Geschichte von Schloss Trautenfels

Anfänge im Mittelalter

  • 1261: Erste urkundliche Erwähnung als Burg Neuhaus [Castrum novum (= Neuburg) im Ennstal].
  • 1282: Die Burg Neuhaus gelangt durch Tausch mit der Burg Strechau in den Besitz des Erzbischofs von Salzburg. In kriegerischen Auseinandersetzungen mit dem Landesfürsten der Steiermark wird die Burg Ende des 13. Jahrhunderts zurückerobert, zerstört und in der Folge wiederaufgebaut.
     
  • 1460: Wolfgang Praun, ein Hallinger (Salzbergbaugewerke) wird Pfleger und ist in den urkundlichen Nennungen ausdrücklich als Herr auf Neuhaus bezeichnet.
     
  • 1493 bis 1594: Die Burg ist im Besitz der Familie Hoffmann, die zu den mächtigsten und reichsten Adelsfamilien der Steiermark sowie zu den einflussreichsten Förderern des protestantischen Glaubens zählt. Neuhaus entwickelt sich zum Zentrum der Reformation im Ennstal. Die Burg wird ausgebaut.
     
  • 1574: Die Familie Hoffmann lässt eine evangelische Kirche errichten, die bereits 1599 von der Reformationskommission vollständig zerstört wird. Die freigelegten Grundmauern in Form einer Gedenkstätte erinnern seit 1992 20 Gehminuten in Richtung Grimming – an diese unruhige Zeit.
Die Fundamente der Kirche, die 1599 von der Reformationskommission zerstört wurden, wurden 1992 von Archäologen ausgegraben und die Überreste der Mauern wurden erweitert und konserviert. Heute lädt das park-ähnliche Denkmal die Besucher/innen zum Nachdenken und Meditieren unter dem Motto "Denken Sie daran, aber vergeben Sie".
Foto: Wolfgang Otte
  • 1594/1600 bis 1652: Die protestantische Familie Praunfalk ist zuerst Pfandbesitzerin und später Eigentümerin von Neuhaus, ehe sie aus Glaubensgründen ins Exil nach Nürnberg emigriert.
Foto: Archiv Schloss Trautenfels

Die Zeit des Barock

  • 1664: Graf Siegmund Friedrich von Trauttmansdorff kauft das Schloss, lässt es umbauen, neu ausstatten und gibt ihm den Namen Trautenfels. Die qualitätsvollen Fresken im 1. Stock und in der Schlosskapelle werden um 1670 von Carpoforo Tencalla geschaffen, die Stuckarbeiten stammen von Alessandro Sereni. Das Schloss befindet sich bis 1815 im Besitz der Familie Trauttmansdorff.
Einquartierung mit herzförmigem Schild, aufgeteilt in eine rot-silberne Hälfte, geteilt durch eine zweifarbige sechsblättrige Rose. 1: drei silberne schräge Balken auf rot; 2 und 3: in Spalten drei benachbarte rote Dreiecke auf Silber; 4 Hälfte aufgeteilt und aufgeteilt in Rot, Silber und Gold.

Foto: Ernst Reichenfelser
Foto: Ernst Reichenfelser

Das 19. Jahrhundert

  • 1878: Nach zahlreichen Besitzerwechseln kauft Graf Josef Lamberg die Liegenschaft. Die Mitgift seiner Frau Anna, Tochter des Steyrer Waffenproduzenten Josef Werndl, und sein eigenes Vermögen ermöglichen es, das damals ziemlich vernachlässigte Gebäude umfangreich zu restaurieren und wohnlich auszustatten.

Restaurierung und Neuausstattung: Das Jagdzimmer des Schlossherrn


Geweihmöbel waren eine Mode des 19. Jahrhunderts. Graf Josef Lamberg ließ diese Jagdzimmereinrichtung wohl bei einem regionalen Handwerker anfertigen. Die sorgfältige mosaikartige Verarbeitung ist ihr besonderes Merkmal.

Foto: Ernst Reichenfelser

Das 20. Jahrhundert

  • 1904: Nach dem Tod des Grafen verwaltet Anna Gräfin Lamberg-Werndl den Besitz. Während der Zwischenkriegszeit häufen sich wirtschaftliche Probleme, die Erhaltung des Schlossgebäudes wird immer schwieriger.
Foto: Archiv Schloss Trautenfels
  • 1941: Anna Gräfin Lamberg-Werndl verkauft das Schloss mit Unterstützung ihrer vier erwachsenen Kinder an die Deutsche Reichspost. Das geplante Schulungszentrum für Führungskräfte bzw. das internationale Zentrum für Nachrichtentechnik und den europäischen Postverein wird aufgrund der Kriegsereignisse nicht umgesetzt.
     
  • 1945: Nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft steht das Gebäude als deutsches Eigentum unter Verwaltung der englischen Besatzung. In den ersten Nachkriegsjahren sind zudem vorübergehend bis zu 300 Flüchtlinge in den Räumen untergebracht. In der Folge wird die Republik Österreich Eigentümerin des Schlosses.
     
  • 1950: Das Steirische Jugendherbergswerk zieht im Schloss ein und nutzt die Räumlichkeiten im Erdgeschoss, im Zwischengeschoss und im zweiten Obergeschoss.
Foto: Karl Haiding
  • 1951: Das Land Steiermark mietet die Repräsentationsräume im ersten Stock des Gebäudes und beauftragt Karl Haiding mit dem Aufbau eines Museums für den Bezirk Liezen. Im Vorfeld von Sonderausstellungen sammelte er Objekte und Dokumentationen zu den Themen Bienenzucht und Lebzelterhandwerk, Wald und Holz oder Almwirtschaft in der Steiermark.[1]

    Dem Engagement von Karl Haiding verdankt das Museum Trautenfels einen großen Teil seiner volkskundlichen Sammlungen. Ab 1955 prägte er die Ausrichtung des Museums – seine Aktivitäten vor 1945 und seine Verstrickungen in den Nationalsozialismus blieben jedoch lange Zeit unerwähnt. Dies entfachte zu Beginn des 21. Jahrhunderts eine Debatte in den Medien, der sich eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Haidings Nachlass und seiner Person anschloss.
Foto: Archiv Schloss Trautenfels
  • 1959: Die Republik Österreich verkauft Schloss Trautenfels samt dem zugehörigen Areal um einen Anerkennungspreis und „schenkt“ dem Jugendherbergswerk 750.000 Schilling mit der Auflage, damit die schadhaften Wehrbasteien zu sanieren. Die Renovierungsarbeiten wurden in den Jahren 1960 bis 1962 durchgeführt.
Foto: Nicolas Lackner
  • 1959: Am 9. August wird das Heimatmuseum als Museum für den Bezirk Liezen und Abteilung des Joanneums (Gründung durch Erzherzog Johann im Jahre 1811) offiziell eröffnet.
     
  • 1971: Es erfolgt die Umbenennung in „Landschaftsmuseum Schloss Trautenfels“, seit 2011 heißt die Museumsabteilung Schloss Trautenfels. Die Dauerausstellung wird weiter als Landschaftsmuseum bezeichnet.
  • 1982: Trotz hoher Auslastung der Jugendherberge (bis zu 30.000 Nächtigungen im Jahr) häufen sich finanzielle Probleme und dringend erforderliche Sanierungsmaßnahmen an Dach, Fassade und Ausstattung. Die Herberge wird geschlossen. Die seit 1969 in einigen Räumen untergebrachte land- und forstwirtschaftliche Internatsschule übersiedelt nach Gröbming.
Foto: Archiv Schloss Trautenfels
  • 1982: Auf Initiative des damaligen Museumsleiters Volker Hänsel bildet sich ein „Kuratorium zur Rettung von Schloss Trautenfels“. Im Dezember 1983 konstituiert sich der „Verein Schloss Trautenfels“. Politische Vertreter der Region sprechen sich für eine Erhaltung von Schloss Trautenfels als „nationales und internationales kulturelles Zentrum mit dem Museum für den Bezirk Liezen“ aus.
     
  • 1983: Die Gemeinde Pürgg-Trautenfels erwirbt mit Unterstützung des Landes Steiermark das Schloss zum symbolischen Kaufpreis von einem Schilling. Die Gemeinde verpachtet das Schloss an den Verein Schloss Trautenfels, dessen Zweck die Renovierung und Erhaltung des Schlosses sowie die Förderung und Unterstützung des Landschaftsmuseums am Joanneum ist.
     
  • 1984–1989: Um das Schloss im wahrsten Sinne des Wortes „vor dem Verfall zu retten“, werden die dringend notwendigen Renovierungsarbeiten an dem Dach, der Fassade und den Fenstern über Förderungen und Spenden finanziert und umgesetzt.
Foto: Archiv Schloss Trautenfels
Photo: Archive of Schloss Trautenfels

Elemente moderner Architektur in der historischen Bausubstanz: der große Lichthof und die Stiege in den Aussichtsturm


Die Generalsanierung erfolgte in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt in den Jahren 1990 bis 1992 nach den Plänen von Architekt Manfred Wolff-Plottegg. Ein Rundgang durch das Gebäude spiegelt 750 Jahre Geschichte, Architektur und Kulturgeschichte wider, Elemente moderner Architektur überraschen in der historischen Bausubstanz.

  • 1990–1992: Schloss Trautenfels erhält den Zuschlag für die Ausrichtung der Steirischen Landesausstellung Lust und Leid. Barocke Kunst, barocker Alltag. Die nötigen Budgetmittel für die vollständige Renovierung des Gebäudes und die Erstellung einer zeitgemäßen Infrastruktur für den Museums- und Ausstellungsbetrieb werden freigegeben. Die Generalsanierung wird vom Architekten Manfred Wolff-Plotteg in Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt und den Bauherren im Stil des 20. Jahrhunderts geplant und umgesetzt.

    Die Planung ging von dem aus, was 1.) das Gebäude an Sanierung und Rückführung einforderte, was 2.) für die neue Nutzung erforderlich war und was 3.) baukünstlerisch unter dem Aspekt von „Bauen im Bestand“ im Entwurf entwickelt wurde. Die gesamte Erschließung des Gebäudes für den Besucher/innenstrom erfolgte von der Eingangshalle über den Felsengang, der zweiten Hauptstiege mit Lift, hinauf zur Stiegenanlage im Aussichtsturm und schließlich zur Ausgangshalle mit dem neuen Ausgang bei der östlichen Terrasse. Weitere punktuelle Eingriffe waren die Kassa in der Eingangshalle, die neuen WC-Anlagen, die Überdachung der beiden Lichthöfe und die Trennung zum neuen Seminarbereich. Das gesamte Gebäude wurde mit einer Hüllflächen-Temperier-Anlage ausgestattet, die gesamte Sanitär- und Elektroinstallation erneuert. Außen kam es zum Zubau der Hauswerkstätte, deren begrüntes Dach nunmehr auch einen Rundgang um das Schloss ermöglicht.

 

 

  • 1992: Im Zuge der Renovierungsmaßnahmen im Zwischengeschoss kommen Farbschichten zum Vorschein. In den Jahren 1997 bis 1999 werden die aus dem 16. Jahrhundert stammenden Bildfelder freigelegt. Der sogenannte „Freskenraum“ wird der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Foto: Ernst Reichenfelser
  • 1994: Die Gemeinde Pürgg-Trautenfels vermietet Schloss Trautenfels an das Land Steiermark – Landesmuseum Joanneum.
     
  • 1998: Eröffnung des neuen Landschaftsmuseums, das in 13 kaleidoskopartig angeordneten Themenräumen die Kultur- und Naturgeschichte des steirischen Ennstales und Ausseerlands präsentiert.

Das 21. Jahrhundert

  • 2006–2007: Durch die Abholzung des Schlosshügels wird der gesamte Komplex mit den eindrucksvollen Wehrbasteien und dem Sockelmauerwerk des Schlosses selbst sichtbar. Eine historisch bedeutende Situation ist dadurch wiederhergestellt.
     
  • 2007–2010: Ein großer Ausbruch an der Südwestbastei [2] führt zu einer statischen Untersuchung der gesamten Mauer und aus sicherheitstechnischen Gründen zur Sperre der Zufahrtsstraße – eine Behelfszufahrt wird errichtet.

    Aufgrund akuter Einsturzgefahr eines ca. 30 m langen Teilstücks der Basteimauer des Schlosses Trautenfels musste zu Weihnachten 2007 die an der Mauer entlangführende Zufahrtsstraße gesperrt werden. Im Zuge der Befundungen wurde festgestellt, dass die gesamte Basteimauer in äußerst desolatem Zustand ist, worauf ein Gesamtsanierungskonzept entwickelt wurde. Im Juli 2009 konnte nach Genehmigung der Mittel durch die Steiermärkische Landesregierung mit einer umfassenden Sanierung begonnen werden. Die Sanierungsarbeiten kamen bereits im Frühsommer 2010 zum Abschluss.

    Nach Genehmigung der Mittel durch die Steiermärkische Landesregierung im Jahr 2009 erfolgt eine umfassende Sanierung und statische Sicherung mittels selbsttragender Erdvernagelung [3] unter Erhaltung der historischen Bausubstanz. Durch die Außenbeleuchtung tritt das historische Gebäude auch nachts als optische Landmarke in Erscheinung.

    Europäisches Patent, EP2141287: Durch die Aufnahme des Erddruckes hinter der Stützwand durch Beton-Lastverteilungsscheiben und angeschlossene Erdvernagelung wird ein neues Tragsystem hergestellt. Dies ermöglicht, das vorhandene Bauwerk so zu entlasten, dass es sich nur noch selbst tragen muss und somit erhalten werden kann.

 

  • 2015: Im Zuge der Gemeindestrukturreform erfolgt die Zusammenlegung der Gemeinden Pürgg-Trautenfels und Stainach zur Gemeinde Stainach-Pürgg, in deren Besitz sich Schloss Trautenfels heute befindet. Sie vermietet das Bauwerk an das Universalmuseum Joanneum. Das Joanneum ist für die Erhaltung und Verwaltung des Gebäudes verantwortlich. Das gesamte Schloss wird als Museum und für Kulturveranstaltungen genutzt und ist mitsamt dem Aussichtsturm für Besucherinnen und Besucher zugänglich.

    Schloss Trautenfels, eine Abteilung des Universalmuseums Joanneum, steht als vielschichtiger Kunst- und Kulturstandort für die Geschichte, Kultur und Natur des Bezirkes Liezen, dessen Sammlung über 40.000 Objekte umfasst. Auseinandersetzungen mit regionsspezifischen Themen führen zu Kontexten auf nationaler und internationaler Ebene.
Foto: Christoph Huber

[1] Haiding, Karl (1906–1985), der Volkskundler war in der NS-Zeit u. a. in hoher Funktion im Amt Rosenberg tätig. Vgl. Mindler Ursula, „… obwohl ich überhaupt keine Zugeständnisse gemacht habe und meine gesamtdeutsche Einstellung den Fachkollegen durchaus bekannt ist …“. Anmerkungen zu Karl Haiding (1906–1985). In: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde, NS Band LXIV, Heft 2 (2010), Seite 179–202. (Im Shop erhältlich.)Dem Engagement von Karl Haiding verdankt das Museum Trautenfels einen großen Teil seiner volkskundlichen Sammlungen. Ab 1955 prägte er die Ausrichtung des Museums – seine Aktivitäten vor 1945 und seine Verstrickungen in den Nationalsozialismus blieben jedoch lange Zeit unerwähnt. Dies entfachte zu Beginn des 21. Jahrhunderts eine Debatte in den Medien, der sich eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Haidings Nachlass und seiner Person anschloss.

[2] Aufgrund akuter Einsturzgefahr eines ca. 30 m langen Teilstücks der Basteimauer des Schlosses Trautenfels musste zu Weihnachten 2007 die an der Mauer entlangführende Zufahrtsstraße gesperrt werden. Im Zuge der Befundungen wurde festgestellt, dass die gesamte Basteimauer in äußerst desolatem Zustand ist, worauf ein Gesamtsanierungskonzept entwickelt wurde. Im Juli 2009 konnte nach Genehmigung der Mittel durch die Steiermärkische Landesregierung mit einer umfassenden Sanierung begonnen werden. Die Sanierungsarbeiten kamen bereits im Frühsommer 2010 zum Abschluss.

[3] Europäisches Patent, EP2141287: Durch die Aufnahme des Erddruckes hinter der Stützwand durch Beton-Lastverteilungsscheiben und angeschlossene Erdvernagelung wird ein neues Tragsystem hergestellt. Dies ermöglicht, das vorhandene Bauwerk so zu entlasten, dass es sich nur noch selbst tragen muss und somit erhalten werden kann.

Schloss Trautenfels

Trautenfels 1
8951 Stainach-Pürgg, Österreich
T +43-3682/222 33
trautenfels@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten
04. April 2020 bis 31. Oktober 2020 Mo-So, Feiertag 10 - 17 Uhr