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Graz, 02.06.2026
Roland Reiter überformt Auto- und Motorradteile zu Objekten, die zwischen Skulptur und Malerei pendeln – abstrakt und doch von Erinnerung durchzogen. Seine neue Werkserie im studio der Neuen Galerie Graz knüpft an die Avantgarden der 1960er-Jahre an und verbindet sie mit popkulturellem Glamour und dem zeitgenössischen Diskurs. Was die Dinge einmal waren, ist noch spürbar. Was sie sein könnten, bleibt offen.
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Das studio der Neuen Galerie Graz zeigt die neue Werkserie des steirischen Künstlers Roland Reiter, Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek © Bildrecht Wien, 2026
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Roland Reiter (* 1965) ist ein Künstler, der in den letzten Jahrzehnten ein Werk hervorgebracht hat, dessen zahlreiche Facetten nur schwer auf einen Nenner zu bringen sind. Charakteristisch für sein Schaffen ist das Spiel mit Vertrautem, das sich einer klaren Zuordnung oftmals entzieht, einer feinen Note des Humors, die sich aber nie in der Pointe erschöpft und einer Vielschichtigkeit, die sich erst bei näherer Betrachtung und Reflexion auftut.
Zwischen Skulptur und Malerei
Die Ausstellung im studio der Neuen Galerie Graz zeigt Arbeiten seiner neuen Werkserie, für die er Bauteile von Autos und Motorrädern zusammengesucht, neu kombiniert, erweitert und überformt hat. Die so entstandenen Objekte zeichnen sich durch eine abstrakte Gestalt aus, die noch die Erinnerung an ihre vorangegangene Form und Funktion in sich tragen. Mitunter verweist er im Titel auf den Ursprung des Materials, wie bei Transit Bus II oder 2er Golf. Durch vielfältige Überarbeitungen mit Winkelschleifer, Spachtel, Lappen und diversen Lacken kreiert er eine malerische Textur auf den metallenen Oberflächen, die das Auge vagieren lässt.
„Diese Arbeiten stehen beispielhaft für Roland Reiters skulpturales Denken, da die Werke nicht nur durch ihre malerische Qualität eine hybride mediale Form einnehmen, sondern zudem an der Wand hängend, gegen sie gelehnt oder auf dem Boden liegend präsentiert werden können“, so Kurator Roman Grabner.
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Die Ausstellung im studio der Neuen Galerie Graz ist bei freiem Eintritt zu besuchen und wird am 3. Juni um 19 Uhr eröffnet; Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek © Bildrecht Wien, 2026
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Das Auto in der Kunst / das Auto als Motiv
Mit der Verwendung von Bauteilen motorisierter Fahrzeuge stellt sich Reiter in eine lange kunsthistorische Tradition. Der Fetisch Auto findet seit über hundert Jahren vielfache Inszenierungen, ob in den Bildern automobiler Bewegung und Geschwindigkeit der Futuristen, den Skulpturen der Nouveau Realistes und den stilllebenartigen Huldigungen der Fotorealisten, über Happenings und Performances hin zu sämtlichen Spielarten der neuen Medien.
Es sind jedoch vor allem die Tendenzen der 1960er-Jahre, die ihm als Ausgangspunkt dienen. Künstler wie John Chamberlain, der Stahlbleche aus der Autoindustrie durch Pressen, Stauchen, Knittern und Einrollen in expressive Skulpturen transformierte. Arman, der gleiche Autoteile in seinen Akkumulationen neben- und übereinander schichtete. Oder auch Künstler*innen der kalifornischen Ausprägung einer minimalistischen Kunst wie beispielsweise John McCracken, die in den 1960er-Jahren Kunstharze und Lacke aus der Autoindustrie verwendeten und mit neuen Technologien der Industriebeschichtungen arbeiteten.
Reiter rekurriert auf die minimalistischen und konzeptuellen Kunstpraktiken der Nachkriegsavantgarde und kombiniert sie mit dem popkulturellen Glamour und Bling-Bling der Millennial-Generation vor der Folie des Diskurses über den Transhumanismus.
Wichtig ist, was es sein könnte
Es ist ein Charakteristikum von Reiters bildhauerischem Schaffen, dass sich viele seiner Arbeiten aufgrund ihrer ambiguen und uneindeutigen Form einer präzisen Etikettierung entziehen. Ausgangspunkt sind oftmals Industrieprodukte, die der Künstler überformt und mit disparaten Materialien kombiniert. „Die Demontage startet das Narrativ“, wie Roland Reiter seinen Arbeitsprozess beschreibt. Das Industrielle trifft auf das Organische, das Technoide auf das Tierische und das Künstliche auf das Natürliche. Die Betrachter*innen sind gleichsam versucht, etwas Konkretes in den abstrakten Formen zu erkennen, ihnen eine referenzielle Logik überzustülpen, doch der Künstler versteht es, seine Arbeiten der eindeutigen Zuschreibung zu entziehen. Reiter setzt das Spiel der Andeutungen und Analogien bewusst ein, um seine Arbeiten offen für die Kontingenz der Lesarten zu halten, daher trägt die Ausstellung auch den paradigmatischen Titel: „No matter what it is, but it matters what it could be“.
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Ausgangspunkt für Roland Reiters Arbeiten sind oftmals Industrieprodukte, die er überformt und mit disparaten Materialien kombiniert; Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek © Bildrecht Wien, 2026
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Über den Künstler
Obgleich Reiter gebürtiger Steirer ist, war er in der Steiermark kaum präsent. Reiter wurde 1965 in Schladming geboren und hat vor seinem Studium an der Hochschule für angewandte Kunst eine Fachschule für Holz und Steinbildhauerei besucht. Seit 1987 lebt und arbeitet er in Wien und seit 1995 hat er einen Lehrauftrag für Bildhauerei an der Universität für angewandte Kunst. Sein Werk wurde in zahlreichen Ausstellungen in Europa und Asien gezeigt. In der Steiermark war Reiter zuletzt 2023 mit einer Personale im Rahmen des Festivals Hochsommer in Fehring vertreten. Die Ausstellung im studio der Neuen Galerie Graz gibt einen Einblick in sein aktuelles Schaffen.
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Roland Reiter No matter what it is, but it matters what it could be
Eröffnung: 03.06.2026, 19 Uhr Laufzeit: 04.06.–06.09.2026 Kuratiert von Roman Grabner Eintritt frei studio, Neue Galerie Graz
www.neuegaleriegraz.at
Ausstellungsansichten zum Download finden Sie unter folgendem Link: ROLAND REITER
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Wir freuen uns auf Ihre Berichterstattung und stehen für Rückfragen gern zur Verfügung!
Mit herzlichen Grüßen
Daniela Teuschler +43/664/8017 9214, daniela.teuschler@museum-joanneum.at
Stephanie Liebmann +43/664/8017-9213, stephanie.liebmann@museum-joanneum.at
Eva Sappl +43/699/1780-9002, eva.sappl@museum-joanneum.at
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