Die Orchideen von Rhodos

Einige Besonderheiten der Orchideenflora
Interessante Orchideenbiotope
Liste der bisher festgestellten Arten und deren Hauptblütezeit
Literatur
Internet-Links

 

Am 24. Jänner 2005 stellte Herbert Kerschbaumsteiner in einem Vortrag die Orchideenwelt von Rhodos vor. Dabei berichtete er von einer einwöchigen Exkursion, die er im April 2004 auf diese griechische Insel unternommen hatte.

Nach einem kurzen Einblick in die bewegte Historie der Insel, deren architektonische Zeugnisse allgegenwärtig sind (hellenistische Grabungsstätte in Kamiros, Akropolis von Lindos, historische Altstadt von Rhodos mit dem Großmeisterpalast aus dem 14. Jh., byzanthinische Klosteranlagen usw.), einer Einführung in die Geologie, Klima und landschaftliche Gliederung der Insel wurden alle bisher auf Rhodos festgestellten Arten im Bild vorgestellt. Der Referent bedankt sich bei Michael Perko aus Kärnten für die Bereitstellung ergänzenden Bildmaterials. Im zweiten und abschließenden Teil des Vortrags wurden einige typische Orchideenbiotope präsentiert.

Einige Besonderheiten der Orchideenflora von Rhodos

Comperia comperiana, Fadenförmige Bartorchis: Sie wurde erst an wenigen Fundorten am Profitis Ilias, einem durchgehend bewaldeten, annähernd 800 m hohen Bergmassiv, zuletzt im Jahre 1994 gefunden und gilt seither als verschollen. Ihre Hauptverbreitung hat diese stattliche Orchidee (bis 70 cm hoch) in der Türkei.


Orchis punctulata, Punktiertes Knabenkraut: kräftige große Pflanze (bis 80 cm hoch) aus dem Orchis-militaris-Formenkreis mit auffallend gelb-gelbgrün gefärbten Blüten. Auch sie wurde seit vielen Jahren nicht mehr in Rhodos gefunden.

 

Serapias politisii, Politis-Zungenständel: Schlanke Pflanze mit dünnem Stängel, lockerem Blütenstand mit 2 bis 6 kleinen, rötlich- bis schwarzvioletten Blüten. Diese spätblühende Art (Ende April bis Mitte Mai) wurde auf Rhodos erstmals im Jahr 2000 von Michael Perko am Profitis Ilias nachgewiesen.

 

Cephalanthera epipactoides, Weißgesporntes Waldvögelein: Sie gehört ebenfalls zu den sehr seltenen Arten der Insel. Ihr Vorkommen ist nur auf wenige Fundorte mit wenigen Exemplaren am Hangfuß des Ataviros beschränkt.

 

Dactylorhiza romana, Römisches Knabenkraut: Im Jahr 2004 konnte die Art mit einem abgeblühten Expemplar nach 15 Jahren erstmals wieder auf Rhodos angetroffen werden, und zwar in einem Kiefern-Zedern-Wald am Profitis Ilias. Sie galt zuvor als verschollen.

 

Ophrys cretica ssp. belionae, Belonia Ragwurz: Das Vorkommen der Art beschränkt sich auf den Süden von Rhodos, bevorzugt in der dichten Küstenphrygana unter Dornbüschen. Einzig auf der griechischen Insel Naxos konnte die Unterart ebenfalls nachgewiesen werden.


Ophrys dodekanensis, Dodekanes Ragwurz: Eine Ragwurz aus derscolopax-Gruppe, erst 2001 als neue Art beschrieben; bisher nur auf Rhodos festgestellt; frühblühende (Februar, März) und sehr kleinblütige Art mit auffallend großen Laubblattrosetten.

 

Ophrys halia, Halia-Ragwurz: Große kräftige Pflanze aus der Hummelragwurz-Gruppe; bislang nur auf Rhodos gefunden; 2001 von Paulus beschrieben; Blütezeit April; typisch sind die oft grün- bis grünlich purpurnen Sepalen.

 

Ophrys eptapigensis, Epta-Piges-Ragwurz: Ein Endemit aus der fusca-Gruppe; kräftige und hochwüchsige Pflanze, die kalkreiche Böden liebt und vor allem in Kiefernwäldern im Loutanital westlich Kolymbia und in dessen weiterer Umgebung zu finden ist. Diese Ragwurz blüht von Ende März bis Mitte Mai.

 

Ophrys parvula – Winzige Ragwurz: Endemisch auf Rhodos, gleichfalls aus der fusca-Gruppe, klein und schlank, winzige Blüten (Name), wächst vornehmlich auf stark beweideter, degradierter Phrygana; Hauptvorkommen auf Rhodos südlich Kattavia in der Umgebung der Prasonisi-Bucht.

 

Viele Arten erreichen auf Rhodos ihre südwestliche Verbreitungsgrenze, beispielsweise Cephalanthera epipactoides, Orchis punctulata, Serapias orientalis ssp. carica sowie zahlreiche Vertreter der Gattung Ophrys (O. attaviria, O. blithoberta, O. calypsus, O. cretica ssp. beloniae, O. dodekanensis, O. heterochila, O. lucis, O. regis-ferdinandii, O. reinholdii, O. transhyrcana)

Interessante Orchideenbiotope auf Rhodos

Profitis Ilias: Im April blühen hier in den schattigen Wäldern sehr viele Orchideenarten, zum Beispiel Aceras antropophorum, Anacamptis pyramidalis, Barlia robertiana, Neotinea maculata, Orchis italica, Orchis lactea, Comperia comperiana und zahlreiche Vertreter der Gattung Ophrys.
Auf den steinigen Affodill-Fluren blüht Orchis anatolica in großer Anzahl, weiters gedeihen hier Orchis provincialis, Orchis morio ssp. picta und Orchis papilionacea ssp. heroica.

 

Pinus halepensisund Cupressus horizontalis-Wälder am Ataviros:

Reiche Bestände an Ophrys candica und Ophrys omegaiferaNeotinea maculata u.a.m.

 

Akramits: Wegen fehlender Kalkböden großteils für Orchideen weniger geeignet, dafür Vorkommen der auf Rhodos sehr seltenen Ophrys umbilicata.

Feuchtwiesen: Sehr seltener Biotoptyp auf Rhodos (beispielsweise südl. Kattavia und westl. Lardos an der Straße nach Laerma), hier Vorkommen von Ophrys apifera, Ophrys blithoperta und Orchis laxiflora.

 

Phrygana: Sie ist aus der Beweidung strandnaher Flächen mit Schafen oder Ziegen entstanden. Es dominieren oft kugelförmige, stark bedornte, gegen Austrocknung gut geschütze Pflanzen, darunter Wolfsmilchgewächse, Seidelbastverwandte, Zistrosen u.a.m.
Auch die verkarsteten Berglagen der Insel sind von Phrygana geprägt, hier aber als bis zu zwei Meter hohe Gebüschformationen mit Kermes-Eichen, Mastix-Sträuchern, Erdbeerbäumen und anderen.
Vor allem an grasigen Stellen am Rande der Phrygana-Flächen sind zahlreiche Orchideenarten anzutreffen. Besonders ergiebig sind die Hänge südlich der Dörfchens Kattavia an der Südspitze der Insel. Hier gedeihen auf engstem Raum u. a. Ophrys cretica ssp. belioniae, Ophrys cornutula, Ophrys oestrifera, Ophrys ferrum-equinum, Ophrys attaviria, Ophrys blithopertha, Ophrys cinerophila, Ophrys iricolor, Ophrys omegaifera, Ophrys parvula, Ophrys phryganae, Ophrys sicula, Ophrys regsi-ferdinandii, Ophrys vernixia, Ophrys rhodia, Ophrys tenthredinifera, Orchis collina, Orchis fragrans, Orchis papilionacea ssp. heroica, Serapias orientalis ssp. caria, Serapias bergonii und Spiranthes spiralis (im Oktober).

Liste der bisher festgestellten Arten und deren Hauptblütezeit

In der Regel beziehen sich die frühen Blühzeiten auf Vorkommen in Küstennähe, jene der späteren auf die höheren Lagen. Die Zusammenstellung folgt Kreutz 2002.

 

01. Aceras antropophorum / Ende März bis Ende April (Anfang Mai)
02. Anacamptis pyramidalis / Ende März bis Ende Mai
03. Barlia robertiana / Ende Jänner bis Ende März
04. Cephalanthera epipactoides / Mitte April bis Mitte Mai
05. Cephalanthera longifolia / Mitte April bis Anfang Mai
06. Comperia comperiana / Anfang bis Ende Mai
07. Dactylorhiza romana / Mitte bis Ende März (Anfang April)
08. Limodorum abortivum / Ende März bis Ende Mai
09. Neotinea maculata / Mitte März bis Mitte April 
10. Ophrys aesculapii / Anfang März bis Mitte April
11. Ophrys apifera / Mitte April bis Mitte Mai
12. Ophrys attaviria / (Anfang) Mitte bis Ende April
13. Ophrys blitopertha / Ende März bis Ende April
14. Ophrys bombyliflora / Ende März bis Mitte April
15. Ophrys bremifera / Ende März bis Mitte April
16. Ophrys calypsus / Anfang bis Ende April (Mitte Mai)
17. Ophrys candica / Anfang bis Ende April (Anfang Mai)
18. Ophrys cinerophila / Mitte Februar bis Ende April
19. Ophrys cornutula / Mitte März bis Anfang (Mitte) April
20. Ophrys cretica ssp. belioniae / (Anfang) Mitte März bis Anfang April
21. Ophrys dodekanensis / Ende Februar bis Anfang April
22. Ophrys episcopalis / Mitte April bis Mitte Mai
23. Ophrys eptapigensis / Ende März bis Ende Mai
24. Ophrys ferrum-equinum / Anfang März bis Mitte April
25. Ophrys gottfriediana / Mitte März bis Mitte April
26. Ophrys halia / Mitte bis Ende April (Anfang Mai)
27. Ophrys heldreichii / (Anfang) Mitte März bis Anfang April
28. Ophrys heterochila / Mitte Februar bis Mitte April
29. Ophrys holoserica s.l. / (Mitte) Ende März bis Ende April
30. Ophrys iricolor / (Anfang) Mitte März bis Mitte April
31. Ophrys leucadia / Ende Februar bis Anfang (Mitte) April
32. Ophrys lindia / Ende März bis Mitte (Ende) April
33. Ophrys lucis / Mitte März bis Mitte April
34. Ophrys mammosa / (Mitte) Ende März bis Ende April
35. Ophrys oestrifera / Ende März bis Mitte April
36. Ophrys omegaifera / Mitte März bis Mitte April
37. Ophrys parvula / Mitte März bis Mitte (Ende) April
38. Ophrys persephone / (Mitte) Ende März bis Ende April
39. Ophrys phryganae / Mitte März bis Mitte April
40. Ophrys regsi-ferdinandii / Mitte März bis Mitte April
41. Ophrys reinholdii / (Mitte) Ende März bis Ende April
42. Ophrys rhodia / Ende März bis Mitte (Ende) April
43. Ophrys sicula /Mitte März bis Mitte (Ende) April
44. Ophrys sitiaca /(Anfang) Mitte Februar bis Mitte (Ende) Mai
45. Ophrys tenthredinifera / Anfang Februar bis Anfang April
46. Ophrys transhyrcana / Ende März bis Ende April
47. Ophrys umbilicata / Ende März bis Mitte April
48. Ophrys vernixia / Mitte Februar bis Anfang April
49. Orchis anatolica / Ende März bis Mitte April
50. Orchis collina / Mitte Februar bis Anfang April
51. Orchis fragrans / Mitte April bis Mitte (Ende) Mai
52. Orchis italica / Ende März bis Mitte April
53. Orchis lactea / Mitte März bis Mitte April
54. Orchis laxiflora / Anfang April bis Ende April
55. Orchis morio ssp. picta / Mitte März bis Mitte April
56. Orchis papilionacea ssp. heroica / Mitte März bis Mitte April
57. Orchis papilionacea ssp. schirwanica / Anfang bis Mitte (Ende) März
58. Orchis pinetorum / (Anfang) Mitte April bis Anfang Mai
59. Orchis provincialis / Anfang bis Ende April
60. Orchis punctulata / Anfang März bis Anfang April
61. Orchis sancta / Ende April bis Mitte/Ende Mai
62. Orchis simia / Mitte März bis Mitte April
63. Orchis syriaca / Ende März bis Anfang (Mitte) April
64. Serapias bergonii / Anfang April bis Anfang Mai
65. Serapias orientalis ssp. carica / Ende März bis Ende April
66. Serapias parviflora / Mitte bis Ende April
67. Serapias politisii / Ende April bis Mitte Mai
68. Spiranthes spiralis /Ende September bis Anfang November.

Literatur

C. A. J. Kreutz: „Die Orchideen von Rhodos und Karpathos. Beschreibung, Lebensweise, Verbreitung, Gefährdung, Schutz und Ikonography“ – Seckel Kreutz Publishers, Landgraaf 2002; ISBN: 90-805149-2-6; Buchpräsentation im Internet.

 

Horst und Gisela Kretschmar, Wolfgang Eccarius: „Orchideen auf Rhodos“ – Selbstverlag H. Kretschmar, Bed Hersfeld 2001; ISBN 3-00-007322-1;Buchpräsentation im Internet.

 

Horst und Gisela Kretschmar, Wolfgang Eccarius: „Orchideen Kreta und Dodekanes“ – Taschenbuch Mediterraneo Editions, 2003; ISBN 960-8227-43-7; Buchpräsentation im Internet.

Weiter Internet-Links zu Rhodos und seinen Orchideen

Allgemeine Beiträge zum Thema Orchideen Europas finden Sie hier.

 

Orchideenbilder einer Fotodatenbank mit zahlreichen rhodischen Orchideen in der Orchideengalerie.

 

Ophrys attaviria: zahlreiche Fotos, Diskussion ... gibt es hier.

 

Studios Spanos im Ort Lardos ist eine beliebte Unterkunft für Orchideenfreunde aus ganz Europa. Infos dazu hier.

 

Den Exkursionsbericht vom April 2004 einer herpetologischen (Amphibien und Reptilien) Reisegruppe mit einem sehr oberflächlichen Kurzbeitrag über die Orchideenflora (veralterte Nomenklatur) finden Sie hier.

Dieser Beitrag wurde verfasst von

 

Dipl. Päd. Herbert Kerschbaumsteiner
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