Peter Rosegger

Leben und Wirken

Peter Rosegger wuchs in einer bäuerlichen Gesellschaft auf, in der kaum jemand lesen und schreiben konnte. Dass aus dem Waldbauernbuben, der nur eine spärliche Schulbildung genoss und anschließend eine Schneiderlehre absolvierte, einer der bekanntesten und erfolgreichsten Schriftsteller seiner Zeit wurde, hat sicher nicht nur mit seinem Talent, sondern auch mit besonders glücklichen Umständen zu tun.

Aber Rosegger war nicht nur Dichter und Geschichtenerzähler, wir haben ihm auch Einblicke in die gesellschaftliche und wirtschaftliche Situation der „Waldheimat“ zu verdanken – einer Region, die sonst kaum erforscht worden wäre. Rosegger verwendete diesen Begriff erstmals 1872 in der Erzählung „Die Staudenwinkelin. Erinnerungen aus der Waldheimat.“
Fünf Jahre später erschien das Buch „Waldheimat. Erinnerungen aus der Jugendzeit“, dessen Erfolg wesentlichen Anteil daran hatte, diese regionale Bezeichnung  im deutschsprachigen Raum weiter zu verbreiten. 1907 wurde sie schließlich erstmals in kartografischen Werken eingesetzt. 

Für die Nachwelt erhalten

Als Störschneiderlehrling zog er von Hof zu Hof, und Jakob Eduard Schmölzer ermunterte ihn, vor allem Lieder, die er hörte, festzuhalten. Indem diese zuvor nur mündlich überlieferten Lieder, Gedichte und Geschichten aufgeschrieben wurden, konnten sie bis heute überdauern. Auch die Bräuche und Sitten sowie den Aberglauben

seiner engeren und weiteren Heimat hat Rosegger festgehalten. In Zeichnungen überlieferte er außerdem die bäuerliche Wohnkultur.

Mit den Waldheimatgeschichten  gelang es ihm, die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse seiner Heimat –einer bis dahin kaum bekannten Region – einem breiten, vorwiegend städtischen Publikum näherzubringen. Er wurde zum Vermittler der bäuerlichen Kultur, die er trotz einer gewissen Sozialromantik nicht verherrlichte: Rosegger beschrieb und kritisierte das gesundheitsschädigende Arbeiten in der Rauchkuchl, die Ausbeutung der landwirtschaftlichen Hilfskräfte, die oft schlechten hygienischen Verhältnisse und vieles mehr. Der ursprünglich ausschließlich literarisch verwendete Begriff „Waldheimat“ wurde noch zu seinen Lebzeiten als regionale Bezeichnung in die Landkarten übernommen.

Kritisch, engagiert und ausgezeichnet

Dass Rosegger auch ein kritischer und streitbarer Journalist war, der sich in seiner Monatsschrift Heimgarten philosophischen, politischen, erzieherischen, religiösen, sozioökonomischen und kulturellen Themen widmete, ist vielfach unbekannt. In seinen Texten übte er Gesellschaftskritik und  forderte Verbesserungen, vor allem in sozialen und erzieherischen Fragen. Darüber engagierte er sich aktiv für Aktivitäten, die man heute als „Charity“ bezeichnen würde: Er rief zu verschiedenen Spendensammlungen auf und unterstützte diese nicht nur mit seinem Namen.

Unter dem Einfluss der Mitglieder des Stammtisches im „Krug zum grünen Kranze“, bestehend aus bekannten und berühmten Persönlichkeiten der Grazer Kunst- und Kulturszene, wechselte Rosegger, der ursprünglich liberal gesinnt war, ins nationale Lager. Von politischen Parteien ließ er sich jedoch nicht vereinnahmen. Seine Kommentare und Kritiken zu politischen, gesellschaftlichen und religiösen Fragen brachten ihm immer wieder Kritik ein, von der er sich aber kaum beeinflussen ließ. Beleidigungen seiner Person nahm er vielfach mit Humor auf und ließ auch seine Leserschaft im Heimgarten daran teilhaben.

Drei Nominierungen für den Literaturnobelpreis, zahlreiche Auszeichnungen, Ehrungen und Ernennungen zum Ehrenbürger wurden ihm zuteil.

Die Beschreibungen und Berichte seiner Wanderungen und Bahnfahrten wurden in unzähligen Feuilletons, Artikeln und Heimgarten-Beiträgen veröffentlicht und warben für die Schönheit der Alpen, vor allem in der Steiermark. Damit hat er nicht zuletzt zur Entwicklung des steirischen Tourismus beigetragen. Noch heute ist Peter Rosegger für den regionalen Tourismus als Werbeträger unverzichtbar.

Zeittafel

  • 1843 Am 31. Juli wird Peter Rosegger als ältester Sohn von Lorenz und Maria Roßegger in Alpl/Krieglach geboren. Zwischen 1845 und 1857 bekommt Peter sechs Geschwister.
  • 1848-1854 Peter und die Alpler Kinder erhalten unregelmäßigen Schulunterricht durch Michel Patterer, der aufgrund seiner revolutionären Gesinnung St. Kathrein/Hauenstein verlassen musste.
  • 1860 Da Peter für die schwere Arbeit des Bergbauern zu schwach und für ein Priesterstudium zu arm ist,  beginnt er bei Meister Ignaz Orthofer eine Schneiderlehre, absolviert seine Gesellenprüfung und bleibt bis 1865 bei Orthofer. Die ersten Schriften in Mundart entstehen.
  • 1864 Er sendet eine Auswahl seiner Gedichte, Geschichten und Aufzeichnungen an die Grazer Tagespost. Der Redakteur Dr. Adalbert Svoboda erkennt seine Begabung und beginnt ihn zu fördern.
  • 1865–1869 Im Februar verlässt Peter das Alpl und beginnt eine Buchhändlerlehre in Laibach. Nach wenigen Tagen kehrt er nach Graz zurück und tritt als Hospitant in die Akademie für Handel und Industrie ein. Hier ergänzt er sein fehlendes Schulwissen. Mäzene wie der Großindustrielle Peter von Reininghaus unterstützen ihn.
  • 1867 Auf seiner ersten großen Ferienreise trifft er mit Adalbert Stifter in Linz zusammen.
  • 1868 Der Kluppeneggerhof wird versteigert und die Eltern und jüngeren Geschwister ziehen ins Ausgedinge.
  • 1869 Peter verlässt die Handelsakademie und veröffentlicht sein erstes Buch (Zither und Hackbrett), mit dem ihm der Durchbruch gelingt. Noch im selben Jahr erscheint sein zweites Buch (Tannenharz und Fichtennadeln).
  • 1872 Der Tod der geliebten Mutter erschüttert seine Gesundheit. Noch im selben Jahr lernt er Anna Pichler, die Tochter eines Grazer Hutfabrikanten, kennen. Eine Italienreise führt ihn bis nach Neapel.
  • 1873  Am 13. Mai heiraten Peter und Anna, das Paar lebt im Haus der Familie Pichler in der Sackstraße.
  • 1874 Sohn Josef wird geboren.
  • 1875 Der Roman Aus den Schriften des Waldschulmeisters erscheint. Nach der Geburt der Tochter Anna stirbt Roseggers Frau im Kindbett.
  • 1876 Rosegger gründet die Monatsschrift Heimgarten, in der er bis 1910 als Chefredakteur zu sämtlichen Problemen Stellung nimmt und sie als Plattform für seine Ansichten und Anliegen nützt.
  • 1877 Ein Haus in Krieglach wird errichtet, in dem die Familie in den Sommermonaten lebt. Der erste Band der Jugenderinnerungen Waldheimat  erscheint und Rosegger beginnt mit seinen Vorlesereisen in In- und Ausland.
  • 1879 Heirat mit Anna Knaur, der Tochter des Wiener Bauunternehmers Wilhelm Knaur. Durch diese Verbindung gelangte Rosegger in die höheren Gesellschaftsschichten.
  • 1880 Sohn Hans Ludwig wird geboren.
  • 1881 Nach dem Tod seines Verlegers Heckenast erscheinen bei Hartleben in Wien Roseggers Ausgewählte Schriften in zwölf Bänden, bis 1894 folgen zwanzig weitere Titel. Der wöchentliche Besuch der Tischgesellschaft im „Krug zum grünen Kranze“ beginnt.
  • 1882 Der Roman Heidepeters Gabriel erscheint, ein literarisches Denkmal für seine erste Frau.
  • 1883 Tochter Margarete wird geboren.
  • 1888 Jakob der Letzte wird veröffentlicht und regt eine öffentliche Diskussion über Agrarfragen und das Bauernproblem an.
  • 1890 Tochter Martha wird geboren.
  • 1892 Rosegger hält vor der Versammlung der Friedensfreunde in Wien einen Vortrag und tritt in Kontakt mit Bertha von Suttner. Schwer erkrankt, beginnt er sich intensiv mit den Evangelien auseinanderzusetzen.
  • 1894 Rosegger wechselt vom Verlag Hartleben zum Verlag Staackmann in Leipzig, der ihn intensiv zu vermarkten begann. 
  • 1898 Er protestiert gegen die Sprachenverordnung in Böhmen und Mähren, sympathisiert stark mit dem Protestantismus und schafft sich seine eigene undogmatische Religion. In Mürzzuschlag wird die Rosegger-Gesellschaft gegründet.
  • 1900 Aufruf zur Spendensammlung zur Errichtung einer evangelischen Kirche in Mürzzuschlag.
  • 1902 Rosegger stiftet den Alpler Kindern eine Volksschule.
  • 1903 Zahlreiche Ehrungen zum 60. Geburtstag. Er erhält das Ehrendoktorat der Universität Heidelberg.
  • 1904 Aufruf zur Spendensammlung für die abgebrannte katholische Kirche in St. Kathrein/Hauenstein.
  • 1909 Aufruf zur 2 Millionen-Sammlung zur Errichtung und Erhaltung von deutschen Schulen an den Sprachgrenzen.
  • 1913 Rosegger erhält zahlreiche Ehrungen zum 70. Geburtstag, darunter das Ehrendoktorat der Universität Wien u.v.m.
  • 1913–1916 Die Ausgabe letzter Hand erscheint in 40 Bänden bei Staackmann.
  • 1917 Ehrendoktorrat der Universität Graz.
  • 1918 Kaiser Karl verleiht dem bereits schwerkranken Dichter das Großkreuz des Franz Josefs-Ordens. Am 26. Juni stirbt Peter Rosegger in seinem Landhaus in Krieglach im Kreis der Familie. Er wird seinem Wunsch entsprechend in einem einfachen Grab mit Holzkreuz zur letzten Ruhe gebettet.

Rosegger-Museum, Krieglach

Roseggerstraße 44
8670 Krieglach, Österreich
T +43-3855/2375
info-rosegger@museum-joanneum.at

 

Öffnungszeiten
01. April bis 31. Oktober Di-Sa, Feiertag 10 - 16 Uhr