Universalmuseum Joanneum GmbH

Spannende Blicke auf Rituale aus der Zeit um 450 v. Chr.

 

Tieropfer. Töten in Kult und Religion

Archäologiemuseum, Eggenberger Allee 90, 8020 Graz

Bis 30. Oktober 2016

 

Weitere Informationen sowie umfangreiches Bildmaterial zur Ausstellung finden Sie unter folgendem Link: Tieropfer

Gestern wurde im Archäologiemuseum die neue Sonderausstellung Tieropfer. Töten in Kult und Religion eröffnet, die sich mit rituellen Schlachtungen beschäftigt und bis 30. Oktober zu sehen ist. Ausgangspunkt sind Knochenfunde von etwa 1500 Tieren, die am Frauenberg bei Leibnitz im Zuge von rituellen Opferungen geschlachtet wurden. Ergänzend zu den archäologischen Funden sind in der Ausstellung noch zwei Videoinstallationen sowie ein Bild von Hermann Nitsch zu sehen.

Ausstellungskuratorin Barbara Porod mit dem Leiter der Abteilung Archäologie Karl Peitler,

Ausstellungskuratorin Barbara Porod mit dem Leiter der Abteilung Archäologie Karl Peitler, Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner

Die neue Ausstellung Tieropfer rückt die psychologischen, historischen und soziologischen Aspekte von Tiertötungen in den Fokus. Den Ausgangspunkt dafür bildeten Reste von rund 1500 Opfertieren aus dem latènezeitlichen Heiligtum am Frauenberg bei Leibnitz. „Jeder der hier ausgestellten Knochen steht für ein Tier, jedoch wurden nicht alle gleichzeitig geschlachtet. Auf die Jahre umgerechnet bedeutet das, dass jährlich zwölf Tiere geopfert wurden“, erklärte Kuratorin Barbara Porod in der Eröffnungsrede. Das folgende (Opfer-)Mahl festigte die Gemeinschaft und bildete in der Fleisch-Verteilung zugleich soziale Schichten ab. Die gesellschaftliche Struktur der Opfergemeinschaft bestimmte die Verteilung des Opferfleisches. Dies könnte auch die Selektion der Knochen am Opferplatz am Frauenberg erklären: Ein Teil des Opfertieres blieb vor Ort, während die fleischtragenden Teile größtenteils von den Festgästen mitgenommen wurden.

Ausstellungsansicht "Tieropfer", 2016,

Ausstellungansicht "Tieropfer", Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner

Ein aktuelles Thema

In Österreich werden aktuell rund 65 kg Fleisch pro Person und Jahr verzehrt. Damit verbunden sind kontroverse Diskussionen sowie ein gewisses Unbehagen beim Gedanken an die damit verbundenen Tiertötungen. „Jede Sekunde werden in Österreich drei Tiere geschlachtet, aber bei Schlachtungen in der Kunst, wie etwa bei Hermann Nitsch, kommt es immer wieder zu Protesten. Der springende Punkt ist hierbei anscheinend, dass die Tötungen nur im Verborgenen stattfinden sollen“, vergleicht Porod. In zwei Videoinstallationen wird das Thema Schlachtung dargestellt: Einer der Filme Schlachthof St. Marx stammt von Rudolf Palla und entstand 1974 als Abschlussarbeit an der Akademie der bildenden Künste. Der zweite Film fleisch und knochen von J.J. Kucek zeigt den gegenwärtigen Alltag in einem Schlachthaus.

 

Die Besucherinnen und Besucher werden in der Sonderausstellung an diese Themen herangeführt und können mit bemalbaren Figurinen selbst ein symbolisches Tieropfer darbringen, für das glücklicherweise nicht geschlachtet werden muss.

Wir freuen uns über Ihre Berichterstattung und stehen bei Rückfragen sehr gerne zur Verfügung.

 

Herzliche Grüße

Anna Fras & Christoph Pelzl