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Mit der Arbeit „Ver/Ent/Wurzelungen“ lädt Künstlerin Daniela Brasil in einen Heilgarten ein, der Raum für Ruhe, Begegnung und Reflexion schafft

 

Premstätten, 11.05.2026

 

Koloniale Verflechtungen, Migration und neue Formen des Verwurzelns: Das sind die Themen, die die Künstlerin Daniela Brasil aufgreift und den Österreichischen Skulpturenpark mit ihrer Arbeit zu einem Ort sinnlicher „Ver/Ent/Wurzelungen“ macht. Im Mittelpunkt steht dabei die Maracujá-Pflanze und ihre koloniale Reise. Das Projekt ist Teil des Themenschwerpunkts BLOOM im Universalmuseum Joanneum und Kunsthaus Graz und wird am 16. Mai eröffnet.

Künstlerin Daniela Brasil inmitten ihres "Migrat*innengartens", eine Installation, die sie für den Österreichischen Skulpturenpark in Premstätten umgesetzt hat, Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek

Die Installation Ver/Ent/Wurzelungen der Künstlerin Daniela Brasil lädt Besucher*innen in einen Heilgarten ein, um bei verschiedenen Migrant*innenpflanzen zu verweilen, ihre Wirkkraft zu spüren und von ihren Anpassungen zu lernen. Um eine Weidenkuppel installiert die Künstlerin ein sinnliches, politisches und gemeinschaftliches Kunst-Natur-Lebens-Labor rund um die koloniale Reise der Passiflora – der Maracujá – von Südamerika nach Österreich, wo sie als sogenannte „Cooltropics“-Züchtung mittlerweile winterhart eingebürgert ist.

 

„Mein Passion Garden entfaltet sich rund um die sinnliche Passionsblume und die Maracujá, die sie hervorbringt. Als lebendige Skulptur bietet er Raum für Ruhe, Begegnung und Reflexion. Der Garten erinnert daran, dass pflanzliche und menschliche Biografien gleichermaßen durch Geschichten von Kolonialismus und Migration miteinander verwoben sind, und macht Österreichs Verstrickung in die brasilianische Kolonialgeschichte sichtbar. Er lädt dazu ein, über die Komplexitäten, Bewegungen und Anpassungsprozesse nachzudenken, die Akten des Entwurzelns und Wiederverwurzelns innewohnen“, erklärt Daniela Brasil.

 

Als Meditation und künstlerische Geste zugleich entsteht ein regenerativer Raum, der sinnliche Neugier weckt. In ihm ist die durch Erzherzogin Maria Leopoldina, später Kaiserin von Brasilien, verflochtene Geschichte Brasiliens und Österreichs eingeschrieben. Sie verweist auf eine Zukunft, die in der Gegenseitigkeit zwischen den Menschen und der mehr als menschlichen Welt wurzelt.

 

Wie Gabriele Mackert, die Leiterin des Österreichischen Skulpturenparks, betont, beschäftigt sich das Projekt mit der Frage nach Halt und Verankerung in Zeiten globaler Veränderung: „Die Installation von Daniela Brasil lädt dazu ein, über die eigene Verortung in der Welt nachzudenken. Unsere Umwelt verändert sich gerade rasant und wir müssen immer flexibler sein. Wie und wo können wir angesichts dieser globalen Transformation noch gute Wurzeln schlagen, die uns eine solide Verankerung bieten?“

Um eine Weidenkuppel hat Daniela Brasil ein sinnliches, politisches und gemeinschaftliches Kunst-Natur-Lebens-Labor installiert, Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J.Kucek

Die Reise der Passiflora
Aus tropischen Böden gerissen und ins europäische Klima verpflanzt, mussten sich Migrant*innen wie die Passiflora neu verwurzeln, sich an Frost und ungewohnte Böden anpassen und ihnen auferlegte Narrative umschreiben.
Im Rahmen der Recherchearbeit griff Brasil auf Aufzeichnungen österreichischer Expeditionen nach Brasilien aus dem 19. Jahrhundert zurück und widmet sich den Aquarellen von Thomas Ender und Michael Sandler, die die kolonialen wissenschaftlichen Expeditionen dokumentieren. Enders Werke bieten prächtige Erzählungen der tropischen Landschaft, während Sandlers botanische Zeichnungen Pflanzen als offene Körper zeigen, die seziert wurden, um ihre inneren Strukturen mit anatomischer Präzision zu offenbaren. Aus den Tausenden botanischen und mineralischen Fundstücken, die nach Wien gebracht wurden, sind einige in die wissenschaftlichen Sammlungen des Joanneums in Graz gelangt.
Brasil wählte die Passionsblume als Leitmotiv ihrer Arbeit aus. Ihren Namen verdankt die dekorative Blume Missionaren, die anhand ihrer Blüte die Passion Christi veranschaulichten: Die Nebenkrone galt als Dornenkrone, die fünf Staubblätter als Wundmale, die drei Griffel als Nägel des Kreuzes. Heute steht die Passiflora nicht nur für die fruchtige Süße der Maracujá, sondern sie wird dank ihrer beruhigenden Wirkung auch als Heilpflanze genutzt.

Die Passiflora steht im Mittelpunkt der Installation. Sie ist eine der Migrat*innenpflanzen - ursprünglich aus Südamerika - hat sie sich an die Bedingungen in Österreich angepasst, Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J.Kucek

Seit Ende März wurde am Bau der Installation gearbeitet und gepflanzt, nun wird das Projekt mit einem umfangreichen Rahmenprogramm eröffnet: Am 16. Mai warten auf die Besucher*innen Musik, eine Performance und ein Künstlerinnengespräch mit Daniela Brasil. Der Eintritt ist frei!

 

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Über die Künstlerin
Daniela Brasil studierte Architektur, Urban Design und Soziale Skulptur und promovierte an der Bauhaus-Universität Weimar zu künstlerischen Strategien im öffentlichen Raum.
Die Künstlerin lebt seit 2010 in Graz und beschäftigt sich auf poetische Weise mit Prozessen von Transfer und Migration. Immer wieder kehrt sie dabei zu ihren familiären Erinnerungslandschaften in Rio de Janeiro, Brasilien, zurück. Ihre persönlichen Lebenswege nutzt sie, um koloniale Verstrickungen, Erfahrungen von Entwurzelung und Möglichkeiten des Wieder-Verwurzelns sichtbar zu machen. Ihre künstlerische Forschung tastet nach Verbindungen: zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Körpern und Territorien, zwischen Geschichten, die erzählt werden, und solchen, die erst wiedergefunden werden müssen. Diese Anliegen setzt sie in künstlerische Formate und räumliche Situationen um, zuletzt etwa in der von ihr kuratierten Ausstellung Habitat Graz (Graz Museum, 2024) oder in der Arbeit Wenn die Pader regnet: Übungen in Flussfreundschaft, im Auftrag von Der Fluss bin ich. Tatort Paderborn, 2025.

 

 

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Daniela Brasil
Ver/Ent/Wurzelungen. Ein Migrant*innengarten

Eröffnung mit Performance, Musik und Künstlerinnengespräch: 16.05.2026, ab 16 Uhr
Laufzeit: bis 31.10.2026
Österreichischer Skulpturenpark
Thalerhofstraße 85, 8141 Premstätten
www.skulpturenpark.at

 

Dank für die Unterstützung an: Natur.Werk.Stadt Graz, Botanischer Garten Graz, Juanitas Nähbox

 

Bildmaterial zum Download finden Sie unter folgendem Link: DANIELA BRASIL

 

Das Projekt ist Teil des Themenschwerpunkts BLOOM im Universalmuseum Joanneum und Kunsthaus Graz. Mehr dazu finden Sie hier: BLOOM

 

 

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Wir freuen uns auf Ihre Berichterstattung und stehen für Rückfragen gerne zur Verfügung!

 

 

Mit herzlichen Grüßen

 

 

Daniela Teuschler
+43/664/8017 9214, daniela.teuschler@museum-joanneum.at

Stephanie Liebmann
+43/664/8017-9213, stephanie.liebmann@museum-joanneum.at

Eva Sappl
+43/699/1780-9002, eva.sappl@museum-joanneum.at