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Vertreter*innen des Universalmuseums Joanneum nahmen das Kulturerbe-Siegel für das Landeszeughaus in Brüssel entgegen

 

Brüssel/Graz, 24.04.2026

 

 

Die Europäische Kommission zeichnet alle zwei Jahre historische Orte, Gedenkstätten und Kulturlandschaften mit einem eigenen Siegel aus und erhebt sie damit zum bedeutenden europäischen Kulturerbe. Bislang wurden in Europa rund 80 Stätten mit dem Kulturerbe-Siegel ausgezeichnet. Stätten des Europäischen Kulturerbe-Siegels in Österreich sind unter anderem die Römerstadt Carnuntum und die Hofburg Wien, nun zählt auch das Landeszeughaus in Graz dazu. Am vergangenen Mittwoch wurde die Auszeichnung bei einer feierlichen Übergabe in Brüssel entgegengenommen.

Am 22. April fand die Übergabe des Kulturerbe-Siegels in Brüssel statt: Glenn Micallef (EU-Kommissar für Generationengerechtigkeit, Jugend, Kultur und Sport), Meena Lang (Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport) mit Bettina Habsburg-Lothringen (Leiterin der Abteilung Kulturgeschichte des Universalmuseums Joanneum), Marko Mele (wissenschaftlicher Geschäftsführer des Universalmuseums Joanneum) und Walter Feldbacher (Chefkurator Landesgeschichte und Landeszeughaus), die die Auszeichnung entgegennahmen, Foto: Eric Herchaft

Es war ein Abend im Zeichen der gemeinsamen Geschichte, der die Vielfalt der europäischen Kulturlandschaft widerspiegelt. Insgesamt wurden bei der Vergabe in Brüssel 13 neue Standorte vorgestellt, die mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel ausgezeichnet wurden.
Die Stätten, die von einer unabhängigen Expert*innenjury aus insgesamt 21 Bewerbungen ausgewählt wurden, zeichnen sich nicht nur durch ihre historische Bedeutung, sondern auch durch ihr Engagement für Bildung, Bürger*innenbeteiligung und die Förderung europäischer Werte, insbesondere bei jüngeren Generationen, aus.

 

Glenn Micallef, EU-Kommissar für Generationengerechtigkeit, Jugend, Kultur und Sport, sagte bei der Veranstaltung: „Diese 13 neu ausgezeichneten Stätten verkörpern das Beste dessen, wofür das Europäische Kulturerbe-Siegel (EHL) steht. Sie spiegeln den Reichtum unserer gemeinsamen Geschichte wider und markieren jeweils einen wichtigen Meilenstein beim Aufbau einer engagierten, aufgeklärten und zukunftsorientierten Gesellschaft, die in den uns wichtigen europäischen Werten verwurzelt ist. In einer Zeit großer Veränderungen und Umbrüche gibt uns das Kulturerbe Halt. Es hilft uns zu verstehen, woher wir kommen, unseren heutigen Stand zu begreifen, und inspiriert uns, die Gemeinschaft von morgen zu gestalten. Wir sollten die Bedeutung und das Potenzial dieser Stätten niemals unterschätzen: Sie helfen den Bürger*innen, sich mit ihrer Identität zu verbinden und ihre gemeinsame Geschichte in den Orten widergespiegelt zu sehen, die das EHL anerkennt.“

 

Ein Erbe des Krieges als Plattform für Dialog und Frieden
Das Landeszeughaus ist als singulärer Ort lesbar und relevant. Seine wahre Bedeutung erschließt sich aber erst mit Blick auf die europäische Geschichte der Neuzeit und seine Rolle in einem Netzwerk, das sich zu jener Zeit in Mittel- und Südosteuropa entspinnt: Über Jahrhunderte gibt es in diesem Raum bewaffnete Konflikte, die Menschen, Güter und Ideen zwischen Österreich, Deutschland, Kroatien, Italien, Ungarn, Bosnien u. a. in Bewegung versetzen. In dieser Situation ist das Landeszeughaus ein wesentlicher Kreuzungspunkt. Obsolet wird es in dem Moment, als sich eine seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs zentrale europäische Idee durchsetzt: der Frieden, und mit ihm der Ausbau der Verkehrswege und Wirtschaftsbeziehungen, die Entstehung von Gesandtschaften und Botschaften, die Möglichkeiten des Reisens und die damit veränderte Wahrnehmung des jeweils „Anderen“.

Rund 32.000 Objekte umfasst die größte erhaltene historische Waffenkammer der Welt, Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner

Heute ist das Landeszeughaus die größte historische Waffenkammer der Welt und mit knapp 60.000 Besucher*innen im vergangenen Jahr eines der bedeutendsten Baudenkmäler der Stadt. Aufbauend auf seiner Rolle als ehemaliger Knotenpunkt nutzt der Ort seine Konfliktgeschichte, um heute gemeinsame europäische Werte zu thematisieren. Durch die Verknüpfung von Denkmalpflege, Bildung und transnationaler Zusammenarbeit leistet das Landeszeughaus einen Beitrag zu Europa als gemeinsamem Kulturraum – und verwandelt ein Erbe des Krieges in eine Plattform für Dialog, Lernen und Frieden. Die Vermittlung und Sensibilisierung gehört zu den großen Aufgaben.


Bettina Habsburg-Lothringen, Leiterin der Abteilung Kulturgeschichte sieht sich durch die Auszeichnung im Auftrag bestärkt: „Wir nehmen die Aufnahme in die Reihe der europäischen Kulturerbe-Stätten als Auftrag, die europäischen Verflechtungen des Landeszeughauses sowie die Bedeutung des Friedens verstärkt in den Mittelpunkt seiner Vermittlung zu stellen.“

 

Die Geschäftsführung des Universalmuseums Joanneum, Marko Mele und Josef Schrammel, sowie der Kulturlandesrat Karlheinz Kornhäusl sehen in der Auszeichnung die internationale Bedeutung des Standorts bestätigt:

„Mit dem Kulturerbe-Siegel wurde ein weiterer Standort des Universalmuseums Joanneum für seinen Beitrag zum Erhalt kulturellen Erbes ausgezeichnet. Neben Schloss Eggenberg, das bereits Teil des UNESCO-Welterbes ist, wurde nun das Landeszeughaus mit dem Kulturerbe-Siegel gewürdigt. Als größte erhaltene historische Waffenkammer der Welt und als authentischer Ort europäischer Geschichte zählt es zu den international bedeutendsten Standorten unseres Museumsverbunds“, erklären Marko Mele und Josef Schrammel.

Kulturlandesrat Karlheinz Kornhäusl: „Die Auszeichnung des Landeszeughauses mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel ist eine große Anerkennung für die Steiermark und für einen Ort, der unsere Geschichte auf einzigartige Weise sichtbar macht. Das Zeughaus steht nicht nur für die militärische Vergangenheit unseres Landes, sondern auch für die europäischen Verflechtungen dieser Zeit und für den langen Weg vom Konflikt zum Frieden. Dass dieses außergewöhnliche Haus nun Teil des europäischen Kulturerbes ist, unterstreicht seine Bedeutung weit über die Steiermark hinaus.“

 

 

Über das Landeszeughaus
Das Landeszeughaus wurde zur Mitte des 17. Jahrhunderts, eine Zeit der Kriege und Konflikte, als Waffendepot und wichtigste Ausrüstungs-Zentrale im Südosten des habsburgischen Reiches erbaut. Mit dem Rückgang der bewaffneten Auseinandersetzungen im 18. Jahrhundert verlor das Zeughaus seine Bedeutung, konnte aber als „Denkmal der Landesgeschichte“ erhalten werden. 1882 wurde die Rüstkammer erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Mit ihrer Eingliederung in das 1811 gegründete Joanneum wurde sie im ausgehenden 19. Jahrhundert endgültig musealisiert. Heute gilt das Landeszeughaus mit rund 32.000 Objekten auf einer Fläche von 2000 m2 als die größte erhaltene historische Waffenkammer der Welt.

 

Europäisches Kulturerbe-Siegel
Die Europäische Union zeichnet seit dem Jahr 2014 Stätten aus, die eine starke Symbolkraft für die gemeinsame Geschichte, Einigung und Identität Europas haben. Dazu zählen Denkmäler, Gedenkstätten, archäologische und industrielle Stätten, Kulturlandschaften, Kulturgüter oder immaterielles Kulturerbe.
Das Siegel rückt europäische Errungenschaften und Werte wie Frieden, Freiheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Toleranz und Solidarität in den Fokus und schlägt von historischen Ereignissen eine Brücke in die Gegenwart.
Weitere ausgezeichnete Stätten in Österreich sind u. a. Carnuntum und die Hofburg Wien.

 

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Landeszeughaus
Sommeröffnungszeiten: 01.04.–31.10.2026
Di–So, feiertags, 10–18 Uhr
Führungen: Di–So, 11 Uhr und 14 Uhr
www.landeszeughaus.at

 

Weitere Informationen zu allen ausgezeichneten Stätten finden Sie HIER.

 

Pressefotos zum Download finden Sie hier: LANDESZEUGHAUS


 

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Mit herzlichen Grüßen

 

Daniela Teuschler
+43/664/8017-9214, daniela.teuschler@museum-joanneum.at

Stephanie Liebmann
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+43/699/1780-9002, eva.sappl@museum-joanneum.at