Universalmuseum Joanneum GmbH

"Der große Tod" liefert ein erschütterndes Bild von den Schlachtfeldern

 

„Kriege brechen nicht aus. Kriege werden geplant und beendet“, so Fritz Orter, Sonderberichterstatter aus Krisengebieten des Nahen und Mittleren Ostens und Buchautor im Jahr 2014. Mit dem Krieg und all seinen Folgen und Auswirkungen beschäftigten sich auch schon Künstler der Frühen Neuzeit, wie die neue Sonderausstellung in der Alten Galerie anhand von etwa 70 Druckgraphiken sowie Gemälden, Büchern, Medaillen und vielem mehr zeigt. Am 8. Mai kann die Ausstellung bei freiem Eintritt besucht werden und ist dann bis 01.08.2021 zu sehen.


Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner

Embedded Journalism (eingebetteter/integrierter Journalismus) ist ein Begriff, der im Zuge des Irakkrieges 2003 von den amerikanischen Streitkräften eingeführt wurde. Im Wesentlichen stellt dies eine enge Kooperation von Militär und Journalismus dar. Die Kritik an der Objektivität einer solchen Berichterstattung ließ nicht lange auf sich warten. Ähnlich eingebettet waren Künstler der Frühen Neuzeit – gezwungen durch eine große Abhängigkeit vom Auftraggeber, in diesem Fall dem Kriegsherrn. Als eine Art Kriegsberichterstatter wurden sie zu Belagerungen und Feldzügen mitgenommen, um diese zu dokumentieren. „Die Ausstellung Der große Tod  zeigt, wie Kriege entstehen, wie sie geführt werden und wie sie enden – und welch menschliches Leid damit verbunden ist“, erklärt Kuratorin Karin Leitner-Ruhe.

 

Anhand der berühmten Serie Die großen Schrecken des Krieges des lothringischen Künstlers Jacques Callot im 17. Jahrhundert lassen sich Stationen eines Krieges ablesen, die sich bei einer derartigen Auseinandersetzung stetig wiederholen – bis zum heutigen Tag. So steht am Anfang der Ausstellung die Vorbereitung zu einer Konfrontation. Diese begann bei der Schulung eines Herrschers, dem Entwickeln von Kriegsgerät und ging bis zum Aufstellen eines Heeres. Auslöser für eine militärische Handlung waren zumeist ein Vertragsbruch oder Gebietsansprüche. Letztendlich erfolgte die Kriegserklärung. „Uns war es ein Anliegen, auch das Geschehen abseits des Schlachtfeldes zu zeigen“, so Kuratorin Christine Rabensteiner.


Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner

Europa als Schlachtfeld

Es folgten Kriegszüge, Schlachten und Belagerungen. Europa war in den Jahrhunderten der Frühen Neuzeit überzogen von Kriegsschauplätzen. Anhand verschiedener Schlachtendarstellungen soll dies aufgezeigt werden. Schlachtenformationen, Gefechte zu Wasser und zu Land geben zumeist die Sicht des Auftraggebers wieder – in seinem Sinne siegreich, unverletzlich und würdevoll. Künstler begleiteten Herrscher auf ihren Feldzügen, standen mit ihnen mittendrin oder am Rande des Geschehens und hielten dieses für die Nachwelt fest. Teil der Kriegsführung sind Belagerungen, durch welche eine Stadt zur Aufgabe gezwungen werden soll. Aber nicht nur an vorderster Front wurde gekämpft. Übeltäter, Deserteure, Überläufer wurden gefangen genommen, verurteilt und gehenkt, erschossen oder geköpft. In Kampfpausen und im Hinterland wurde geplündert, zerstört und die Bevölkerung ausgeraubt. Die Zivilbevölkerung war neben den in die Schlacht ziehenden einfachen Soldaten die größte Gruppe, die Verluste auf sich nehmen musste. Plünderungen, Einziehung von Vieh und Getreide für die Versorgung der Soldaten, welche Vorrang hatten, brachte die Bauern an die Armutsgrenze. Seuchen und Krankheiten breiteten sich rasanter aus als sonst und dezimierten das Volk. Der große Tod – gekonnt von Stefano della Bella ins Bild gesetzt – zog über das Land. Sterbende, Leichen, Bettler säumten die Straßen. Ein ganz anderes Bild zeigte das Leben im Lager und abseits der Schlachtfelder. Frauen, Kinder und Tiere zogen im Tross mit. Es wurde im Lager geheiratet und Familien gründeten sich.

 

Sieger und Verlierer

Nach der großen Schlacht gab es Sieger und Verlierer. Die Feldherren und Heerführer genossen einen eigenen Status in der Gesellschaft und konnten sich bei Sieg unermessliche Reichtümer aneignen. Die anderen lebten in den Ruinen der zurückgelassenen Gebiete weiter. Nach einem Krieg vergingen Jahre, bis ein geregeltes Leben wieder möglich war. Verwundete und Bettler prägten das Stadtbild. Frieden wurde durch neue Verträge, aber auch durch Heiraten geschlossen. Die Druckgraphik dokumentiert, illustriert und kritisiert die vielen Themen rund um den Krieg.

Die Ausstellung ist hauptsächlich mit Druckgraphiken aus dem Kupferstichkabinett der Alten Galerie bestückt. Gemälde, Kleinplastiken, aber auch historische Bücher und kulturhistorische Objekte ergänzen die Präsentation. Die großzügigen Leihgaben stammen aus den Sondersammlungen der Universitätsbibliothek Graz und der Steiermärkischen Landesbibliothek sowie aus den Beständen des Landeszeughauses, der Kulturhistorischen Sammlung und des Münzkabinetts des Universalmuseums Joanneum.

____________________

 

Der große Tod. Szenen des Krieges
Alte Galerie, Schloss Eggenberg, Eggenberger Allee 90, 8020 Graz
07.05.2021 – 01.08.2021
Freier Eintritt: 08.05.2021, 10 – 17 Uhr
www.altegalerie.at

 

Weitere Informationen sowie Bildmaterial zum Download finden Sie unter: Der große Tod

____________________

 

Wir freuen uns über Ihre Berichterstattung und stehen für Rückfragen gerne zur Verfügung!

 

Mit herzlichen Grüßen

Anna Fras
+43/664/8017-9211, anna.fras@museum-joanneum.at

Alexandra Reischl
+43/699/1780-9002, alexandra.reischl@museum-joanneum.at