Schönheit der Natur zu vermitteln suchte. Die Personale von Markus Huemer setzt sich mit der Wahrnehmung von Natur im Zeitalter der digitalen Medien auseinander und stellt die wesentliche Frage nach der Authentizität von mediatisierten Informationssystemen und ihrer Rolle im Verständnis der Gegenwart. Beide Ausstellungen setzen sich mit unserem Verhältnis zu unserem Lebensraum auseinander, das in einer Zeit ökologischer und soziopolitischer Krisen von globalem Ausmaß mehr denn je auf dem Prüfstand steht, und sind letztlich ein Plädoyer für unsere Verantwortung im Umgang mit unserem Lebensraum.“
_____________________________
Bildmaterial zum Download finden Sie auf den jeweiligen Presseseiten der Ausstellungen:
Selection. Highlights aus der Sammlung Laufzeit: bis 31.12.2028 Kuratiert von Günther Holler-Schuster Neue Galerie Graz, EG Süd
Analytische Schönheit. Blumenbilder aus 200 Jahren Laufzeit: 24.04.2026–04.10.2026 Eröffnung: 23.04.2026 um 19 Uhr Kuratiert von Peter Peer Neue Galerie Graz, OG Süd
Markus Huemer. Ein Fußballfeld muss baumfrei sein Laufzeit: 14.05.2026–30.08.2026 Eröffnung: 13.05.2026 um 19 Uhr Kuratiert von Peter Peer Neue Galerie Graz, OG Nord
Günter Brus. Das Bleiben im Rahmen des Unmöglichen
Laufzeit: 29.05.2026–26.10.2026 Eröffnung: 28.05.2026 um 19 Uhr Kuratiert von Roman Grabner BRUSEUM
Trauma Körper. Hannes Schwarz, Walter Pichler und Bruno Gironcoli Laufzeit: 13.11.2026–11.04.2027 Eröffnung: 12.11.2026 um 19 Uhr Kuratiert von Günther Holler-Schuster Neue Galerie Graz, OG Süd
Maria Legat. Missionarsstellung Laufzeit: 27.11.2026 – 28.03.2027 Eröffnung: 26.11.2026 um 19 Uhr Kuratiert von Roman Grabner BRUSEUM
_____________________________
Wir freuen uns auf Ihre Berichterstattung und stehen für Rückfragen gerne zur Verfügung!
Mit herzlichen Grüßen
Daniela Teuschler +43/664/8017-9214, daniela.teuschler@museum-joanneum.at
Stephanie Liebmann +43/664/8017-9213, stephanie.liebmann@museum-joanneum.at
Eva Sappl +43/699/1780-9002, eva.sappl@museum-joanneum.at
|
|
|
|
|
|
|
|