Universalmuseum Joanneum GmbH

Kunsthaus zeigt „Bittersüße Transformation“ starker weiblicher Positionen in der Kunst

 

Bittersüße Transformation

Alina Szapocznikow, Kateřina Vincourová und Camille Henrot

Bis 28.08.2016

 

Weitere Informationen sowie erstes Bildmaterial zur Ausstellung finden Sie unter folgendem Link: Bittersüße Transformation

Im Kunsthaus Graz wurde am Mittwoch die Ausstellung Bittersüße Transformation. Alina Szapocznikow, Kateřina Vincourová und Camille Henrot eröffnet, die bis 28. August drei Bildhauerinnen in einen Dialog zwischen den Generationen treten lässt. Die Werke der Künstlerinnen thematisieren den Körper als Erfahrungs- und Repräsentationsort, an dem das Fetischhafte, die Ware, das surreale Instinktive und Intime sich im Prozess des skulpturalen Schaffens manifestiert. „Ich bin stolz auf diese Ausstellung, weil sie einen geschichtlichen Bogen über Generationen hinweg spannt und dazu beiträgt, weiblichen Positionen in der Kunst eine Stimme zu geben“, freute sich die Kuratorin Katrin Bucher Trantow.

Kuratorin Katrin Bucher Trantow mit Künstlerin Kateřina Vincourová, 2016,

Kuratorin Katrin Bucher Trantow mit Künstlerin Kateřina Vincourová, 2016, Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner

Die neue Ausstellung Bittersüße Transformation widmet sich dem Körper als Ursprung alles Erfahrbaren. Ausgehend von Alina Szapocznikows Arbeiten, die seit einigen Jahren von der Kunstwelt wiederentdeckt werden, entsteht zwischen den Werken der zwei jüngeren Künstlerinnen Kateřina Vincourová und Camille Henrot ein skulpturales Gespräch, in dem ein Spiel der Gegensätze deutlich wird. Zwischen Anziehung und Abstoßung, zwischen den Geschlechtern, zwischen der schaffenden Hand der Künstlerin und den Produktionsprozessen, aber auch zwischen Eros und Thanatos (also zwischen Liebe und Tod) eröffnet sich das Spannungsfeld der Urtriebe Lust und Sehnsucht. Der Prozess der Transformation wird dabei zur erotischen Quelle des Schaffens und Sehens, in dem der Tod nicht nur ständiger Begleiter ist, sondern in einer gewagten Verschmelzung zum bittersüßen Kulminationspunkt allen Lebens wird. Kateřina Vincourová, die zur Eröffnung nach Graz kam, freut sich, im Kunsthaus auszustellen, und meinte: „Obwohl ich die Werke der anderen beiden Künstlerinnen vorher nicht im Detail kannte, fielen mir bald Parallelen zwischen unseren Arbeiten auf.“

 

Die Künstlerinnen

Die Polin Alina Szapocznikow (1926–1973), deren Werk in den Jahren nach ihrem Tod von der Kunstgeschichte geradezu verschwiegen wurde, gilt heute als eine der bedeutendsten Bildhauerinnen der Nachkriegszeit. Die ausgesprochen weibliche Stimme der Holocaust-Überlebenden manifestiert sich in einer ungeheuer kraftvollen Auseinandersetzung zwischen dem Bild einer surrealen Sinnlichkeit und der existenziellen Vergänglichkeit des Materials. Die Französin Camille Henrot (* 1978) ist seit der Verleihung des Silbernen Löwen im Rahmen der Biennale von Venedig 2013 einem breiten Publikum bekannt. Sie versetzt Zuseherinnen und Zuseher in ihren filmischen und grafischen Arbeiten in einen Taumel der Dinge, der sich im Spannungsfeld spiritueller und wissenschaftlicher oder mythischer und historischer Erzählungen befindet, und widmet sich den von der Neugier und vom (Bild-)Konsum getriebenen Menschen unseres digitalen Zeitalters. In den plastischen Werken der Tschechin Kateřina Vincourová (* 1968) entsteht eine Intimität zwischen Körpern und Dingen, deren Bedeutung sich in einer forschenden Auseinandersetzung mit der Welt der Ware offenbart. Ihre installativen Arbeiten thematisieren das eingeschriebene, vererbte und versteckte Wissen von Produkten und Dingen, denen in unserer Kultur Passivität und Objektivität zugeschrieben werden, die sie aber als Mitakteure entlarvt.

 

Katalog

Der Katalog zur Ausstellung wird am 28. Juni 2016 um 18 Uhr im Rahmen eines Künstlerinnen-Gesprächs im Kunsthaus Graz präsentiert. Kuratorin Katrin Bucher Trantow diskutiert an diesem Abend mit der Katalogautorin Martina Pachmanová und der Künstlerin Kateřina Vincourová über den Körper als Ursprung alles Erfahrbaren.

 

Wir freuen uns über Ihre Berichterstattung und stehen bei Rückfragen sehr gerne zur Verfügung.

 

Herzliche Grüße

Anna Fras & Christoph Pelzl