Universalmuseum Joanneum GmbH

Gefährdete Mopsfledermaus noch in allen Bundesländern Österreichs vertreten

 

Am 15. Jänner 2020 wurde die Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus) zur „Fledermausart des Jahres 2020–2021“ gewählt. BatLife Europe, Batlife Österreich, der Landesverein für Höhlenkunde in der Steiermark sowie das Universalmuseum Joanneum bemühen sich um den Schutz dieser Art. Sie werden sich gemeinsam mit Organisationen in über 35 europäischen Ländern in den kommenden zwei Jahren auf die Lösung von Artenschutzproblemen und Öffentlichkeitsarbeit für diese bedrohte Fledermausart konzentrieren. In der Steiermark kommt die Art vor allem im Bergland nördlich von Graz und in den Alpen vor. Peter Sackl, Zoologe am Universalmuseum Joanneum, erforscht sie bereits seit mehreren Jahrzehnten intensiv.


Foto: Harald Polt

Steirische Forschungen

In Österreich ist besonders der Schutz von Spaltenquartieren an Gebäuden und von alt- und totholzreichen Laub- und Mischwäldern für die Erhaltung der Mopsfledermausbestände wichtig. Darüber hinaus ergab eine laufende Untersuchung der Entwicklung der Bestände der Mopsfledermaus in der Steiermark seit Mitte der 1970er-Jahre durch Zoologinnen und Zoologen sowie Höhlenforscher/innen des Universalmuseums Joanneum, des Landesvereins für Höhlenkunde in der Steiermark und von BatLife Österreich, dass auch der Klimawandel eine Bedrohung für die Art darstellen dürfte. Diese österreichweit einzigartige Datenreihe zeigt, dass im Verlauf der letzten 40 Jahre die Zahl der überwinternden Tiere in niedrigen Lagen signifikant abnahm, während im gleichen Zeitraum in höheren Lagen eine deutliche Zunahme derselben erfolgte. In der Steiermark befinden sich überregional bedeutende Winterquartiere im mittelsteirischen Karst (Weizklamm, Peggau) und auf der Grebenzen. Nachgewiesene Vorkommen gibt es u. a. auch im Nationalpark Gesäuse.

 

„Da die Art durchschnittliche Überwinterungstemperaturen um 0 °C benötigt, scheint es möglich, dass die Tiere bereits in höhere Gebiete mit niedrigeren Wintertemperaturen ausweichen müssen“, so Peter Sackl, Zoologe am Universalmuseum Joanneum, und weiter: „Die vielfältigen Bedrohungen, mit denen die Mopsfledermaus in unserer Kulturlandschaft und zusätzlich durch den Klimawandel konfrontiert ist, zeigen einmal mehr, vor welchen komplexen Herausforderungen ein fachlich fundierter Artenschutz oft steht.“


Foto: Harald Polt

Waldnutzung durch Menschen stört die Fledermaus

In den meisten europäischen Ländern, darunter Österreich, gilt die Mopsfledermaus als selten und gefährdet. Der massive Verlust von altholzreichen Laubwäldern und die intensive forstwirtschaftliche Nutzung von Waldgebieten, oft einhergehend mit der Entfernung von Totholz, sind wichtige Faktoren beim Rückgang dieser Art, deren Fortpflanzungsquartiere hauptsächlich in Baumhöhlen und -spalten liegen. Die Verwendung von Kunstdüngern und Schädlingsbekämpfungsmitteln reduziert die Zahl und Vielfalt der als Nahrung notwendigen Insekten und kann zur Vergiftung von Fledermäusen über ihre Beutetiere führen. Aus all diesen Gründen ist die Mopsfledermaus auf EU-Ebene und in den meisten europäischen Staaten streng geschützt.

 

Jasja Dekker, Vorsitzender von BatLife Europe: „Die Art ist in Europa selten und, als eine für alte und vielfältige Wälder typische Fledermausart ist ihr Vorkommen ein guter Indikator für die Gesundheit des Waldökosystems. Diese Art ist in ganz Europa mit ähnlichen Gefährdungen konfrontiert, was zu ihrem Schutz eine enge Zusammenarbeit und Kommunikation auf kontinentaler Ebene notwendig macht. Mit der Wahl der Mopsfledermaus zur ,Fledermausart des Jahres 2020–2021‘ wollen wir Artenschutzprobleme, aber auch etablierte vorbildliche Verfahren für den Schutz dieser Art überall in Europa aufzeigen.“

 

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Bildmaterial sowie die Studie von Peter Sackl zum Vorkommen der Mopsfledermaus in der Steiermark finden Sie unter: Naturkunde


Weiterführende Informationen finden Sie unter:

www.batlife-europe.info

www.batlife.at

www.naturkunde.at

 

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Wir freuen uns über Ihre Berichterstattung und stehen für Rückfragen gerne zur Verfügung.

 

Herzliche Grüße

 

Anna Fras
+43/664/8017-9211, anna.fras@museum-joanneum.at

Julia Aichholzer
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