Universalmuseum Joanneum GmbH

Neue Blickwinkel auf die volkskundlich-museale Inszenierung des "Trachtensaals" im Volkskundemuseum

 

Intervention Unheimlich heimisch. Wege zum Trachtensaal

Volkskundemuseum, Trachtensaal, Paulustorgasse 11-13a, 8010 Graz

 

Pressevorbesichtigung: 15. April 2016, 18 Uhr

Eröffnung der Intervention und Buchpräsentation: 15. April 2016, 19 Uhr

Spezialführung „Gruselweg“: 15. April 2016, 21 Uhr

Laufzeit: 16.04.–29.05.2016

 

Kuratiert von Erika Thümmel (FH Joanneum)

Kooperationspartner: Institut für Volkskunde und Kulturanthropologie der KFU Graz, Studienrichtung Informationsdesign an der FH Joanneum Graz, Forschungsschwerpunkt Kultur- und Deutungsgeschichte Europas der KFU Graz

 

Weitere Informationen sowie Bildmaterial zur Intervention und dem Buch finden Sie unter: Unheimlich heimisch

Am 15. April wird im Trachtensaal des Grazer Volkskundemuseums die Intervention Unheimlich heimisch. Wege zum Trachtensaal vorgestellt, die aus einer Kooperation des Instituts für Volkskunde und Kulturanthropologie (Karl-Franzens-Universität Graz) mit dem Volkskundemuseum hervorging und sich intensiv mit der historischen Präsentation des Trachtensaals auseinandersetzt. Im Zentrum stehen die ambivalenten Erfahrungsweisen des Ausstellungsraums sowie der darin gezeigten Museumsfigurinen und Trachten. Als Basis der Intervention diente das im Rahmen eines Projektseminars entstandene Buch Unheimlich heimisch. Kulturwissenschaftliche BeTRACHTungen zur volkskundlich-musealen Inszenierung. Neben dem Versuch, die Botschaften und Aussagen der Inszenierung „Trachtensaal“ quer zu lesen und in ihren kulturgeschichtlichen Kontexten zu verstehen, werden darin auch tagesaktuelle Themen, wie etwa das Trachtenspektakel „Aufsteirern“ oder die Auseinandersetzung syrischer Asylwerber mit Heimat- und Identitätsverlust angesprochen. Das Ergebnis sind fünf unterhaltsame und lehrreiche Wege durch den Trachtensaal, auf denen neue, überraschende Seiten der vom bekannten Grazer Bildhauer Alexander Silveri (1910–1986) geschaffenen Figurinen entdeckt werden können. Von den zwiespältigen Besetzungen des Trachtentragens bis zum Horror der beseelten Kunst-Figur wird das unheimlich Heimische unserer Zeit wissenschaftlich, künstlerisch und museal in Szene gesetzt.

Trachtensaal "Unheimlich heimisch",

Foto: Universalmuseum Joanneum/Bogner

Das Projekt und die Intervention

Im historischen Trachtensaal im Volkskundemuseum werden traditionelle Kleidungsstücke seit jeher auf hölzernen Figurinen präsentiert. Diese lebensgroßen Skulpturen und Mannequins standen dabei immer im Hintergrund, sie wirken sich jedoch erheblich auf die Stimmung des Raumes aus und polarisieren. Manche Besucher/innen empfinden sie als befremdlich oder gar gruselig. In Zusammenarbeit mit dem Volkskundemuseum erforschte eine Projektgruppe des Instituts für Volkskunde und Kulturanthropologie der Karl-Franzens-Universität Graz im Forschungsschwerpunkt „Kultur- und Deutungsgeschichte Europas“ unter der Leitung von Katharina Eisch-Angus die ambivalente Spannung zwischen dem „Heimischen“ der Tracht und den „unheimlichen“ Anmutungen der hölzernen Skulpturen. Auf der Grundlage dieser Forschungen und unter der Leitung von Erika Thümmel nahm die Projektgruppe das Präsentationskonzept des Saales als „Museum im Museum“ wörtlich und gestaltete fünf ironische „Führungslinien“ durch den Trachtensaal: Vom „Irrweg“ durch populäre Irrtümer zum Trachtensaal über den „Tabuweg“, den „Geschichtsweg“, den „Holzweg“ für Kinder bis hin zum „Gruselweg“ lässt sich auf humorvolle Weise das verborgene Leben der Trachtenfigurinen entdecken.

 

Die Publikation

Im Rahmen des Forschungsprojekts verfassten die Studierenden und Fachleute aus Kulturwissenschaft und Museum 14 Essays, die im 268 Seiten umfassenden Buch Unheimlich heimisch. Kulturwissenschaftliche BeTRACHTungen zur volkskundlich-musealen Inszenierung versammelt wurden. Der reich illustrierte Essayband lüftet die Geheimnisse des Trachtensaals im Volkskundemuseum darüber hinaus fotografisch, mit zahlreichen künstlerischen Beiträgen und Archivdokumenten. Auf diese Weise wird im einzigen in Originalaufstellung erhaltenen Trachtensaal nicht nur erstmals diese museale Inszenierungsform erforscht: Ausgehend von Sigmund Freuds Aussage „Das Unheimliche ist das ehemals Heimische, Altvertraute“ nehmen die Autorinnen und Autoren die unheimliche Wirkung der Figurinen ernst; im Spannungsfeld von Volkskunde und Kunst werden die Sehnsüchte und Ideologien der Entstehungszeit beleuchtet und heutige Fragen von Angst, Identitätssuche und dem Umgang mit der eigenen, „heimischen“ Kultur aufgeworfen.

 

Wir freuen uns auf Ihr Kommen und Ihre Berichterstattung und stehen bei Fragen jederzeit sehr gerne zur Verfügung.

 

Herzliche Grüße
Christoph Pelzl & Anna Fras