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Das Museum für Geschichte beleuchtet mit der Ausstellung „Camaradas“ persönliche Geschichten österreichischer Freiwilliger im Kampf gegen den Faschismus

 

Graz, 14.04.2026

 

Insgesamt waren es rund 1.400 Österreicher*innen, die als Freiwillige nach dem Putsch spanischer Generäle gegen die demokratisch gewählte Regierung die Spanische Republik im Kampf gegen den Faschismus unterstützten. Die kompakte Ausstellung Camaradas des Vereins CLIO im Foyer des Museums für Geschichte widmet sich insbesondere den steirischen Biografien, die beteiligt waren. Hundert Jahre nach Beginn des Spanischen Bürgerkriegs bietet die Ausstellung damit spannende Einblicke, die sehr persönliche Wege des Widerstands nachzeichnen.

"Camaradas" im Museum für Geschichte: Angehörige des 12.-Februar-Bataillons bei Batea, Ebroschlacht, März/April, 1938. Von links nach rechts, 1. Reihe: unbekannter Spanier, Georg Ferk; 2. Reihe: Alfons Bernlochner, Franz Chladek, Hans Stadler, Hans Landauer, Unbekannter; stehend: Hans Bily © DÖW/Spanienarchiv

Der Weg zum Terrorregime
Am 14. April 1931 wurde durch eine spontane Volkserhebung in mehreren Städten Spaniens die Zweite Republik ausgerufen. Spanien war zu jener Zeit eines der sozial, politisch und wirtschaftlich rückständigsten Länder Europas und von massiven Gegensätzen zwischen Arm und Reich gekennzeichnet. Deswegen entwickelte die Republik ein umfassendes Reform- und Bildungsprogramm, führte 1933 das Frauenwahlrecht ein und plante Landreformen. Zeitgleich haben politische Unruhen und zunehmende Gewalt 1936 zur Eskalation geführt, schließlich kam es zum Putsch der demokratisch gewählten Regierung. Bald tat sich unter ihnen der General Francisco Franco hervor, der sich im Oktober 1936 zum Generalísimo küren ließ und das Land bis zu seinem Tod 1975 autoritär regierte.

 

Im Spanischen Bürgerkrieg wurden die Aufständischen massiv von Deutschland und Italien unterstützt und konnten so innerhalb von drei Jahren die Kontrolle über das Land übernehmen, wobei sie in eroberten Gebieten ein Terrorregime errichteten. Die republikanische Seite des Konflikts war uneinig, erhielt kaum Unterstützung, einzig die Sowjetunion und Mexiko standen ihr bei. während Großbritannien und Frankreich durch einen Nichteinmischungspakt kaum eingriffen.

 

Als der Bürgerkrieg am 31. März 1939 mit der Einnahme Madrids endete, hatten an die 200.000 Menschen bei Kriegshandlungen ihr Leben verloren, mehr als 130.000 waren von den Aufständischen, rund 49.000 von den Verteidigern der Republik durch politische Repression im Hinterland ermordet worden.
 

 

Eine Auseinandersetzung von Ideologien und Mächten
In seiner internationalen Komponente war der Spanische Bürgerkrieg eine erste Auseinandersetzung der Ideologien und Mächte, die auch im Zweiten Weltkrieg aufeinanderprallen sollten: Faschismus in seinen verschiedenen Spielarten auf der einen, Kommunismus, Sozialismus, Anarchismus auf der anderen Seite. Der Bürgerkrieg war – unter anderem auch dank des erstmals umfassenden Einsatzes von Medien (Fotografie, Film, „Liveberichterstattung“ via Telefon) – ein Ereignis, das die ganze Welt beinahe zeitgleich mitverfolgen konnte. Es kam zu internationalen Solidaritätsaktionen, unter denen die Internationalen Brigaden herausragen.

Zahlreiche Fotos dokumentieren den Weg österreichischer Freiwilliger: Schulung von Artilleristen in Villena (Alicante), einem der zahlreichen Ausbildungslager der Internationalen Brigaden © DÖW/Spanienarchiv

Die Internationalen Brigaden
Die Verteidigung der Spanischen Republik führte zu großer internationaler Solidarität: Tausende Freiwillige aus aller Welt kamen, um zu kämpfen. Daraus entstanden die Internationalen Brigaden, die ab 1936 an fast allen wichtigen Fronten eingesetzt wurden. Insgesamt beteiligten sich rund 35.000 Menschen aus 53 Ländern, von denen mehr als ein Viertel ihr Leben verloren. Auch die Beteiligung von Österreicher*innen war groß. In den Internationalen Brigaden waren rund 1.400 österreichische Freiwillige – darunter 34 Frauen – im Einsatz, im Verhältnis zur Einwohner*innenzahl waren sie die am stärksten vertretene Nation.
Nach dem Spanischen Bürgerkrieg kamen viele österreichische Freiwillige, die nach dem „Anschluss“ 1938 entweder staatenlos oder Angehörige des „Dritten Reichs“ waren, in französische Lager. Sich in Sicherheit wähnend, kehrten einige in die Heimat zurück, um dort im Widerstand tätig zu werden. Beinahe alle wurden schließlich in Konzentrationslager, vor allem nach Dachau gebracht, aufgrund des Zusammenhalts konnten die meisten von ihnen überleben. Andere schlossen sich den alliierten Truppen an oder kämpften in Partisaneneinheiten.

 

Umfangreiche Materialsammlung über die Österreicher*innen im Bürgerkrieg
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrten die meisten Freiwilligen nach Österreich zurück und kamen bald bei regionalen und nationalen Treffen zusammen. 1965 wurde die „Vereinigung österreichischer Freiwilliger in der Spanischen Republik 1936–1939 und der Freunde des demokratischen Spanien“ gegründet, die im Jahr darauf das erste Buch über die Österreicher in den Internationalen Brigaden herausbrachte: Spaniens Himmel… von Max Stern. Der Vereinigung ist es zu verdanken, dass viel Material über die Österreicher*innen im Bürgerkrieg gesammelt wurde und zur weiteren Verwendung erhalten geblieben ist.

1983 begann der ehemalige Spanienkämpfer Hans Landauer im Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) dieses Material zu systematisieren und legte das Spanienarchiv mit den Biografien von 1.400 Österreicher*innen an. Das Ergebnis seiner Recherchen ist neben dem Archiv selbst das 2003 gemeinsam mit Erich Hackl herausgegebene Lexikon der österreichischen Spanienkämpfer 1936-1939, dem 2008 eine überarbeitete Auflage folgte – eine Pionierleistung im Bereich der weltweiten Forschung zum Spanischen Bürgerkrieg. 2008 übernahm Irene Filip die Leitung des Spanienarchivs, seit 2011 sind die Biografien der österreichischen Freiwilligen auf der Webseite des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstands einsehbar. 

 

Die Ausstellung „Camaradas“ ist dem Schicksal der freiwilligen Österreicher*innen gewidmet
„Die Ausstellung möchte die Erinnerung an die Männer und Frauen wachhalten, die ihr Leben einsetzten für den Kampf gegen einen Faschismus, der ein halbes Jahr nach dem Ende des Bürgerkriegs den Zweiten Weltkrieg auslöste. Etwas, was in so komplizierten Zeiten wie diesen sicher notwendig ist“, so Georg Pichler, Kurator der Ausstellung.

 

Die Ausstellung zeigt auf 76 Tafeln historische Fotos, großteils aus dem Spanienarchiv, die den Weg österreichischer Freiwilliger im Spanischen Bürgerkrieg nachzeichnen – von der Ausreise über den Einsatz bis zu Verfolgung, Widerstand und Rückkehr. Publikationen, Faltblätter und Hintergrundtexte erklären den Bürgerkrieg und die Rolle der österreichischen Freiwilligen und zeichnen und ihren Kampf gegen den Faschismus nach.
Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Veranstaltungs- und Vermittlungsprogramm begleitet, den Anfang macht die Buchpräsentation des rasenden Reporters Egon Erwin Kisch am Samstag, 20. April. Beeindruckt vom Widerstandskampf der Spanischen Republik, blieb Kisch im Land, um über das Leben im Bürgerkrieg und die Menschen in den Internationalen Brigaden zu berichten.


 

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Camaradas
Österreichische Freiwillige im Spanischen Bürgerkrieg 1936–1939

Museum für Geschichte, Sackstraße 16, 8010 Graz, Foyer
Eröffnung: 16.04.2026, 19 Uhr
Laufzeit: 17.04.–12.07.2026
Kuratiert von Georg Pichler und Heimo Halbrainer
www.museumfürgeschichte.at 

 

Veranstaltungshinweis:
18.04.2026, 11 Uhr
Egon Erwin Kisch
Der Rasende Reporter im Spanischen Bürgerkrieg

Buchvorstellung und Lesung mit Georg Pichler (Kurator der Ausstellung, Universidad de Alcalá, Madrid) und Joachim Gatterer (Universität Innsbruck)
Teilnahme kostenlos
 

Eine Ausstellung von CLIO in Kooperation mit dem Museum für Geschichte

 

BILDMATERIAL zum DOWNLOAD finden Sie unter folgendem Link: CAMARADAS 

 

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