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Graz, 27.05.2026
Die Ausstellung Das Bleiben im Rahmen des Unmöglichen im BRUSEUM beleuchtet Günter Brus' Werk vor dem Hintergrund seiner prekären Lebens- und Arbeitsbedingungen – Geldmangel, staatliche Repression, fehlende institutionelle Unterstützung, vor allem in seiner frühen Schaffensphase. Trotz jahrzehntelanger Ablehnung blieb Brus seiner Haltung kompromisslos treu – die thematisch gegliederte Schau macht diese Konsequenz durch alle Schaffensphasen hindurch sichtbar. Zugleich thematisiert sie die Verantwortung von Museen, in Zeiten knapper Budgets zu sammeln, zu bewahren und auszustellen.
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Diana Brus, die Tochter des 2024 verstorbenen Künstlers, und Kurator Roman Grabner in der Ausstellung "Das Bleiben im Rahmen des Unmöglichen" vor Plakaten, die Brus für seine Ausstellungen gezeichnet hat, Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek
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„Der Titel der Ausstellung, benannt nach einer Bild-Dichtung meines Vaters, lautet Das Bleiben im Rahmen des Unmöglichen. Er hatte die Gabe, den Nagel auf den Kopf zu treffen – und genau das sehe ich als eines der zentralen Vermächtnisse seiner Kunst“, so Diana Brus.
Die Ausstellung gibt nicht nur einen spezifischen Einblick in die Sammlung des BRUSEUMs, sondern lenkt den Blick auf die gesellschaftspolitischen Bedingungen, in denen Günter Brus’ Werk entstanden ist, ausgestellt wurde und von Institutionen wie der Neuen Galerie Graz gesammelt wurde. Die prekären Verhältnisse, in denen Brus lebte und arbeitete, manifestieren sich nicht nur im künstlerischen Material, sondern auch in den Räumen, die ihm dafür zur Verfügung standen, um einerseits seine Aktionen durchzuführen oder andererseits seine Werke auszustellen. Der Mangel an finanziellen Möglichkeiten zieht sich durch die Jahrzehnte, denn immer war zu wenig Geld vorhanden, um sich ein Atelier zu leisten, die Werke adäquat zu rahmen, unter konservatorisch nachhaltigen Bedingungen auszustellen oder von österreichischen Institutionen gekauft zu werden. Der erste Ankauf von Brus in der Sammlung der Neuen Galerie Graz ist datiert auf das Jahr 1975 und es sollten weitere neun Jahre vergehen, bis ein weiteres Werk gekauft werden konnte.
Das Unmögliche erlebbar machen
Die Ausstellung versucht, diese prekären und komplexen Rahmenbedingungen zu veranschaulichen, und zugleich zu zeigen, welche Verantwortung und welcher Aufwand hinter den Aufgaben eines Museums steckt, angesichts budgetär unsicherer Zeiten Werke zu sammeln, erforschen, bewahren und auszustellen. Ausstellungsräume müssen beständig renoviert werden, Werke kontinuierlich begutachtet und bei Bedarf restauriert werden, Rahmen und Technik ausgetauscht und erneuert werden, Formen der Präsentation überlegt und angefertigt werden und das Korsett des Handlungsspielraums wird kontinuierlich enger. „Das Ausstellungsdisplay macht dies anhand von unverputzten Wänden, recycelter Ausstellungsarchitektur – wie Projektionsleinwänden für Beamer, die bewusst roh gelassen wurden – sowie Fototapeten mit Ausstellungsansichten von Brus aus den 1970er und 1980er Jahren sichtbar", erklärt Kurator Roman Grabner.
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Bewusst roh belassen: Die unverputzten Wände im BRUSEUM spiegeln die prekären Arbeits- und Ausstellungsbedingungen wider, unter denen Günter Brus sein Werk schuf, Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek
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Das individuelle Bleiben im Rahmen des Unmöglichen hat immer unterschiedliche Gründe: die Sorge um die Familie, das Netzwerk der Freunde, die Möglichkeit des Arbeitens, die Freiheit der Meinungsäußerung und des künstlerischen Ausdrucks, die Hoffnung auf Anerkennung und viele andere Nuancen des Wunsches nach einem glücklichen Leben. Das institutionelle Bleiben im Rahmen des Unmöglichen hat vornehmlich mit den Grundpfeilern einer liberalen Demokratie und der gesellschaftlichen Verantwortung für eine budgetäre Grundversorgung zu tun.
Jenseits von Markt und Anpassung
Günter Brus wurde für seine Kunst seit den frühen 1960er-Jahren mit Spott vonseiten der medialen Kunstkritik, mit Unverständnis und Hass vonseiten des breiten Publikums und mit Strafanzeigen vonseiten der Staatsmacht belangt. Durch all die Jahrzehnte hindurch zeigt sich ungeachtet der zahlreichen Anfeindungen die Konsequenz seines künstlerischen Handelns.
Mit seinen Aktionen hat er nicht nur die Grenzen des Kunstverständnisses herausgefordert, sondern das Gestaltungsspektrum der Kunst selbst erweitert und damit einer jüngeren Generation an Performancekünstler*innen den Weg geebnet. Mit seinen Zeichnungen der 1970er-Jahre hat er sich dem Trivialen und Banalen zugewandt und durch sein Spiel mit dem Kitsch und den Schönheitsvorstellungen des Spießbürgertums erneut breites Unverständnis und Ablehnung geerntet. Mit seiner dialektischen Verquickung von bildender Kunst und Literatur in den von ihm so bezeichneten „Bild-Dichtungen“ hat er ein Genre geschaffen, das über Jahrzehnte nicht die verdiente Aufmerksamkeit erhalten hat, da es, verkürzt gesagt, für das Kunstsystem zu literarisch war und für die Literaturwissenschaft zu künstlerisch. Zeit seines Lebens hat er nie auf den Kunstmarkt geschielt, nie darauf geachtet, ob das, was er tut, auch verkäuflich ist; er hat sich nie dem Zeitgeist angepasst oder die Schlagworte des neuesten Diskurses der Kurator*innen bedient, um zu mehr Ausstellungsmöglichkeiten und Präsenz zu kommen. Brus hat das gemacht, was für ihn allein aus seiner Haltung heraus notwendig war.
Ausstellungsplakate und Originalentwürfe geben Einblick in die Karriere des „Jahrhundertkünstlers von Weltgeltung“ (Peter Weibel). Zitate von Kunstkritiker*innen, Repräsentant*innen der Macht und Vertreter*innen des gemeinen Volksempfindens ziehen sich gleich einem Lauftext durch die Räume – denn Brus schaffte es über 60 Jahre hindurch, mit seiner Kunst für Unverständnis, Erregung und Ressentiment zu sorgen.
„Der Rahmen des Unmöglichen hat sehr viel mit Brus persönlich zu tun – wie er gearbeitet hat, unter welchen Bedingungen, unter welchen Anfeindungen von Gesellschaft und Politik, die er immer wieder ertragen musste. Und trotzdem blieb er. Diese Haltung der Unbeugsamkeit und Unkorrumpierbarkeit allen Widerständen zum Trotz – das ist das Wasserzeichen auf allen Werken seines so umfangreichen wie vielfältigen Œuvres“, so Kurator Roman Grabner.
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Die Retrospektive gruppiert Aktionsfotografien, Zeichnungen und Videoprojektionen aus dem Werk von Günter Brus nicht chronologisch, sondern nach Motiven und Themen, Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek
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Die Ausstellung im BRUSEUM folgt dem Schaffen von Brus durch die Jahrzehnte, ordnet das Werk allerdings nicht chronologisch, um die durchaus bekannten Entwicklungslinien nachzuzeichnen, sondern gruppiert es um Motive und Themen, um die fortdauernde Auseinandersetzung mit bestimmten künstlerischen, existenziellen und gesellschaftspolitischen Fragestellungen aufzuzeigen.
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Günter Brus
Das Bleiben im Rahmen des Unmöglichen
Eröffnung: 28.05.2026, 19 Uhr
Laufzeit: 29.05.–26.10.2026
Kuratiert von Roman Grabner
BRUSEUM, Neue Galerie Graz, Joanneumsviertel, 8010 Graz
www.bruseum.at
Den ausführlichen Pressetext sowie Bildmaterial zum Download finden Sie unter: DAS BLEIBEN IM RAHMEN DES UNMÖGLICHEN
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Wir freuen uns auf Ihre Berichterstattung und stehen für Rückfragen gern zur Verfügung!
Mit herzlichen Grüßen
Daniela Teuschler +43/664/8017 9214, daniela.teuschler@museum-joanneum.at
Stephanie Liebmann +43/664/8017-9213, stephanie.liebmann@museum-joanneum.at
Eva Sappl +43/699/1780-9002, eva.sappl@museum-joanneum.at
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