Universalmuseum Joanneum GmbH

Wenn aus einem Ego-Shooter-Spiel pazifistische Kunst wird ...

 

Im studio der Neuen Galerie Graz widmet sich das Kunstkollektiv Total Refusal dem Computerspiel. Dessen Ästhetik, Aufbau und übliche Spielregeln unterlaufen sie mit dadaistischen und anarchistischen Strategien, wobei Realität und Fiktion bewusst vermischt werden. Das Kollektiv – bestehend aus Leonhard Müllner, Robin Klengel und Michael Stumpf – behandelt in der Ausstellung AWOL – Absent Without Leave nicht nur Stereotypen in Computerspielen, sondern auch ihre Begeisterung für gigantische virtuelle Welten. Die Künstler beleuchten vor allem das Medium als solches kritisch: „Wir machen hier Medien-Guerilla und sehen uns als digitale Abrüstungsbewegung“, so das Kollektiv bei der Eröffnung. Die Ausstellung kann bis 1. September 2019 bei freiem Eintritt besucht werden.

Gruppenfoto, Kollektiv "Total Refusal",

Kollektiv "Total Refusal", v. l. n. r.: Robin Klengel, Leonhard Müllner und Michael Stumpf, Foto: UMJ/J.J. Kucek

Auf einem Bildschirm laufen bewaffnete Protagonisten durch New York, während die Besucher/innen gleichzeitig über Kopfhörer als Touristen einer Architekturführung folgen können. In einer anderen Videoarbeit tauschen die Künstler die übliche Perspektive der Computerspiele und plötzlich sehen die Spieler/innen sich selbst frontal beim Kämpfen oder Sterben. Die einzige Skulptur im Raum zeigt Einkerbungen, die durch virtuellen Beschuss entstanden sind und im Raum real werden.

„Der Titel AWOL – Absent Without Leave stammt aus der Militärsprache und beschreibt das unerlaubte Verlassen des Militärdienstes. Aus einem Spiel kann man jederzeit aussteigen und auch die Handlungen haben keine realen Folgen. Die Vereinfachung im Videospiel ist jedoch folgenschwer. Ein Deserteur zum Beispiel hat im Spiel keine Bedeutung, in der Realität hingegen schon. Genau diese Aspekte, die im Spiel ausgeblendet werden und nicht vorgesehen sind, interessieren uns und diese suchen wir,“ beschreiben die drei Künstler ihre Arbeit.

Ausstellungsansicht, "AWOL", 2019,

Ausstellungansicht, "AWOL", Foto: UMJ/J.J. Kucek

Ein Blick hinter die Fassade

Unter dem Deckmantel des Spielens wird der menschliche Spieltrieb zunehmend bewusst von Institutionen, Unternehmen und Regierungen als Manipulationsinstrument genützt. „Gamification“ ist zum Schlagwort einer Entwicklung geworden, bei der die Anwendung von Designprinzipien und Mechanismen des Spiels auf spielfremde Prozesse, um Probleme zu lösen und Teilnehmer/innen zu engagieren und zu motivieren, im Zentrum steht. „Das Spiel ist allgegenwärtig: Vom Rabattmarkensammeln über TV-Shows bis zum Punktesystem in China. Es geht dabei immer um Ranglisten, ums Gewinnen. Auch der Krieg ist allgegenwärtig – allein 2018 gab es weltweit 28 Kriege und bewaffnete Konflikte – und eigentlich ist es absurd, „Krieg zu spielen“. Pazifismus ist schon seit Langem ein Thema der Kunst und Total Refusal widmen sich diesem in ihrer Auseinandersetzung mit Ego-Shootern, deren Spielregeln sie subtil und humorvoll unterlaufen,“ so Kurator Günther Holler-Schuster, der das Kollektiv als „das Interessanteste, was diese Stadt im Moment an junger Kunst zu bieten hat,“ beschrieb.

 

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AWOL – Absent Without Leave

Total Refusal – Digital Disarmament Movement (Robin Klengel, Leonhard Müllner, Michael Stumpf)
04.07.–01.09.2019
studio, Neue Galerie Graz, Joanneumsviertel, 8010 Graz
www.neuegaleriegraz.at

 

Weitere Informationen sowie Bildmaterial zum Download finden Sie unter: studio

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