Universalmuseum Joanneum GmbH

Die „immer schöne“ Steiermark aus der Sammlung Kubinzky im Museum für Geschichte

 

Die Steiermark ist Immer schön! Diesen Eindruck gewinnt man, wenn man die zahlreichen idyllischen Ansichtskarten aus der Sammlung Kubinzky betrachtet. In der Ausstellung Immer schön! Die Steiermark in der Sammlung Kubinzky im Museum für Geschichte werden ab 24. Oktober anhand von etwa 2.200 historischen Ansichtskarten die Kultur- und Naturlandschaften des Landes präsentiert. Davon ausgehend analysiert die Schau transportierte Selbst- und Wunschbilder, idealtypische Konstruktionen von Stadt und Land, den Charme des Seriellen, die Bedeutung von Farbe sowie die Schaffung bestimmter Atmosphären. Eröffnet wird die Schau im Rahmen eines Open House bei freiem Eintritt am Samstag, dem 24. Oktober, in Anwesenheit der Kuratorin Bettina Habsburg-Lothringen und des Sammlers Karl A. Kubinzky.


v. l. n. r.: wissenschaftlicher Direktor des UMJ Wolfgang Muchitsch, Kuratorin und Leiterin des Museums für Geschichte Bettina Habsburg-Lothringen, kaufmännische Direktorin des UMJ Alexia Getzinger und Sammler Karl A. Kubinzky, Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner

Die Postkarte als Massenmedium des frühen 20. Jahrhunderts

Sanfte Hügel, Wälder und Wiesen in Grüntönen verbinden sich mit dem Gipfel des Dachsteins, der sich im klaren Wasser des Altausseer Sees spiegelt. In Rosa bis Orange streifen die ersten Sonnenstrahlen die Landschaft. Die Postkarte Alt-Aussee mit dem Dachstein aus dem Jahr 1906 ist ein repräsentatives Beispiel für die tausendfachen, farbenfroh-gefälligen Ansichtskarten der steirischen Natur- und Kulturlandschaft im frühen 20. Jahrhundert. Dieses Sujet wird zusammen mit 2.200 anderen fotochromen Postkarten aus der Sammlung Kubinzky in der aktuellen Schau Immer schön! in alphabetischen Reihenfolge von A bis Z gezeigt. „Die Ausstellungsgestaltung ist ein Spiel mit der Masse – mit Wänden voller vergrößerter Drucke und Dioramen, die die Karten ins Dreidimensionale bringen, wollen wir auch die Fülle der Sammlung anschaulich machen“, erläutert die Kuratorin und Leiterin des Museums für Geschichte Bettina Habsburg-Lothringen.

 

Von der Jahrhundertwende bis in die 1930er-Jahre wird die illustrierte Postkarte zum Massenmedium und auch in unseren Breiten in großen Auflagen industriell produziert, erworben und versandt. Dementsprechend groß fällt auch der Kubinzky’sche Kartenbestand aus: Weit über 12.500 Karten hat der Grazer Stadthistoriker im Laufe der Jahrzehnte gesammelt. „So viele Karten könnte man mit keinem Geld der Welt in kurzer Zeit anschaffen“, sagt Kubinzky. Diese Fülle wird auch in der Ausstellung deutlich. Neben 3-D-Modellen sind Tausende Karten steirischer Ortschaften ausgestellt, von Admont bis Zeltweg.


Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner

Von Bergen und Seen, Städten und Architektur

Die Motive der in der Ausstellung gezeigten Ansichtskarten sind so vielfältig wie die Steiermark selbst. Ein Fokus liegt auf den Naturräumen der grünen Mark mit ihren Hochgebirgen und Gletscherspalten, Almen und Tälern, Wäldern und Hügellandschaften, Seen und Flüssen. Aber nicht nur Landschaften zieren die Karten: Postkarten sind im frühen 20. Jahrhundert das Medium, um die altehrwürdigen architektonischen Denkmale des Landes zu dokumentieren und der neuen, modernen Baukultur eine Bühne zu geben. Mit der Industrialisierung und Infrastrukturentwicklung des 19. Jahrhunderts entwickeln sich schließlich Fabriken und Industrieanlagen zum wichtigen Motiv der Postkarten und setzen vor allem die aufstrebende Eisen- und Stahlindustrie der Obersteiermark vorteilhaft in Szene. So wird die Geschichte und Veränderung des Landes ein Stück weit dokumentiert. „Denn Geschichte“, sagt Karl A. Kubinzky, „besteht eben nicht nur aus Urkunden, sondern auch aus Zuckerlansichten.“


Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner

Fotochromes Druckverfahren: Farbkarten aus Schwarz-Weiß-Fotos

Die Sammlung zeigt unzählige Motive in zig Variationen. Die wiederkehrenden Elemente machen deutlich, was sehenswert und besonders war und ist. „Ausgespart bleibt weniger Schönes wie die Unbarmherzigkeit der Natur und die negativen Folgen der Industrialisierung. Die Motive sind harmonisch und idyllisch, nichts irritiert. Was nicht passend war, wurde passend gemacht“, so Bettina Habsburg-Lothringen. Das war durch das fotochrome Herstellungsverfahren auch tatsächlich möglich, denn die Schwarz-Weiß-Fotografien wurden künstlerisch koloriert und das Motiv finalisiert.  In mehreren Druckgängen mit unterschiedlichen Farben wurden die Karten dann in großen Mengen produziert.

 

Nicht nur die Menschen des beginnenden 20. Jahrhunderts waren von den Karten fasziniert. Bis heute ist ihre Anziehungskraft ungebrochen, zappt man begierig von einer Ansicht zur nächsten, lässt sich vereinnahmen und aus freien Stücken manipulieren. Die Ansichtskarten stoßen ein Fenster in eine so nie gewesene, „immer schöne“ Welt von gestern auf, die man – wie es Karl A. Kubinzky formuliert – „nach einigen Stunden etwas beglückter wieder verlassen kann“.

 

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Immer schön! Die Steiermark in der Sammlung Kubinzky

Museum für Geschichte, Sackstraße 16, 8010 Graz

Open House: 24. Oktober 2020, 10–17 Uhr, freier Eintritt

Laufzeit: 24.10.2020–31.01.2021

www.museumfürgeschichte.at

 

Den ausführlichen Pressetext sowie Bildmaterial finden Sie unter: Immer schön!

 

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Mit herzlichen Grüßen

Anna Fras
+43/664/8017-9211, anna.fras@museum-joanneum.at

Julia Aichholzer
+43/664/8017-9213, julia.aichholzer@museum-joanneum.at

Alexandra Reischl
+43/699/1780-9002, alexandra.reischl@museum-joanneum.at