Universalmuseum Joanneum GmbH

Frühlingspräsentation im Österreichischen Skulpturenpark

 

Am vergangenen Sonntag, 30. Mai 2021, wurden im Skulpturenpark zwei neue Werke aufgestellt. Sie stammen von den diesjährigen Artists in Residence Christoph Weber und Judith Fegerl, die bei der Präsentation anwesend waren. Auch die Adaptierung der Skulptur In Then Out und die Publikation the maybe date wurden vorgestellt.


v. l. n. r.: Künstler Christoph Weber, Leiterin des Skulpturenparks Elisabeth Fiedler, Künstlerin Judith Fegerl und wiss. Joanneums-Direktor Wolfgang Muchitsch, Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek

Die Highlights der Saison, Arbeiten der diesjährigen Artists in Residence Judith Fegerl und Christoph Weber, wurden im Rahmen einer coronabedingt kleinen Präsentation am 30. Mai vorgestellt. Der Österreichische Skulpturenpark lädt jährlich nationale und internationale Künstler*innen sowie Kunstklassen zur Auseinandersetzung mit dem Österreichischen Skulpturenpark und zur Entwicklung temporärer Werke ein. Für das Ausnahmejahr 2021 ist es gelungen, diese beiden in Wien lebenden Künstler*innen Christoph Weber und Judith Fegerl dafür zu gewinnen.

Judith Fegerl, sunset 

Auf schiefer Wiesenebene verankert und ausgerichtet, installiert Judith Fegerl Photovoltaikpaneele auf einer kniehohen Trägerkonstruktion. Die Stromerzeuger unterschiedlicher Anmutung, Größe, Produktion und Anwendungsbereiche stammen aus dem Fundus des Forschungsprojekts PVRE2. Recycling und Reparatur von teilweise jahrzehntealten PV-Paneelen sind der Forschungsgegenstand dieser Allianz aus Silicon Labs Graz, Montan-Uni Leoben und dem OFI (Österreichisches Forschungs- und Prüfinstitut) in Wien. Mit ihrer Arbeit zeigt Fegerl Energiequellen und deren funktionale, inhaltliche und zeitliche Verläufe, die als grundlegende Errungenschaft technischer Revolutionen verstanden werden, aber gleichzeitig so gut wie möglich versteckt, so unsichtbar wie möglich ihrer dienenden Funktion nachkommen mögen. So werden die Kehrseiten der „Clean Energy“, nämlich die Probleme von Herstellung und Entsorgung ebenso in den Fokus gerückt wie das Potenzial der immer noch in den Paneelen durch Sonneneinstrahlung produzierten Restenergie, die nicht abgefragt wird. Normalerweise als „Verschandelung“ auf Dächern empfunden, entfalten sich die Solarpaneele hier als autonome Statements. Individuelle Formen, Oberflächen und Formate, Farb- und Materialveränderungen verbinden sich in diesem „End-of-Life“-Szenario zu einer technologiehistorischen Zeichnung. Im Wissen darum, dass ein Teil des Österreichischen Skulpturenparks einst Mülldeponie war, reflektiert Judith Fegerl den Versuch, Material-, Ressourcen- und Energiekreisläufe in Gang zu halten. 


Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek

Christoph Weber, sechs komma vier

Im Jahr 2020 hat die anthropogene Masse jene der Biomasse eingeholt, das heißt, es existiert mehr vom Menschen Produziertes ‒ das meiste davon aus Beton ‒ als von der Natur Vorgegebenes. Interessiert an Entstehung, Bedeutung, Veränderlichkeit und Beeinflussung dieses Werkstoffs, wählt Christoph Weber einen etwa 200 kg schweren Stein, gesprengt im Kalksteinbruch eines Zementwerkes, als Ausgangsmaterial für seine Arbeit sechs komma vier. Kalkstein wird im industriellen Prozess nach der Sprengung normalerweise weiter zerkleinert, zu Klinker gebacken und zu Zement vermahlen. Weber eruierte die Menge an Zement, die der gewählte Kalkstein abgeworfen hätte, und berechnete, dass in 6,4 Kopien des Originalsteines aus Beton dieselbe Menge an Zement zu finden ist. Mit dieser tautologischen Schleife thematisiert Weber Fragen nach Vervielfältigung und Ressourcenverknappung und stellt in seinem spezifischen skulpturalen Ansatz anthropozentrischen Einfluss und geologisch Vorhandenes einander gegenüber: Die so natürlich wirkende Form des Steines war tatsächlich schon der erste Schritt eines industriellen Prozesses (Sprengung). Die Platzierung im Skulpturenpark am Wegesrand nimmt Anleihe an der inflationären Ablage von Steinen ähnlicher Größe, um das Parken von Automobilen in der Wiese einzudämmen. 
 


Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek

Neuadaptierung der Arbeit In Then Out

Die von Studierenden der Klasse Tobias Rehberger der Städelschule Frankfurt geschaffene Skulptur In Then Out wird seit ihrer Entstehung 2014 jährlich von Schüler*innen oder Studierenden verschiedene Grazer Institutionen neu adaptiert. Dieses Jahr kommen Entwurf und Umsetzung von der Klasse Bildhauerei der Meisterschule für Kunst und Gestaltung an der Ortweinschule in Graz unter der Leitung von Markus Wilfling. Die Studierenden bringen die 2014 geschaffene Grundstruktur zum Schwingen und durchbrechen damit die angenommene Starrheit der Arbeit. Durch diese Bewegung entsteht eine Beziehung zu anderen naheliegenden Skulpturen im Park wie Werner Reiterers gesture von 2003/04, Timm Ulrichs Tanzende Bäume von 1997/2010 oder Michael Pinters SUB/DC von 2003.
 


v. l. n. r.: Ortwein-Schülerin, Künstler Markus Wilfling, Leiterin des Skulpturenparks Elisabeth Fiedler, wiss. Joanneums-Direktor Wolfgang Muchitsch, Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek

Publikation der Artists in Residence 2020

Präsentiert wurde außerdem die Publikation zu the maybe date, der Arbeit der Artists in Residence 2020, Klasse Bildhauerei und transmediale Kunst der Kunstuniversität Linz unter der Leitung von Tobias Urban und Ali Janka (Künstlergruppe Geletin). 

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Österreichischer Skulpturenpark
Thalerhofstraße 85
8141 Premstätten, Österreich
www.skulpturenpark.at
 

Bildmaterial zur Präsentation finden Sie unter: Artists in Residence 2021

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Mit herzlichen Grüßen

Anna Fras
+43/664/8017-9211, anna.fras@museum-joanneum.at

Alexandra Reischl
+43/699/1780-9002, alexandra.reischl@museum-joanneum.at