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Graz, 18.05.2026
Blumen sind weit mehr als nur dekoratives Beiwerk. Sie sind Akteure in der Geschichte, Symbole der Politik, Medien der Kommunikation und hochkomplexe Lebewesen. Die Ausstellung Durch die Blume. Geschichten vom Schenken im Volkskundemuseum am Paulustor lädt Besucher*innen dazu ein, das vertraute Bild des Blumenschenkens zu hinterfragen und neu zu entdecken. Die Ausstellung ist Teil des Themenschwerpunkts BLOOM im Universalmuseum Joanneum und Kunsthaus Graz.
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Kuratorin Margit Horvath-Suntinger (2.v.l.), Michaela Steinböck-Köhler (Leiterin der Abteilung Volkskunde, 3.v.l.), mit Ursula Grilnauer und Martina Edler (Volkskundemuseum am Paulustor), Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek
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Vom Vergissmeinnicht zu roten Rosen Ein zentraler Ausgangspunkt der Ausstellung ist das Vergissmeinnicht (Myosotis sp.). Als Symbol für Erinnerung, Treue und Verbundenheit ist es seit dem 15. Jahrhundert tief in der Gedenkkultur verwurzelt. In der Ausstellung ist eine vielfältige Auswahl liebevoll gestalteter Alltagsobjekte mit Vergissmeinnicht-Motiven zu sehen: von Postkarten und einem Miniatur-Poesiealbum über Wallfahrtsandenken und Geschenkartikel bis hin zu Gedenkkreuzen als Zeichen der Erinnerung an Kriegsgefallene.
Die Ausstellung zeigt auf, wie sich im 18. Jahrhundert in Europa eine komplexe „Blumensprache“ entwickelte, um gesellschaftliche Konventionen zu umgehen und Gefühle verschlüsselt mitzuteilen. Während rote Rosen unmissverständlich für brennende Liebe stehen, symbolisieren weiße Lilien Reinheit und gelbe Blumen oft Eifersucht oder Neid. Welche weiteren Botschaften Blumen transportieren können, entdecken Besucher*innen spielerisch im Rahmen eines Quiz. Die Ausstellung beleuchtet diese jahrtausendealten Codes, die bis heute in Redensarten wie „durch die Blume gesprochen“ (indirekt) oder „unverblümt“ (direkt) fortleben.
Die Erfindung des Blumenstraußes und das Handwerk der Kunstblumen Der uns heute so vertraute Naturblumenstrauß als „sicheres“ Geschenk ist eine vergleichsweise junge Erfindung. Zuvor galten Naturblumen als Sinnbild der Vergänglichkeit und des Todes; man bevorzugte stattdessen florale Geschenke aus Glas, Papier, Stoff oder Metall. In der Steiermark war es insbesondere die 1834 von Erzherzog Johann gegründete k. k. Gartenbau-Gesellschaft, welche die Begeisterung für Naturblumen förderte. Die erste Naturblumenhandlung in Graz öffnete 1879 in der Herrengasse. Ein eigens gestalteter Blumenladen innerhalb der Ausstellung vermittelt anhand historischer Anzeigen und Abbildungen von Naturblumengeschäften und Blumenmärkten einen Eindruck vom Aufschwung des Naturblumenhandels.
„Bei der Arbeit an der Ausstellung sind wir auf viel spannendes Wissen rund um die Blume gestoßen. Viele kennen etwa die Regel, dass man immer eine ungerade Zahl an Blumen schenkt – aber nur wenige wissen, woher das kommt: Die ersten Pariser Blumenläden wollten sich von den Marktständen, an denen man Schnittblumen zuvor kaufen konnte, abheben. Auf den Märkten wurden Blumen stets in gerader Zahl verkauft, also verkauften die Läden bewusst in ungerader Zahl", erzählt die Kuratorin Margit Horvath-Suntinger.
Parallel dazu blühte das Handwerk der Kunstblumen. Ein bemerkenswertes Beispiel aus der Steiermark ist die Malerin Pauline Flechner-Halm, die 1874 in Schladming eine Kunstblumenfabrik gründete. Sie verband künstlerische Exzellenz mit sozialem Engagement, indem sie bevorzugt Töchter aus Bergarbeiterfamilien beschäftigte und ausbildete. Heute erfreuen sich Kunstblumen als Dekoration so großer Beliebtheit wie selten zuvor – zugleich gibt es weltweit nur noch wenige Manufakturen, die sie in aufwendiger Handarbeit fertigen. Die Ausstellung stellt hierbei die aktuelle Frage nach dem Wert individueller Handarbeit in einer Zeit industrieller Massenproduktion.
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Kunstblumen: Die Herstellung von künstlichen Blumen geht in Europa bis in die Antike zurück. Besonders beliebt wurden diese Zierobjekte ab ihrer industriellen Fertigung im 19. Jahrhundert, Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek
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Blumen als Lebensbegleiter und als Instrumente der Macht und Selbstfürsorge Blumen begleiten uns Menschen durch alle Lebensphasen – von Taufgeschenken sowie Namenstags- und Geburtstagskarten über Liebesbriefe, Erstkommunionen und Hochzeiten bis hin zum letzten Gruß für Verstorbene. Der „Bloom-Kalender“ lädt Besucher*innen dazu ein, über persönliche Blumengeschenke und individuelle Erinnerungen an Blumen im eigenen Leben nachzudenken.
Auch im politischen Kontext spielen Blumengeschenke eine tragende Rolle. Von der feudalen „Herrengabe“ als Zeichen des Gehorsams bis hin zu modernen diplomatischen Gesten fungieren sie als Symbole für Konsens und Anerkennung. Sie zeigen an, dass wir alle auf derselben Erde leben, unabhängig von politischen Systemen.
Gleichzeitig rückt Durch die Blume die Bedeutung von Blumen für das Individuum in den Fokus. Das Schenken von Blumen folgt unsichtbaren gesellschaftlichen Regeln und kann sowohl Nähe schaffen als auch Druck erzeugen. Ein Trend hat in letzten Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen: Sich selbst Blumen zu kaufen, wird immer häufiger als bewusster Akt der Selbstfürsorge und Entspannung verstanden – ein Motiv, das auch in der Popkultur, etwa im Song "Flowers" von Miley Cyrus, thematisiert wird.
Pflanzliche Intelligenz und ökologische Zukunft Einen wissenschaftlichen und zugleich visionären Blick bietet der Bereich zur Intelligenz der Pflanzen. Dieser Begriff beschreibt die Diskussion, ob Pflanzen in einem erweiterten Sinn intelligent sind: Obwohl sie kein Gehirn besitzen, reagieren sie flexibel auf Umweltreize, kommunizieren über chemische Signale und passen ihr Wachstum aktiv an. Die Metapher „Intelligenz“ soll nicht Bewusstsein unterstellen, sondern eine neue Sicht auf pflanzliche Lebensformen eröffnen: als aktive, vernetzte Organismen statt passiver Gewächse.
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Ergänzt wird die Ausstellung durch die Kunstintervention "Forget-Me-Not" von der Künstlerin Regula Dettwiler: In der Antoniuskirche fügt sich entsorgter Friedhofsschmuck zu einem über 200 Kilogramm schweren, raumgreifenden floralen Stillleben, Foto: Universalmuseum Joanneum/J. J. Kucek © Bildrecht Wien, 2026
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Interaktive Elemente und Kunstinstallation von Regula Dettwiler
Besucher*innen sind eingeladen, aktiv an der Ausstellung teilzunehmen. Im Rahmen eines wachsenden „Blumenteppichs“ können eigene Gedanken zu Fragen wie „Was lernen wir von Blumen?“ oder „Wie wäre ein Leben ohne Blumen?“ auf farbigen Papierblüten hinterlassen werden.
Ergänzt wird die Ausstellung durch die Kunstintervention Forget-Me-Not / Vergissmeinnicht von Regula Dettwiler in der Antoniuskirche. Tausende täuschend echt wirkende Blüten vereinen sich zu einem farbenprächtigen Strauß – jede einzelne ein stiller Erinnerungsträger an einen Menschen.
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Durch die Blume Geschichten vom Schenken
Eröffnung: 20.05.2026, 19 Uhr Laufzeit: 21.05.2026 - 31.01.2027 Kuratiert von Margit Horvath-Suntinger
Volkskundemuseum am Paulustor, Paulustorgasse 11-13a, 8010 Graz www.volkskundemuseum-graz.at
Die Ausstellung ist Teil des Jahresschwerpunkts BLOOM im Universalmuseum Joanneum und Kunsthaus Graz, weitere Informationen finden Sie hier: museum-bloom.at
Bildmaterial zum Download finden Sie hier: DURCH DIE BLUME
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Wir freuen uns auf Ihre Berichterstattung und stehen für Rückfragen gern zur Verfügung!
Mit herzlichen Grüßen
Daniela Teuschler +43/664/8017 9214, daniela.teuschler@museum-joanneum.at
Stephanie Liebmann +43/664/8017-9213, stephanie.liebmann@museum-joanneum.at
Eva Sappl +43/699/1780-9002, eva.sappl@museum-joanneum.at
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