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Markus Huemers Arbeiten in der Neuen Galerie Graz bewegen sich an den Schnittstellen unserer Wahrnehmung im digitalen Zeitalter

 

Graz, 12.05.2026

 

 

Mit der Einzelausstellung von Markus Huemer eröffnet die Neue Galerie Graz die zweite Ausstellung zum Themenschwerpunkt BLOOM des Universalmuseums Joanneum und des Kunsthauses Graz. Sie präsentiert darin das Werk eines Künstlers, der sich seit rund drei Jahrzehnten konsequent mit der Bedeutung der Bilder im Zeitalter der digitalen Medien auseinandersetzt.

Rund 80 Werke des Künstlers Markus Huemer werden ab 14. Mai in der Neuen Galerie Graz zu sehen sein, Foto: Universalmusem Joanneum/J.J. Kucek (c) Bildrecht Wien, 2026

Die Ausstellung präsentiert rund 80 Werke aus dem Entstehungszeitraum der letzten 25 Jahre, die unter dem Begriff „Naturdarstellungen“ zusammengefasst werden können. So sind unter anderem Landschaften, Pflanzenstillleben und Blumenbilder zu sehen. Die Auswahl stellt nur einen Bruchteil des Gesamtwerkes von Markus Huemer dar, das mittlerweile knapp 2.000 Arbeiten zählt. Die Menge ist nicht allein dem Eifer des Künstlers geschuldet, sondern sie repräsentiert gleichsam das Konzept einer Bildproduktion, die sich mit der Allgegenwart der Medien und insbesondere unserem Verhältnis zu digitalen Medien und ihrer konsequenten Durchdringung individueller wie kollektiver Lebensbereiche auseinandersetzt.

 

Alle Gemälde sind auf Basis digitaler Bilder entstanden, wie sie zigfach im Internet und auf sozialen Plattformen kursieren – und damit jenseits eines persönlichen Realitätserlebnisses. Stattdessen erfolgt im Werk Huemers eine Auseinandersetzung mit dem medial konstruierten Wahrnehmungsraum, der nur mehr mittelbar mit dem ursprünglichen Gegenstand und dessen Erkenntnis in Verbindung steht, dessen Einflussnahme jedoch auf alle gegenwärtigen Lebensbereiche bis hin zur allgemeinen Wissensproduktion sowie der fortschreitenden Aneignung von Naturräumen mit all ihren ökologischen und ökonomischen Folgen zu einem unabänderlichen globalen Faktum geworden ist.

 

Ausgefallene Motive
Eine Betrachtung der Natur aus der Perspektive der Algorithmen wird zu einem beängstigenden, alle humanen Errungenschaften negierenden Erlebnis. Huemers Motive – pilzartige, subterrane, halb pflanzliche, halb zoomorphe Lebensformen wie Kryptogamen (Algen, Farne, Moose, Flechten, Pilze) oder Monotropa – folgen in ihrer Vermehrung und ihrem Wachstum algorithmischen Prinzipien. Genau diese Prinzipien durchdringen zunehmend auch zivilisatorische Sphären.

 

Eine weitere strukturelle Verflechtung erfolgt in seiner Auseinandersetzung mit den Metamorphosenbildern der niederländischen Malerin und Naturforscherin Maria Sibylla Merian (1647–1717). Selbst keine „Abbilder“ der Natur, sondern eben Imaginationen von Verwandlungsprozessen, erleben diese Arbeiten bei Huemer eine weitere Transformation, indem er diese nach eingehender digitaler Nachbearbeitung und Umsetzung als Gemälde als Darstellungen von Computerprogrammen und Computermaleware präsentiert. Somit wird das Naturbild zur Metapher eines algorithmischen Netzes, das unsere Zivilisation unsichtbar, aber unaufhaltsam und fundamental durchdringt.

 

"Ich hätte euch eine bessere Zukunft malen können" so der Titel dieses Bildes (Mitte); Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek (c) Bildrecht Wien, 2026

Vom Maler zum Medienkünstler
Huemers Arbeitsweise hängt wesentlich mit seiner künstlerischen Genese zusammen. Als er, der neben Malerei auch Medienkunst studierte und sich außerdem profunde Kenntnisse aus Kunstgeschichte und Philosophie aneignete, in den 1990er-Jahren seine Laufbahn startete, wurde er als Maler kaum wahrgenommen. Begünstigt durch die Zeit und sein Umfeld begann er mit Arbeiten im Bereich Medien- und Netzkunst, die damals einen Hype erlebte und mit Huemer einen ihrer aufstrebenden Protagonisten hervorbrachte. So fand er 1997 erstmals auch seinen Weg in die Neue Galerie Graz, wo er in einer von Peter Weibel kuratierten "studio"-Ausstellung eine seiner ersten Medieninstallationen präsentierte. Das malerische Werk entstand parallel dazu, wobei es von Beginn an die Themen der Medienkunst und -kultur bearbeitete.

 

Nichtsdestoweniger ist Huemers Werk aber auch eine tiefgehende Auseinandersetzung mit der Geschichte, den Mitteln und Möglichkeiten des ihm eigenen Mediums der Malerei. Die scheinbar beliebige Wahl von Motiven aus dem unerschöpflichen Bilderfundus des Internets, die Möglichkeit ihrer schier endlosen Wiederholbarkeit, die Offenlegung des Bildwerdungsprozesses, der Unfertiges, Rudimentäres neben Vollendetes stellt und damit die traditionelle Erwartungshaltung an die Illusion des Bildes entlarvt – all das sind Strategien des Malers, um die Konzepte von Kunst und Künstler*innen nicht zuletzt auch ironisch zu hinterfragen.

 

Was Huemers Malerei ungeachtet ihrer tiefgreifenden Verankerung in Theorien und vielfältigen Beziehungen weit über die Kunst und Kunstgeschichte hinaus letztlich im Kern auszeichnet, ist die Vermittlung eines hochgradig sinnlichen Kunst-Erlebnisses, eines ganz bewusst gesetzten ästhetischen Statements, worin Malerei als eine der ureigensten Reflexionsebenen des Menschen jenen humanistischen Blick auf die Welt einfordert, dessen sukzessiven Verlust sie thematisiert.

Die "Monotropa uniflora" ist eine echte Pflanze, auch wenn sie aussieht wie eine Erfindung. In der Ausstellung ist ihr ein ganzer Raum gewidmet. Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek (c) Bildrecht Wien, 2026

Markus Huemer, geboren 1968 in Linz, lebt und arbeitet in Berlin; Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung; Kunstakademie, Düsseldorf; Fellowship, Kunsthochschule für Medien, Kunst- und Medienwissenschaften, Köln; Lehrauftrag an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität, Frankfurt; Professur an der Akademie der Bildenden Künste Prag, Neue Medien

 

 

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Markus Huemer
Ein Fußballfeld muss baumfrei sein

Eröffnung: 13.05.2026, 19 Uhr
Laufzeit: 14.05.–04.10.2026
Kuratiert von Peter Peer
Neue Galerie Graz, Joanneumsviertel, 8010 Graz
www.neuegaleriegraz.at

 

Den ausführlichen Pressetext und Bildmaterial zum Download finden Sie unter folgendem Link:
MARKUS HUEMER

 

Die Sonderausstellung ist Teil des Themenschwerpunkts BLOOM im Universalmuseum Joanneum und Kunsthaus Graz. Infos zu allen Ausstellungen und dem Programm finden Sie hier: BLOOM

 

Begleitend zur Ausstellung ist ein Katalog im DISTANZ-Verlag erschienen, mit Texten von Elisabeth Fiedler, Stephan Berg, Maja Kolaric, Lisa Ortner-Kreil, Ulrich Tragatschnig und Peter Peer.

 

 

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