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Die mediale Konstruktion von Wahrheit steht im Zentrum der Videoinstallation und des Trailers der Diagonale ’26

 

Graz, 13.03.2026

 

Das Tor zur Unwirklichkeit: Künstler und Filmemacher Michael Gülzow lässt in seiner Videoinstallation die Protagonist*innen nicht nur durch die Zeit, sondern auch durch Realitäten reisen. Gülzow, der auch für den diesjährigen Trailer der Diagonale verantwortlich zeichnet, untersucht in seiner Arbeit die mediale Konstruktion von Wahrheit in Zeiten faszinierend-beängstigender Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz. Im Untergeschoss des Kunsthauses können sich Besucher*innen entlang der Grenze zwischen Realität und Fiktion bewegen, an der BIX-Fassade materialisiert sich Naturwissenschaft zu Sprache und Kunst. Zu sehen sind die Arbeiten noch bis zum 29. März.  

"Das Tor zur Unwirklichkeit": Die Videoinstallation von Michael Gülzow ist derzeit im Untergeschoß des Kunsthauses Graz zu erleben, Foto: Kunsthaus Graz/J.J. Kucek

Müheloses Wechselspiel zwischen Fakt und Fake
Was wäre, wenn wir uns einfach zwischen Nachrichten und fiktiven Welten hin- und her bewegen könnten, seien es Science-Fiction-Filme oder KI-generierte Fake-Realitäten? Würden wir es bemerken oder sind diese Welten schon so ununterscheidbar geworden, dass wir sie alle für gleichermaßen wahr – oder Fake – halten würden?

 

In Michael Gülzows Videoinstallation, die rund um eine neue Drei-Kanal-Videoarbeit aufgebaut ist, wie auch in dem von ihm gestalteten Trailer zur Diagonale ’26 können die Protagonist*innen nicht nur durch die Zeit reisen, sondern wechseln dabei auch mühelos zwischen Nachrichtensendungen, Szenerien des Science-Fiction-Genres und „alternativen Fakten“. Der Künstler löst durch die raffinierte Montage von Found Footage und selbst gedrehtem Material die Grenzen zwischen Realität und Fiktion auf und lässt sie in einen vielschichtigen und humorvollen Dialog treten. Er untersucht kritisch das Spannungsfeld von zeitgenössischer Bildproduktion – mit ihren sich rasant entwickelnden technologischen Möglichkeiten – und der medialen Konstruktion von Wahrheit mit ihren beängstigenden Strategien der Verführung und Täuschung. Durch die offensichtliche Bearbeitung und Montage schafft er keine Illusionen, sondern macht die Mechanismen medialer Manipulation sichtbar und dekonstruiert durch die Selbstermächtigung der Protagonist*innen postfaktische Narrative.

 

Die im Kunsthaus Graz gezeigte Arbeit hat sich aus dem diesjährigen Trailer der Diagonale entwickelt – eine Koproduktion mit dem Titel Die paradoxe Begegnung am 18. März 2026 – Die Zeitreisenden. Hier treffen Klassiker aus der Film- und Fernsehgeschichte wie Die Zeitmaschine und Deep Space Nine auf den Friendly Alien und werden damit zu einer wundersam-witzigen Zeitreise.

Claudia Slanar, Festivalleitung Diagonale, Martin Grabner, Kurator Kunsthaus Graz, Michael Gülzow, Künstler und Filmemacher, Andreja Hribernik, Direktorin Kunsthaus Graz, Dominik Kamalzadeh, Festivalleitung Diagonale, (v.l.), bei der Midissage, Foto: Kunsthaus Graz/J.J. Kucek

Sowohl die Leitung des Kunsthauses als auch der Diagonale freuen sich über die Kooperation und die Zusammenarbeit mit Künstler Michael Gülzow: 


„Die langjährige Kooperation mit der Diagonale ist besonders spannend, gerade was die Entstehung der Ausstellung der Preisträger*innen für Innovatives Kino des Vorjahres und der Koproduktion des Festivaltrailers betrifft. Michael Gülzow hat sich bei seinem Ausstellungsprojekt einerseits auf das Haus und dessen futuristische Architektur eingelassen und gleichzeitig hinterfragt er unsere Wahrnehmung von Realität und Wahrheit. In der heutigen, stark medialisierten Gesellschaft ein hochaktuelles Thema. Wir freuen uns jedes Jahr über die inhaltliche Kooperation und die Verbindung mit dem Festival, auch in Form des gemeinsamen, stetig wachsenden Trailer-Archivs", so Andreja Hribernik, Leiterin des Kunsthauses Graz
"Wir freuen uns sehr, mit Michael Gülzow einen Künstler zu zeigen, der in seinen Arbeiten mit der Verbindung von Wahrheit, Fiktion und medialer Manipulation ebenso klug wie humorvoll experimentiert", so Dominik Kamalzadeh & Claudia Slanar, Festivalleitung Diagonale
 

Materialisiertes Licht auf der BIX-Fassade
Nur weil der Mensch die Welt so sieht, wie er sie wahrnimmt, heißt das nicht, dass die Welt tatsächlich so ist. Sich selbst und die eigene Wahrnehmung zu hinterfragen, geht leidenschaftlichen Verschwörungsideolog*innen allerdings nicht weit genug:  Was wäre, wenn sich Gedanken – in welcher konkreten Form auch immer – materialisieren, Realität werden könnten? Auf dieses immer wieder auftauchende Motiv bezieht sich Gülzow mit seiner Arbeit für die BIX-Medienfassade des Kunsthauses Graz. „Im Zentrum des Blickfeldes befindet sich immer die Lösung eines Gedankens“ ist ein zentraler Satz seiner Mockumentary Der tote Winkel der Wahrnehmung, die 2025 mit dem Diagonale-Preis für Innovatives Kino ausgezeichnet wurde. Alles – für Verschwörungstheoretiker*innen bis hin zu Naturgesetzen – könnte potenziell eine Konstruktion sein, nichts ist, wie es scheint.
Zweifel ist eine Grundlage aller Verschwörungserzählungen und -ideologien, aber auch das erste Mittel, um ihnen zu widersprechen. Solange wir Dinge aktiv anzweifeln und über sie nachdenken, können wir uns, René Descartes zufolge, unserer Existenz sicher sein. Auf der BIX-Medienfassade des Kunsthauses Graz materialisiert sich Licht – pure Naturwissenschaft – zu Sprache und Kunst und wird damit zu einer Realität.

Auch die BIX-Fassade wird derzeit von Michael Gülzow bespielt: Licht materialisiert sich hier zu Sprache und Kunst, Foto: Kunsthaus Graz/J.J. Kucek

Zum Künstler
Michael Gülzow, geboren 1982 in Kiel, lebt als Künstler und Filmemacher in Wien. Studium Medienkunst und Experimentalfilm an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Constanze Ruhm und Harun Farocki sowie an der Muthesius Kunsthochschule Kiel bei Stephan Sachs und Else Gabriel. Sein Spielfilmdebüt, die Mockumentary Der tote Winkel der Wahrnehmung, wurde bei der Diagonale 2025 mit dem Preis für Innovatives Kino ausgezeichnet.

 

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Michael Gülzow
Das Tor zur Unwirklichkeit
Kunsthaus Graz, Untergeschoss
 

Im Zentrum des Blickfeldes
BIX-Medienfassade
 

Laufzeit: 20.02.–29.03.2026
Kuratiert von Martin Grabner  
www.kunsthausgraz.at 
 

In Kooperation mit Diagonale ’26

 

Veranstaltungshinweis

 

Künstlergespräch am 21.03., 11 Uhr
Michael Gülzow
und Kurator Martin Grabner sprechen über die Beziehung von Realität und Fiktion und darüber, wie die zeitgenössische Bildproduktion von Science-Fiction bis KI unser Bild von der Welt prägt.
 

 

BILDMATERIAL zum DOWNLOAD finden Sie unter folgendem Link: MICHAEL GÜLZOW


 

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Mit herzlichen Grüßen

 

 

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