Universalmuseum Joanneum

Das Universalmuseum Joanneum trauert um Diether Kramer

 

Diether Kramer (22.01.1942–01.09.2016)

Das Universalmuseum Joanneum gibt mit großer Betroffenheit bekannt, dass der steirische Prähistoriker Diether Kramer, der von 1977 bis 2007 am Joanneum wirkte, am 1. September 2016 verstorben ist.

 

Kramer wurde 1977 als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung für Vor- und Frühgeschichte eingestellt. 1981 schloss er sein Doktoratsstudium der Prähistorischen Archäologie an der Universität Salzburg mit der Dissertation „Vom Neolithikum bis zur römischen Kaiserzeit. Untersuchungen zur ältesten Besiedelungsgeschichte der Steiermark, mit besonderer Berücksichtigung der mittelsteirischen Höhensiedlungen“ ab. Von 1998 bis 2007 leitete Kramer das Referat „Ur- und Frühgeschichtliche Sammlung“ und war somit unter anderem für die Funde aus den hallstattzeitlichen Fürstengräbern von Strettweg und Großklein zuständig, aus denen der weltberühmte „Kultwagen von Strettweg“ und die Bronzemaske aus dem Kröllkogel stammen. Ab 2001 war er Honorarprofessor für „Prähistorische Archäologie und Mittelalterarchäologie“ an der Karl-Franzens-Universität Graz und machte zahllose Studierende mit der Ur- und Frühgeschichte in der Steiermark vertraut. Kramer war auch der Historischen Landeskommission für Steiermark eng verbunden, der er ab 1984 als Korrespondent und ab 1991 als Mitglied des ständigen Ausschusses angehörte.

Höhepunkte seiner jahrzehntelangen Grabungstätigkeit waren die Kampagnen auf den prähistorischen Höhensiedlungen der Steiermark und die Nachgrabung des Kröllkogels, eines der Fürstengräber der Nekropole der hallstattzeitlichen Siedlung auf dem Burgstallkogel bei Großklein.

Auch in der Stadt Graz führte er archäologische Grabungen durch. So stieß er im Hof des Stammhauses des Universalmuseums Joanneum, am Grazer Hauptplatz und am Karmeliterplatz unter anderem auf mittelalterliche Funde und auf Gräber der Urnenfelderkultur. Die Resultate machten es zum Teil notwendig, dass die Grazer Stadtgeschichte unter neuen Blickwinkeln gesehen werden musste.

Ergebnis seiner engen Zusammenarbeit mit dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz, die er in der Tradition seines Lehrers Walter Modrijan stehend pflegte, war die Neurestaurierung des „Kultwagens von Strettweg“ sowie – gemeinsam mit Markus Egg – die Vorlage einer umfangreichen Monografie zum hallstattzeitlichen Fürstengrab „Kröllkogel“. Ein großes Anliegen war Kramer auch die Frühmittelalterarchäologie, der er sich als Ausgräber und in Publikationen immer wieder gewidmet hat.

Mehr als 180 Veröffentlichungen – darunter mehrere Monografien – belegen seine Fähigkeiten als Wissenschaftler. Unter den zahlreichen Ausstellungen, die von ihm kuratiert wurden, verdient die Schau „Das Antlitz des Königs“ besondere Erwähnung, mit der die Funde aus dem Kröllkogel nach dem neuesten Stand der Museumsdidaktik präsentiert wurden.

 

Seine nationale und internationale Vernetzung mit der Fachwelt war hervorragend. Neben der Zusammenarbeit mit dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum sind seine Kontakte zur Kollegenschaft in Ungarn, Slowenien und Kroatien hervorzuheben. Großes Engagement legte Kramer auch auf dem Gebiet der historischen Burgenforschung zutage. So war er Mitglied des Comité permanent von Château Gaillard. Kramer wirkte auch in der Kommission zur Feststellung von Zerstörungen am kulturellen Erbe Kroatiens im Zuge der Jugoslawienkriege mit.

 

Eine besondere Begabung Kramers war neben seinem Talent als praktisch veranlagter Feldarchäologie die Begeisterungsfähigkeit, mit der er seine profunden Kenntnisse über die steirische Ur- und Frühgeschichte dem Museumspublikum und den Zuhörerinnen und Zuhörern seiner vielen Vorträge vermittelte.