Universalmuseum Joanneum GmbH

Weltweit erste Museumsausstellung von Alexander Brener und Barbara Schurz

 

Mit der Ausstellung Alexander Brener und Barbara Schurz. Verschwörung von Kopffüßern zeigt das BRUSEUM die erste Museumsausstellung der beiden Kunstschaffenden. Bekannt durch ihre Performances im öffentlichen Raum und ihre stetige Kritik am Kunstmarkt, seinen Mechanismen und Ausschließungsstrategien sowie dem neoliberalen System im Gesamten wird ihre Kunst normalerweise nicht in Museen gezeigt. In ihren Arbeiten zeigt sich die tiefgehende Auseinandersetzung mit der abendländischen Philosophie, dem gesellschaftlichen Körper, der Kultur- und Kunstgeschichte, der Politik, dem Neoliberalismus und dem Feminismus – Ausdruck finden sie in vielfältigen Zeichnungen, zu sehen bis 19.01.2020 im BRUSEUM der Neuen Galerie Graz.


Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek

„Dass diese Ausstellung im BRUSEUM zu sehen ist, liegt nicht nur an der hohen Qualität der Zeichnungen“, so Kurator Roman Grabner, „sondern auch an den Parallelen zum Werk und Wirken von Günter Brus. Brener und Schurz kommen aus dem Aktionismus, sie beginnen zu zeichnen, verbinden Wort und Bild zu einem assoziativen Ganzen, zeichnen und schreiben ganze Bücher und konzentrieren sich zunehmend auf die Literatur – eine Entwicklung, die Günter Brus 30 Jahre vor ihnen durchgemacht hat.


Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek

„Hooliganism“ in der Kunstwelt

Alexander Brener gehört jener Generation von russischen Performancekünstlern an, die nach dem Ende der Sowjetunion in Erscheinung treten und bereits im öffentlichen Raum agieren. Sein Besprühen von Kasimir Malewitschs weißem Bild Suprematismus 1920–1927 im Stedelijk Museum in Amsterdam mit einem grünen $-Symbol brachte ihm 1997 internationale Bekanntheit ein. Gemeinsam mit seiner österreichischen Partnerin Barbara Schurz setzte er sich seit den 1990er-Jahren in interventionistischen und kompromisslosen Performances mit den Machtstrategien und Ausschließungsmechanismen der Gesellschaft und des Kunstmarkts auseinander. Für die Ausstellung It’s a Better World. Russischer Aktionismus und sein Kontext in der Secession Wien kommt er 1997 nach Wien, wo er seine Partnerin Barbara Schurz kennenlernt. Mit Was tun? schreiben sie 1999 ein Buch über „Technologien kulturellen Widerstands“, mit denen sie die Machtverhältnisse im System der Kunst, das sie schon früh als Teil des neoliberalen Wirtschaftssystems begreifen, attackieren und damit ändern wollen. Sie intervenieren in Ausstellungen und Symposien, zeigen ihre nackten Hintern, bespucken und bewerfen Kuratoren und haben als „Kunstterroristen“ bald überall Hausverbot.


Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek

Ein nomadisches Leben beginnt

Brener und Schurz haben Wien 2001 verlassen und führen seither eine nomadische Existenz, die sich dem Kunstmarkt weitestgehend verweigert. Sie ziehen von Stadt zu Stadt und von Land zu Land und haben mittlerweile halb Europa durchreist, immer einer Einladung nach der nächsten folgend. In den letzten 15 Jahren haben sie zudem in vom Samisdat inspirierten Formaten zahlreiche literarisch brillante und theoretisch fundierte Bücher gezeichnet und geschrieben. Als Beispiel wird in der Schau die 158 Seiten starke Publikation Fuck off and die alone in Originalzeichnungen präsentiert. Verschwörung von Kopffüßern im BRUSEUM ist ihre erste Museumsausstellung und gibt einen erstmaligen Einblick in ihr zeichnerisches Werk seit 2006.


Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek

Verschwörung von Kopffüßern und das Vorhalten des Narrenspiegels

Der Ausstellungstitel verweist auf die Idee der Metamorphose, auf die Möglichkeit, dass Wesen und Dinge etwas Anderes, etwas Neues werden können, die zentral für ihr Werk ist. Paradigmatisch steht dafür die für die Ausstellung entstandene Serie Unlucky Shape Shifter. Der groteske Körper ist die Gegenform zum idealen, athletischen, von der Gesellschaft konditionierten Körper. Weiters greifen sie bewusst den Topos der „Verkehrten Welt“Mundus inversus – auf. Der Vergleich mit Till Eulenspiegel liegt auf der Hand. Er spottet, bricht das Gesetz, zeigt den nackten Hintern, defäkiert mitten in der Stube, bereichert sich auf Kosten anderer, ist im ganzen Land bekannt, die meisten Leute wollen ihn nicht gerne in ihrer Nähe haben. Der Narr ist ein Außenseiter, er gehört nicht zur kapitalistisch stratifizierten Gesellschaft, aber genau dieses Anders-Sein stattet ihn mit der Voraussetzung zur Kritik an seiner Umwelt aus. Der Narr ist ein kritischer Beobachter, der den Mächtigen den Narrenspiegel vorhält und ihnen die Wahrheit ins Gesicht sagen darf, ohne dafür bestraft zu werden. Die Narrheit ist jedoch kein angeborener Defekt, sondern ein bewusst gesetztes Werkzeug, das gegen die Gesellschaft eingesetzt wird, die sich unsicher ist, wie sie diese Person einschätzen und wie sie mit ihr umgehen soll. Wie Till Eulenspiegel kann man auch Alexander Brener und Barbara Schurz nicht einordnen, denn zu vielfältig sind ihre Wandlungen und zu vielschichtig ihr Verhalten. Im vollem Wissen und Bewusstsein ihrer Handlungen geben sie sich als naiv und kindlich und so sehen auch ihre Zeichnungen aus. Bilder wie aus dem Karneval, doch dieser war immer schon ein Ausnahmezustand, in dem wir uns – laut dem italienischen Philosophen Giorgio Agamben – derzeit permanent befinden.

 

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Alexander Brener und Barbara Schurz. Verschwörung von Kopffüßern
21.09.2019–19.01.2020
BRUSEUM, Neue Galerie Graz, Joanneumsviertel, 8010 Graz
www.bruseum.at 

 

Den ausführlichen Pressetext sowie Bildmaterial finden Sie unter: Verschwörung von Kopffüßern

 

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