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Graz/Aflenz, 15.10.2026
Am 18. Oktober 2026 wird am historischen Ort des ehemaligen Außenlagers des KZ Mauthausen in Aflenz an der Sulm ein begehbares Landschaftsdenkmal der Künstlerin Milica Tomić eröffnet, das Geschichte, Erinnerung und Gegenwart verbindet. Wege entlang der ehemaligen Lagergrenzen, Markierungen des Appellplatzes und der früheren Baracken sowie eine besondere Bepflanzung machen die Geschichte des Ortes erfahrbar. Der Boden wird dabei selbst zum Träger der Erinnerung – als Archiv, das Spuren bewahrt und Vergangenes sichtbar werden lässt.
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Bei der heutigen Presseführung: Franz Pilch (Bauleitung, Gemeinde Wagna), Josef Schrammel (kaufmännischer Geschäftsführer Universalmuseum Joanneum), Martina Frieser (Werksleiterin Retznei/Holcim), Gabriele Mackert (Leiterin des Instituts für Kunst im öffentlichen Raum), Milica Tomić (Künstlerin), Peter Stradner (Bürgermeister Wagna), Johannes Zweytick (Bürgermeister Ehrenhausen), Andreas Boden (studio boden), Bernhard Schrettle (Geschäftsführer von ASIST), v.l. , Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek
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Ein begehbares Landschaftsdenkmal: Wege, Tafeln und Pflanzen Vom ehemaligen KZ-Außenlager Leibnitz/Aflenz sind heute keine sichtbaren baulichen Überreste mehr erhalten. Seit 2019 steht das Gelände unter Denkmalschutz, dennoch ist in der Landschaft nichts mehr erkennbar, das unmittelbar auf die Verbrechen des Nationalsozialismus hinweist – seine Geschichte ist damit weitgehend unsichtbar.
Milica Tomić, ist Künstlerin im Bereich zeitgenössische Kunst und war Professorin und Leiterin des Instituts für zeitgenössische Kunst an der TU Graz. Die Künstlerin, die im November mit dem Österreichischen Staatspreis für bildende Kunst ausgezeichnet wird, hat sich mehr als zehn Jahren mit diesem Ort beschäftigt, um den Gedenkort Aflenz Memorial zu gestalten. Nun machen Wege die ehemalige Struktur und Dimension erfahrbar. Sie markieren die Lagergrenzen, den Appellplatz und den Grundriss einer Häftlingsbaracke.
Die Bepflanzung in unterschiedlichen Zonen, die gemeinsam mit den Landschaftsarchitekten le balto (Berlin) und studio boden (Graz) entwickelt wurde, bildet das zweite Element. Durch Bodenproben wurden hier Senf, Himbeere, Brombeere, Schwarzer Holunder, Kiwi, Tabak, Roggen und weitere Getreidearten nachgewiesen, die historisch am Ort gewachsen sind. Saisonale Arten wechseln sich künftig in fünfjähriger Fruchtfolge ab.
Mais wird als Erinnerung an die jahrzehntelange landwirtschaftliche Überdeckung und Verdrängung der Lagergeschichte immer wieder gepflanzt. Andere Zonen, insbesondere im Bereich des ehemaligen Massengrabs, wurden landschaftlich so gestaltet, dass ihre historische Dimension erkennbar bleibt.
Um an die Ermordeten und teilweise im nahegelegenen Wald in einem Massengrab verscharrten Toten zu erinnern, wurden Baumsetzlinge der Sorten aus dem Wald gegenüber gepflanzt. Da dort kein Gedenkort errichtet werden kann, wird so eine symbolische Verbindung geschaffen.
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Um an die Ermorderten und teilweise im nahegelegenen Wald verscharrten Toten zu erinnern, pflanzte die Künstlerin Milica Tomić Setzlinge der Bäume aus dem Wald. Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek
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Das Aflenz Memorial versteht den Boden als Archiv und Träger der Erinnerung. Milica Tomićs künstlerisches Konzept entstand in interdisziplinärer Zusammenarbeit vieler Wissenschaftler*innen, im Austausch mit dem Zeitzeugen Franz Trampusch (1934-2022) und der Gemeinde Wagna. Die Gemeinde erntet und verarbeitet die Erträge; die Beteiligung der Bevölkerung schafft einen lebendigen Ort des Erinnerns und Lernens. „Das Aflenz Memorial entstand aus kollektiver, transdisziplinärer Forschung, ermöglicht deren Fortsetzung und bleibt zugleich selbst Gegenstand der Untersuchung: welches Wissen es hervorbringt, wer daran teilnimmt und welche Handlungsmöglichkeiten es eröffnet“, so Milica Tomić, die sich in ihrer künstlerischen Arbeit auf das von ihr entwickelte Konzept der „Investigative Memorialization“ bezieht. Nach Tomić lässt sich Erinnerungsarbeit weder auf eine festgeschriebene historische Erzählung noch auf eine statische Darstellung von Tatsachen reduzieren. Als „lebendiges Mahnmal“ steht das Aflenz Memorial für das Fortwirken.
Die ehemaligen Lagerflächen befinden sich im Eigentum der Holcim (Österreich) GmbH (vormals Perlmooser AG), die sie für die Dauer von 25 Jahren kostenfrei für das Projekt zur Verfügung stellt.
Die Gemeinde Wagna unterstützt das Projekt seit Beginn und übernimmt künftig die Pflege und den Unterhalt der Anlage. Das Vermittlungskonzept wird von COOP-EB entwickelt und verbindet Bildungsarbeit mit regionaler Beteiligung. Führungen für Schulklassen, Jugendgruppen und Interessierte werden von Mauthausen-Guides, organisiert durch das Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ), durchgeführt. Ziel ist es, insbesondere junge Menschen und die lokale Bevölkerung in eine aktive Auseinandersetzung mit der Geschichte einzubeziehen und nachhaltige Erinnerungs- und Demokratiearbeit zu leisten.
Für Individualbesucher*innen stehen darüber hinaus zweisprachige, bebilderte Informationstafeln mit QR-Codes zur Verfügung, die sowohl die Geschichte des Ortes als auch das künstlerische Konzept des Aflenz Memorials vermitteln.
Peter Stradner, Bürgermeister der Gemeinde Wagna und selbst Mauthausen Guide: „Selbstverständlich trägt niemand Schuld für Verbrechen, die vor seiner Geburt geschehen sind. Aber es gibt eine Verantwortung und diese bringt uns heute hierher. Ich danke allen, die diese Verantwortung getragen haben.“ Johannes Zweytick, Bürgermeister der Gemeinde Ehrenhausen ergänzt: „Wir müssen Zeichen setzen, die diese Geschichte sichtbar und erlebbar werden lassen.“
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Am ehemaligen Appellplatz war ein Ort der Angst, Gewalt und völligen Auslieferung. Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J.Kucek
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Nummer 38882: Historischer Fund steht exemplarisch für viele Schicksale „Dass im Boden noch so viele Spuren zu finden sind, war doch eine Überraschung. Es ist keine abgeschlossene Arbeit, es ist ein Dialog aus Denkmal, Kunst und Archäologie, der weitergehen wird“, so Bernhard Schrettle von ASIST. Seit dem Jahr 2024 untersucht ASIST (Archäologisch Soziale Initiative Steiermark) das KZ-Gelände archäologisch. Bisher wurden Dinge des täglichen Lebens wie Schuhe, Gefäße, Geschirr gefunden. Im Sommer 2026 stießen die Arbeiter*innen am Areal des ehemaligen Appellplatzes auf eine Häftlingsmarke mit der Nummer 38882. Sie ist einem polnischen Häftling zuzuordnen, der als ausgebildeter Schmied in den unterirdischen Stollen Schwerstarbeit leisten musste.
Langjährige Auseinandersetzung mit dem historischen Ort Die Auseinandersetzung mit dem ehemaligen KZ-Außenlager begann 2008 mit einem künstlerischen Wettbewerb des Instituts für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark. Der ausgewählte Entwurf von Helmut und Johanna Kandl rückte das sogenannte „Wächterhaus“ als eine der wenigen sichtbaren Spuren des NS-Terrors in den Mittelpunkt.
2013 lud Werner Fenz Milica Tomić ein, ein Forschungsprojekt zu entwickeln, das neue Formen des Erinnerns jenseits klassischer Mahnmalästhetik sucht und eng mit der Landschaft und Geschichte des Ortes verbunden ist. Ausstellungen, archäologische Zugänge und eine wissenschaftliche Konferenz 2019 vertieften die Auseinandersetzung und legten die Grundlage für das heutige Aflenz Memorial. Die Gedenkstätte macht aus, dass wir nichts rekonstruieren. Es geht darum, etwas, dass jahrzehntelang unsichtbar geblieben ist, sichtbar zu machen. Wir sind sehr glücklich, dass sich der Gedenkort nun etablieren kann, so Gabriele Mackert, Leiterin des Instituts für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark.
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Zur Geschichte: Das Außenlager in Aflenz an der Sulm 1944 errichteten Gefangene des KZ Mauthausen in Aflenz an der Sulm ein Außenlager zur Rüstungsproduktion für den in Graz und Thondorf ansässigen Konzern Steyr-Daimler-Puch AG. Ziel war es, die in unterirdische Steinbrüche verlegte Produktion vor Luftangriffen zu schützen. Insgesamt mussten über 900 Männer Zwangsarbeit leisten. Die Häftlinge stammten überwiegend aus der Sowjetunion, Polen, dem Deutschen Reich sowie dem damaligen Jugoslawien, Spanien, Italien und Frankreich. Sie waren extremen Arbeitsbedingungen sowie Misshandlung ausgesetzt. Bis Juli 1944 wurden rund 8.000 m² Stollenfläche ausgebaut. Während des Bestehens des Lagers kamen mindestens 81 namentlich bekannte Häftlinge ums Leben. Nach 1945 wurden drei Massengräber exhumiert.
Das Lager befand sich auf einer Wiese schräg unterhalb der Kalksteinbrüche in Aflenz. Der gesamte Ort Aflenz wurde zum Sperrgebiet erklärt, die Zufahrtsstraße aus Wagna wurde durch das sogenannte „Wächterhaus“ kontrolliert. In unmittelbarer Nähe befand sich zudem ein größeres Zwangsarbeiter*innenlager, in dem rund zweitausend Menschen ebenfalls für die Steyr-Daimler-Puch AG Zwangsarbeit leisten mussten.
Am 2. April 1945 wurde das Konzentrationslager auf Befehl der SS-Führung aufgegeben. 467 Häftlinge mussten zu Fuß in Richtung KZ Ebensee marschieren. Nur 407 Häftlinge erreichten Ebensee. Acht körperschwache Gefangene wurden während des Marschs erschossen, 49 unternahmen am 6. April bei Judenburg einen Fluchtversuch, ein Teil wurde jedoch wieder ergriffen und erschossen.
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Aflenz Memorial KZ-Gedenkstätte Aflenz von Milica Tomić www.kioer.at
Eröffnung: 18. Oktober 2026, 11 Uhr Begleitprogramm: 12:30 bis 15 Uhr, Rundgänge, Künstler*innengespräche mit Milica Tomić sowie Helmut und Johanna Kandl (Wächterhaus) uvm.
Kostenloser Shuttlebus von Graz 10 Uhr: Abfahrt Graz Hbf (Busbahnhof) 15 Uhr: Rückfahrt Aflenz – Graz Weitere Informationen und Anmeldung In Kooperation mit dem steirischen herbst '26
Projektträger: Ein LEADER-Projekt von ASIST (Archäologisch Soziale Initiative Steiermark) gemeinsam mit dem Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark
Das LEADER-Projekt „Aflenz Memorial – Gedenkstätte Aflenz“ wird mit Mitteln von Bund, Land und Europäischer Union unterstützt: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft, WIR leben Land, Land Steiermark und mit Kofinanzierung der Europäischen Union
Mit Unterstützung der Gemeinden Wagna und Ehrenhausen, Holcim (Österreich) GmbH, des Zukunftsfonds der Republik Österreich, des Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus
Den ausführlichen Pressetext, Hintergrundinformationen zum Außenlager Aflenz an der Sulm sowie Bildmaterial finden Sie hier: AFLENZ MEMORIAL
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Wir freuen uns auf Ihre Berichterstattung und stehen für Rückfragen zur Verfügung!
Daniela Teuschler +43/664/8017 9214, daniela.teuschler@museum-joanneum.at
Stephanie Liebmann +43/664/8017-9213, stephanie.liebmann@museum-joanneum.at
Eva Sappl +43/699/1780-9002, eva.sappl@museum-joanneum.at
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