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Graz, 17.09.2026
Die Wanderausstellung Unsere Geschichte(n.) Grazer Jugendliche beforschen ihre Familiengeschichten geht der Frage nach, welche familiären Erzählungen und Erfahrungshintergründe in sechs Grazer Schulen vorhanden sind und was das für Schulen ebenso wie historisches Lernen bedeutet. Im Zentrum der Ausstellung stehen die Familiengeschichten der Schüler*innen, die diese in Videointerviews mit ihren Verwandten erforscht haben. Zu sehen im Foyer des Museums für Geschichte bis 27. September bei freiem Eintritt.
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"Unsere Geschichte(n)" ist eine Wanderausstellung, in der Jugendliche unterschiedlicher Kulturen ihre eigenen familiären Hintergründe erforschen. Ansicht (c) Meik, Foto: Esraa Shenhata
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Seit 2022 wird im Rahmen des sogenannten Historiker:innenstreits 2.0 darüber diskutiert, ob die österreichische und deutsche Erinnerungskultur mit dem Holocaust im Zentrum noch den Realitäten einer von Migration geprägten Gesellschaft entspricht oder ob nicht vielmehr auch andere, koloniale Gewaltverbrechen des 20. Jahrhunderts Berücksichtigung finden sollten. Ist der Holocaust tatsächlich noch zentraler Bestandteil des historischen Bewusstseins und der historischen Erzählungen aller im Land lebenden Bürger*innen?
Tatsache ist, dass die Migrationsbewegungen der letzten Jahrzehnte unsere Gesellschaft vielfältiger und diverser gestalten. Das spiegelt sich auch in den Klassenzimmern, wo Jugendliche unterschiedlicher kultureller Prägungen und familiärer Erfahrungshintergründe mit- und voneinander lernen. Doch in öffentlichen Debatten wird diese Vielfalt zumeist nicht als Chance für die Zukunft, sondern vielmehr als bildungspolitische Herausforderung oder Integrationsproblem verhandelt, Lehrpläne und Schulbücher nehmen kaum auf diese demografische Situation Rücksicht.
Eigene Erfahrungen mit den vermittelten historischen Narrativen zu verknüpfen und diese als Teil ihrer Geschichte(n) wahrzunehmen, wird Jugendlichen damit erschwert.
Im Sparkling-Science-Projekt Das Gedächtnis des Klassenzimmers. Multidirektionales Erinnern in Grazer Schulen (MEiK) widmen sich Georg Marschnig und Melanie Göttfried vom Arbeitsbereich für Geschichtsdidaktik sowie Gerald Lamprecht, Maria Pasaricek und Esraa Shehate vom Centrum für Jüdische Studien der Universität Graz gemeinsam mit Schüler*innen der Frage, welche vielfältigen Erzählungen im Familiengedächtnis sind und inwieweit diese im schulischen Geschichtsunterricht aufgegriffen und berücksichtigt werden.
„Das Projekt ermöglicht es“, so Georg Marschnig, „dass Jugendliche durch ihre Mitwirkung am Forschungsprozess selbstständig Handlungsmacht entfalten. Mit den von ihnen gesammelten Geschichten können wir gemeinsam ein Bild der Grazer Bevölkerung entwickeln, das nicht schwarz-weiß ist, sondern vielmehr bunt und vielschichtig. Ihre Geschichten stehen gleichberechtigt nebeneinander, ohne auf- oder abgewertet zu werden. Darin sehe ich die große Stärke unseres Projekts.“ Wie wichtig die Jugendlichen selbst die Einbindung dieser Familiengeschichten in den Geschichtsunterricht finden, erzählt ein Schüler: „Ich nehme aus dem Interview mit, dass wir die Erfahrungen, die unsere Eltern, Großeltern und Verwandten gesammelt haben, auch in unseren Geschichteunterricht miteinbeziehen sollten, da dies auch Platz in unserem Klassenraum haben sollte. Ebenso können wir auch von anderen Kulturen lernen.“
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Die Ausstellung, im Foyer des Museums für Geschichte, ist bis zum 27. September bei freiem Eintritt zu besuchen, Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek
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Schüler*innen von sechs Grazer Schulen werden zu Forschenden ihrer eigenen Geschichte(n)
Schüler*innen der MS Straßgang, MS St. Leonhard, MS/BG/BRG Klusemann, des Akademischen Gymasiums, des BG/BRG Oeversee und des Sacré Coeur wurden im Projekt zu Forschenden, indem sie ihre Familiengeschichten durch lebensgeschichtliche Interviews erhoben. Dabei wählten sie ein Familienmitglied aus, das sie mit professionellem Equipment interviewten. So entstanden insgesamt 45 Interviews in zehn verschiedenen Sprachen, die die Vielfalt der Grazer Klassenzimmer widerspiegeln, welche die Basis für die Ausstellung bildet.
Anhand unterschiedlicher Themenkomplexe wie „Prägende Momente“, „Glaube und Werte“, „Graz“, „Kindheit“ und „Familie“ gibt die Ausstellung Einblicke in die Ergebnisse des Projekts. Neben Videoausschnitten aus den Interviews geben auch jene Erinnerungsobjekte Einblick in die Familiengeschichten, die von den Familienmitgliedern im Rahmen der Gespräche präsentiert wurden. Darüber hinaus kommen die Schüler*innen selbst zu Wort und reflektieren ihre Erfahrungen im Projekt. „Die Klassenzimmer und Wohnzimmer der Familien wurden zu Werkstätten, in denen vielfältige Erzählungen erhoben wurden“, beschreibt Gerald Lamprecht einen zentralen Aspekt des Projekts. Ein Farbsystem macht dabei die einzelnen Schulen sowie die beteiligten Schüler und ihre Familienmitglieder sichtbar und begleitet die Besucher*innen durch die von Erika Thümmel kuratierte Ausstellung.
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Unsere Geschichte(n) Grazer Jugendliche beforschen ihre Familiengeschichten Laufzeit: 16.09.2026–27.09.2026 Museum für Geschichte, Foyer Sackstraße 16, 8010 Graz www.museumfürgeschichte.at
Eine Ausstellung des Centrums für Jüdische Studien und des Arbeitsbereichs Geschichtsdidaktik der Universität Graz in Zusammenarbeit mit Schüler*innen des Akademischen Gymnasiums Graz, der Digital MS St. Leonhard, der Holz MS Straßgang, der MS/BG/BRG Klusemannstraße, dem BG/BRG Graz Oeverseegasse und des Sarcé Coeur Graz. Eine Ausstellung des Sparkling-Science-Projektes SPSC_02_017. BMB – Bundesministerium Bildung
Bildmaterial zum Download finden Sie unter folgendem Link: UNSERE GESCHICHTE(N)
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Wir freuen uns auf Ihre Berichterstattung und stehen für Rückfragen gerne zur Verfügung!
Mit herzlichen Grüßen
Daniela Teuschler +43/664/8017-9214, daniela.teuschler@museum-joanneum.at
Stephanie Liebmann +43/664/8017-9213, stephanie.liebmann@museum-joanneum.at
Eva Sappl +43/699/1780-9002, eva.sappl@museum-joanneum.at
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