Flavia Solva rückt die wechselvolle Geschichte eines römischen Mosaikbodens in den Fokus.

Das Geschenk des Kaisers – Das Schaufenster in Flavia Solva erzählt die Geschichte eines römischen Mosaiks

 

Wagna, 26.06.2026

 

Wie weit kann ein römisches Mosaik reisen – und wie viele Keller muss es durchqueren, bevor es ans Licht kommt? Das neue „Schaufenster in die Römerzeit“ in Flavia Solva rückt die wechselvolle Geschichte eines antiken Mosaikbodens in den Fokus. Im Rahmen des Projekts „Fundbearbeitung Flavia Solva" wurde die Bergungsgeschichte des Mosaiks neu aufgerollt – sie erzählt von einem spektakulären Grabungsfund, bürokratischen Irrwegen und einer fast 120-jährigen Odyssee durch steirische Keller.

Peter Stradner, Bürgermeister der Marktgemeinde Wagna, Barbara Porod, Chefkuratorin Provinzialrömische Sammlung, Anton Edelsbrunner, SASt GmbH, Julia Leitinger, grafische Gestaltung, Marko Mele, wissenschaftlicher Direktor Universalmuseum Joanneum, Karl Peitler, Leiter Abteilung Archäologie & Münzkabinett (v.l.) vor dem neuen "Schaufenster in die Römerzeit", Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek

Das römische Mosaik bietet wertvolle Einblicke in die Wissenschafts- und Kulturgeschichte der Steiermark und zeigt, wie schwierig die Bewahrung antiker Funde selbst unter kaiserlicher Schirmherrschaft sein konnte. Keramik, Mosaike und andere Bodenfunde gehören zu den wichtigsten Zeugnissen des römischen Alltags – und ein gesicherter Verbleib war für sie keineswegs selbstverständlich. Die Archäologin Gabriele Wrolli hat im Rahmen des Projekts „Fundbearbeitung Flavia Solva" (2021–2025) die Geschichte des Mosaikbodens aus Flavia Solva/Wagna lückenlos rekonstruiert:

 

Der Startschuss zu den Ausgrabungen des Joanneums in Flavia Solva fiel am 27. März 1877. Mit einer Dotation von 500 Gulden aus der Privatschatulle von Kaiser Franz Joseph im Gepäck reiste Friedrich Pichler, damals Leiter des Münz- und Antikenkabinetts am Joanneum, nach Wagna. Schon in der zweiten Grabungswoche wurde der sensationelle Fund gemacht: In nur 30 Zentimetern Tiefe stießen die Arbeiter auf ein rund 40 Quadratmeter großes, mehrfarbiges Mosaik. Schnell setzte ein wahrer Grabungstourismus ein. Die Gendarmerie musste anrücken, um das Meisterwerk vor Souvenirjägern zu schützen.

 

Der erste Bergungsversuch im Mai 1877 endete im Desaster: Ein aus Graz herbeigerufener Steinmetz versuchte, das Mosaik in Platten zu schneiden. Der Mörtel, der jahrhundertelang unter der Erde gelegen hatte, zerbröselte. Die Rettung gelang im Herbst 1877 dem Ingenieur Johann Beyer. Mit einem Budget von weiteren 300 Gulden wandte er eine ungewöhnliche Methode an: Um den feuchten Boden im nebeligen steirischen Herbst zu trocknen, ließ er rund um das Mosaik Strohfeuer abbrennen. Anschließend überspannte er die antiken Steine mit Sackleinwand und gewöhnlichem Mehlkleister. Als der Kleber unter der Sonne aushärtete, stabilisierte er das Mosaik so weit, dass es nach Graz transportiert werden konnte.

Das "Schaufenster in die Römerzeit" in Flavia Solva macht diese Geschichte sowie die Herausforderungen der Bewahrung archäologischer Funde im Stil eines Comics anschaulich nachvollziehbar, Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek

Kaiser Franz Joseph I. schenkte das konservierte Mosaik der Universität Graz mit der Auflage, es im noch im Bau befindlichen Hauptgebäude zu präsentieren. Doch die Universitätsplaner ignorierten das Geschenk. Nach einer kurzen Präsentation im Jahr 1883 verschwand das Mosaik in den Kellerräumen des neu errichteten Instituts für Chemie. Friedrich Pichler setzte sich jahrelang für eine angemessene Präsentation des Mosaiks ein und wandte sich zwischen 1897 und 1904 zwölfmal an Verantwortliche der Universität Graz - ohne Erfolg. 

 

1920 bat der Institutsvorstand darum, die Platten wegen akuten Platzmangels zu entfernen. Das Universalmuseum Joanneum sprang ein und verlegte das Mosaik im Lapidarium in der Raubergasse. Als dieses 1965 nach Schloss Eggenberg übersiedelte, wurde das Mosaik wieder eingelagert.

 

Erst Ende der 1980er-Jahre stieß der Grazer Historiker Walter Höflechner in den Universitätsarchiven auf die umfassende Korrespondenz zum Mosaik – und damit auf die Spur des verschollenen Originals. Auf Betreiben des damaligen Professors für Klassische Archäologie, Thuri Lorenz, wurde das Mosaik von 1990 bis 1995 in Wien aufwendig restauriert und für eine vertikale Wandmontage vorbereitet. Heute hängt das Meisterwerk an der Nordostwand des linken Treppenaufganges im Hauptgebäude der Karl-Franzens-Universität Graz – dort, wo sein Entdecker Friedrich Pichler es schon vor über einem Jahrhundert sehen wollte.

Heute hängt das Mosaik an der Nordostwand des linken Treppenaufganges im Hauptgebäude der Karl-Franzens-Universität Graz, Foto: Johanna Kraschitzer

Die archäologische Stätte Flavia Solva verbindet das Universalmuseum Joanneum mit der Marktgemeinde Wagna und der SASt GmbH in einer jahrelangen, bewährten Zusammenarbeit.

 

 

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Das Geschenk des Kaisers
Die Geschichte eines Mosaiks aus Flavia Solva

Laufzeit: 13.06.2026–30.06.2027
Kuratiert von Barbara Porod
Wissenschaftliche Aufarbeitung: Gabriele Wrolli
Comic-Gestaltung: Julia Leitinger

Flavia Solva, Marburgerstraße 111, 8435 Wagna
www.flaviasolva.at

 

 

Im Rahmen des Projekts „Fundbearbeitung Flavia Solva" (2021–2025), finanziert von Land Steiermark und Bundesdenkmalamt; Projektleitung: Barbara Porod

 

Ein umfassender Beitrag zur Geschichte des römischen Mosaikbodens von Gabriele Wrolli ist im neu erschienenen Forschungsband „Flavia Solva. Die Ausgrabungen des Universalmuseums Joanneum" (Barbara Porod, Ortwin Hesch, Johanna Kraschitzer, Hrsg.) nachzulesen. Der zweite Band erscheint 2026.

 

 

Bildmaterial zum Download finden Sie hier: DAS GESCHENK DES KAISERS

 

 

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