Walter Langhammer prägte Indiens Avantgarde – doch in seiner Heimatstadt Graz kennt ihn kaum jemand. Das Museum für Geschichte widmet ihm nun eine Ausstellung.

Das Museum für Geschichte zeigt einen „vergessenen“ Grazer Maler, der die Moderne nach Indien brachte

 

Graz, 30.09.2026

 

In der indischen Kunstgeschichte gilt der Grazer Maler Walter Langhammer (1905–1977) als Mentor, Lehrer und Bindeglied für die erste Generation der modernen indischen Avantgardekünstler*innen. In Österreich bzw. in seiner Geburtsstadt Graz ist er hingegen weitgehend unbekannt. 50 Jahre nach seinem Tod zeigt das Museum für Geschichte eine Auswahl seiner Werke und seine Geschichte im Foyer. Die Ausstellung eröffnet am 1. Oktober, der Eintritt ist frei.

Maler, Karikaturist, Grafiker, Kunsttheoretiker, Kunstpädagoge. Mit diesem Handwerkszeug ging Walter Langhammer mit seiner jüdischen Frau Käthe Urbach im Herbst 1938 nach Indien ins Exil, Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek

„Walter Langhammer was a key figure in the history of post-colonial Indian art, an influential connoisseur and patron who was also an artist“, schrieb der bekannte indische Kurator und Kulturjournalist Ranjit Hoskote. Heute hängen Walter Langhammers Bilder in der Tata Foundation, dem ehemaligen Prince of Wales Museum, der Jehangir Art Gallery in Mumbai oder im National Gandhi Museum in Delhi.

 

Vom Roten Wien nach Bombay

Walter Langhammer wurde am 19. April 1905 in Graz geboren. Nach der Schulzeit übersiedelte er 1923 zum Studium an die Akademie der bildenden Künste nach Wien. Dort etablierte er sich bald im „Roten Wien“ als Grafiker, insbesondere nach der Heirat mit Käthe Urbach, der Tochter des sozialdemokratischen und jüdischen Bezirksvorstehers des ersten Wiener Gemeindebezirks, Otto Urbach. Daneben verfolgte er die Malerei und seine „kleine Leidenschaft“, die Karikatur.

Ab 1927 war er als Gymnasiallehrer tätig. Nach der Ausschaltung der Demokratie 1933/34 betrieb er mit seiner Frau Käthe und seinem Schwiegervater illegale Zirkel rund um Kunst und Sozialismus. 1938 musste er mit seiner jüdischen Frau Wien verlassen. Sie flüchteten nach Bombay, damals Britisch-Indien. Dort wurde er später Art Director der Times of India, der größten englischsprachigen Zeitung des Subkontinents, für die er auch Anti-Hitler-Karikaturen zeichnete.

 

Kunstzirkel und Jehangir Art Gallery

Gemeinsam mit seiner Frau, den Exilanten Emanuel Schlesinger und Rudolf von Leyden sowie einflussreichen Kunstkennern aus Bombay bildete er einen Kunstzirkel, der junge, avantgardistische indische Künstler förderte, darunter die mittlerweile weltberühmten Maler Souza, Husain und Raza. In der Folge kam es 1952 zur Gründung der Jehangir Art Gallery in Bombay. Langhammer selbst wurde mit Porträts der High Society Bombays berühmt. Mit seinen postimpressionistischen Landschafts- und Kulturstudien setzte er Maßstäbe für viele junge Künstler*innen.

Der indische Kunsthistoriker Ratan Parimoo bezeichnete ihn als „the man who brought Kokoschka to India“.

 

Ausstellung und Buch

Die Ausstellung im Museum für Geschichte in Graz sowie ein gleichnamiges Buch der Kuratorin Margit Franz geben nun erstmals Einblicke in Langhammers Tätigkeit in Österreich bis 1938 und stellen den Künstler und Kunstförderer einer breiteren Öffentlichkeit vor. Gezeigt werden außerdem Fotos der unterschiedlichen indischen Lebenswelten, die Käthe und Walter Langhammer auf ihren Reisen durch Indien in den 1940er- und 1950er-Jahren einzufangen versuchten.

Der 1938 aus Wien nach Bombay geflohene Maler wurde dort mit Porträts der High Society und postimpressionistischen Landschaftsstudien bekannt, Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek

Rahmenprogramm

Die kompakte Ausstellung im Foyer des Museums für Geschichte wird von einem umfassenden Rahmenprogramm begleitet.

Kuratorinnenführungen finden am Freitag, dem 9. Oktober, Freitag, dem 6. November, sowie am Freitag, dem 4. Dezember 2026, jeweils um 16.00 Uhr statt.

 

9. Oktober 2026, 18.00 Uhr: „Mit der Göttin vermählt – Indische Transgendervarianten“
Lesung und Buchpräsentation mit Traude Pillai-Vetschera (Kulturanthropologin, Universität Wien). Die Autorin erzählt von Sunil, dessen Lebensweg von der Begegnung mit den geschlechterdiversen Gemeinschaften der Hijras und Jogatas geprägt wurde, und bezieht dabei ihre umfangreiche Feldforschung in Indien mit ein. Mehr dazu
 

15. Oktober 2026, 18.00 Uhr: „Wie der Grazer Maler Walter Langhammer die indische Avantgarde in Bombay beeinflusste“
Vortrag und Buchvorstellung mit Margit Franz (Kuratorin und Historikerin). Margit Franz zeigt, wie Langhammer als Art Director der Times of India seine Netzwerke nutzte, um junge indische Künstler zu fördern und ihnen Räume für Reflexion und Präsentation zu schaffen. Mehr dazu
 

22. Oktober 2026, 18.00 Uhr: „Franziska Standenath – Gandhis Botschafterin aus Graz“
Vortrag von Margit Franz. Die Grazerin Franziska Standenath (1883–1971) korrespondierte ab 1925 mit Mahatma Gandhi, verbrachte 1928 einige Monate in seinem Ashram und vermittelte seine Ideen danach einem breiten deutschsprachigen Publikum. Mehr dazu
 

9. November 2026, 18.00 Uhr: „Österreichische Juden und ihr indischer Fluchthelfer“
Buchvorstellung mit Vinay Gupta (Autor) und Margit Franz. Gupta folgt den Spuren seines Großvaters Kundanlal, der zu Beginn des Zweiten Weltkriegs jüdischen Familien aus Graz und Wien zur Flucht vor den Nazis verhalf, ergänzt durch biografische Skizzen der genannten Personen von Margit Franz. Mehr dazu
 

19. November 2026, 18.00 Uhr: „Zulm – Ein Indien-Roman“
Lesung und Gespräch mit Wilhelm Hengstler (Autor) und Margit Franz. Der Roman schickt einen Erzähler auf der Suche nach den Bildern eines 1938 aus Wien geflohenen Malers quer durch den indischen Subkontinent und verbindet Fiktion mit historischen Ereignissen. Mehr dazu
 

26. November 2026, 18.00 Uhr: „Vertrieben, vergessen, wiederentdeckt – der nach Indien emigrierte Architekt Hans Glas“
Buchvorstellung und Gespräch mit Maximilian Eisenköck (Architekt), Margit Franz und Antje Senarclens de Grancy (Architekturhistorikerin). Vorgestellt werden der 1938 nach Indien geflohene jüdische Architekt Hans Glas (1892–1969) und die Publikation über die von Eisenköck restaurierte Villa Rezek in Wien. Mehr dazu

 

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Walter Langhammer
Graz – Indien

Eröffnung: 1. Oktober 2026, 19.00 Uhr

Laufzeit: 2. Oktober 2026 – 6. Jänner 2027

Kuratiert von Margit Franz

Museum für Geschichte, Sackstraße 16, 8010 Graz

www.museumfürgeschichte.at

 

 

Neuerscheinung: Margit Franz, Walter Langhammer: Graz – Indien. 92 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, ISBN 978-3-903425-38-5, CLIO: Graz 2026, Euro 15,00

 

 

Bildmaterial zum Download finden Sie unter folgendem Link: WALTER LANGHAMMER

 

 

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