Universalmuseum Joanneum GmbH

Die Auftaktveranstaltung zur virtuellen Erfassung der archäologischen Landschaften im Donauraum fand coronabedingt sowohl vor Ort in Graz als auch im Netz statt

 

Ursprünglich als internationales Treffen in Graz konzipiert, jedoch aufgrund der Corona-Maßnahmen als Hybridveranstaltung durchgeführt, lud das Universalmuseum Joanneum am 1. Oktober 2020 alle 23 Projektpartner aus zehn Ländern in den virtuellen Raum ein. Als Gastgeber war das Universalmuseum Joanneum die Drehscheibe für den Archaeology-Contest, bei dem sich die Partner aus dem gesamten Donauraum via Kurzvideos, Musikbeiträgen und Grußworten einzeln zuschalteten. Damit erfolgte für das EU-Projekt Danube’s Archaeological eLandscapes (Virtuelle archäologische Landschaften des Donauraums) der offizielle Start.


Foto: Universalmuseum Joanneum/Stefan Emsenhuber

Während der erste Teil als Online-Stream dem gegenseitigen Kennenlernen gewidmet war, gestalteten die Partnerländer den zweiten Teil ihres Programmes, abhängig von den jeweiligen Covid-19-Auflagen, vor Ort selbst. Um eine Vorstellung zu geben, wohin die virtuelle archäologische Reise gehen kann, lud das Universalmuseum Joanneum im lokalen Teil der Auftaktveranstaltung zu Vorträgen von zwei namhaften Wissenschaftlern ein. UMJ-Direktor Wolfgang Muchitsch begrüßte die Gäste sowohl im Auditorium in Graz als auch an den Screens im virtuellen Raum. In seiner Rede betonte er, dass das Projekt Danube’s Archaeological eLandscapes durch das Zusammenwirken der Partner von Süddeutschland bis Bulgarien unter der Leitung des Joanneums in den nächsten Jahren neue Akzente im Bereich der Erforschung, Digitalisierung und Erschließung des archäologischen Erbes in Europa setzen und der Einsatz von Virtual-Reality und Augmented-Reality dabei eine große Rolle spielen wird. Marko Mele, Projektleiter und Chefkurator der Ur- und Frühgeschichtlichen Sammlung des Universalmuseums Joanneum, der als Moderator durch den Abend führte, merkte an: „Das Projekt Danube´s Archaeological eLandscapes ermöglicht es uns, eine bleibende Spur in der Wahrnehmung des archäologischen Erbes im ganzen Donauraum zu hinterlassen.“ Nach einer Projektvorstellung durch die wissenschaftliche Projektmitarbeiterin Sarah Kiszter schalteten sich der Reihe nach die Partnerländer zu. Die Hauptakteure des Projekts sind international bekannte Museen, Denkmalschutzinstitutionen und Universitäten von Süddeutschland bis Bulgarien, die sich auf verschiedene Weise präsentierten.


Leif Scheuermann(Projektpartner Universität Graz), Wolfgang Neubauer (Ludwig-Boltzmann Institut und Gastvortragender), Eva Steigberger (Projektpartner Bundesdenkmalamt Österreich), Marko Mele (Projektleiter), Hans Reschreiter (Naturhistorisches Museum Wien und Gastvortragender), Karl Peitler (Abteilungsleiter Archäologie und Münzkabinett) (hinten, v. l.); 
Sarah Kiszter (Wissenschaftliche Mitarbeiterin Universalmuseum Joanneum), Michael Doneus (Projektpartner Universität Wien), Martin Fera (Wissenschaftlicher Mitarbeiter Universität Wien) 
 (vorne, v. l.), Foto: Universalmuseum Joanneum/Stefan Emsenhuber

Während eine Musikerin im Slowenischen Nationalmuseum auf einer Replik einer 70.000 Jahre alten Knochenflöte neuzeitliche Kompositionen spielte, zeigte das Landesamt für Denkmalpflege Stuttgart einen Kurzfilm über Denkmalschutz in Baden-Württemberg und eine Darbietung auf einer mittelalterlichen Drehleier. Das Rousse Regional Museum of History in Bulgarien demonstrierte mit einer Jazz-Session auf der mittelalterlichen Burg Cherven, dass historische Stätten von der Bevölkerung gern genutzt werden, und im Nationalmuseum von Ungarn begrüßte der Museumsdirektor die Anwesenden im virtuellen Raum mit einer feierlichen Ansprache. Das Archäologiemuseum Zagreb zeigte unter anderem ein Video zu seiner umfangreichen Sammlung und im Anschluss berührende Live-Mitschnitte des Erdbebens vom März 2020, als zahlreiche wertvolle Fundstücke im Museum zu Bruch gingen.

 

Die wechselvolle Geschichte der historischen Region Banat präsentierte das Video des Stadtmuseums Vršac in Serbien, und das Nationalmuseum zur Geschichte Rumäniens zeigte seine archäologische Sammlung in einem Kurzfilm und betonte anschließend die wertvolle internationale Kooperation, die Sichtbarkeit und Attraktivität bringen wird. In Prag stellen die Archäolog*innen des Tschechischen Nationalmuseums ihr starkes Team als "Mission Impossible" vor und die Technische Universität von Košice gab eine Aufnahme der Hymne der Eishockeyweltmeisterschaft in der Slowakei zum Besten.

 

Die österreichischen Partner, das Universalmuseum Joanneum,die Universität Wien mit dem Institut für Urgeschichte und Historische Archäologie, das Bundesdenkmalamt Österreich und die Universität Graz, Austrian Centre for Digital Humanities, wurden vom Leiter der Abteilung Archäologie & Münzkabinett, Karl Peitler, vorgestellt. Er betonte, dass er mit Freude einer Zusammenarbeit mit großartigen Partnern entgegensehe und sich für das Archäologiemuseum des Universalmuseums Joanneum der Auftrag zur Internationalität aus der Heterogenität und Vielfalt seiner archäologischen Sammlungen und der Geschichte der Steiermark ableitet.


Foto: Universalmuseum Joanneum/Stefan Emsenhuber

Eines haben alle 23 Partner gemeinsam: das Ziel, in 30 Monaten das archäologische Erbe und insbesondere die archäologischen Landschaften des Donauraums mit modernsten Technologien regional, national und international sichtbarer und damit attraktiver zu machen. Das Projekt, welches vom Interreg Danube Transnational Programme der EU kofinanziert wird, setzt neue Impulse in der Digitalisierung des archäologischen Erbes in Europa. 

 

Das wird durch die Einbeziehung von Virtual-Reality (VR)- und Augmented-Reality (AR)-Technologien geschehen und Besucher*innen der Museen das reiche archäologische Erbe nicht nur in den Ausstellungen, sondern auch im Zusammenhang mit den Landschaften plastisch näherbringen. Dabei sollen sie nicht nur im eigenen Land bleiben, sondern auch über die modernen Staatsgrenzen blicken und eine längst vergangene Donauregion kennenlernen.

Nach Abschluss des Archaeology-Contests widmete man sich in Graz den beiden wissenschaftlichen Vorträgen von Wolfgang Neubauer und Hans Reschreiter.

 

Wolfgang Neubauer ist Archäologie, Informatiker und Mathematiker. Er ist korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften, ao. Professor an der Universität Wien und Direktor des Ludwig Boltzmann Instituts für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie.

Er widmet sich der Entwicklung modernster zerstörungsfreier digitaler Technologien zur Erkundung und Dokumentation archäologischer Landschaften wie Stonehenge, Carnuntum oder Birka. Bekannt durch Entdeckungen wie der Gladiatorenschule in Carnuntum und neuer Monumente rund um Stonehenge und in Skandinavien wurde er 2015 zum österreichischen Wissenschafter des Jahres gewählt.

Er demonstrierte in seinem Referat anhand von aufwendigen 3-D-Simulationen und Visualisierungssystemen die virtuelle Rekonstruktion von Carnuntum und anderer archäologischer Stätten.

 

Hans Reschreiter ist Archäologe und arbeitet in der Prähistorischen Abteilung des Naturhistorischen Museums Wien. Er leitet die archäologischen Ausgrabungen im Salzbergwerk von Hallstatt. Seine Forschungsschwerpunkte sind prähistorische Salzproduktion, prähistorisches Handwerk, experimentelle Archäologie und Ethnoarchäologie. Gemeinsam mit Ilija Slamar, der eine VR-Brille trug, führte er durch die unterirdischen Salzminen von Hallstatt, und zeigte virtuell die riesigen einstigen Abbauhallen; das Areal erkundete man entweder als prähistorischer Bergmann oder als Archäologin*.

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EU-Projekt Danube’s Archaeological eLandscapes

 

Bildmaterial zum Download finden Sie unter: Archäologiemuseum

 

Dauer: 01.07.2020–31.12.2022

 

 

Finanzierung: Gesamtbudget des Projekts: 2.517.612,44 EUR (2.118.635,56 EUR

an EFRE- und 21.335,00 EUR an IPA-Mitteln); Budget des Universalmuseums

Joanneum: 378.125,00 EUR (EFRE: 321.406,25 EUR; Eigenmittel: 56.718,75 EUR)

 

Projektpartner:

Universalmuseum Joanneum (ÖSTERREICH)

Universität Wien (ÖSTERREICH)

Narodni muzej Slovenije (SLOWENIEN)

Zavod za varstvo kulturne dediščine Slovenije (SLOWENIEN)

Magyar Nemzeti Múzeum (UNGARN)

Muzeul Național de Istorie a României (RUMÄNIEN)

Národní museum (Tschechische Republik)

Arheološki muzej u Zagrebu (KROATIEN)

Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart (DEUTSCHLAND)

Gradski Muzej Vršac (SERBIEN)

Регионален исторически музей – Русе / Rousse Regional Museum of History

(BULGARIEN)

Technická univerzita v Košicach (SLOWAKEI)

 

Assoziierte Partner:

Bundesdenkmalamt Österreich (ÖSTERREICH)

Institut za antropologijo (KROATIEN)    

Opčina Donja Voća (KROATIEN)

Centar za prapovijesna istraživanja (KROATIEN)

Javni zavod za upravljanje dediščine in turizem Pivka, Park vojaške zgodovine Pivka (SLOWENIEN)

Nemesvámos Község Önkormányzata (UNGARN)

Vértesszőlős Község Önkormányzata (UNGARN)

Veszprém-Balaton 2023 Zrt. (UNGARN)

Zavod za proučavanje kulturnog razvitka (SERBIEN)

Universität Graz, Zentrum für Informationsmodellierung (ÖSTERREICH)

Košický samosprávny kraj (SLOWAKEI)

 

Kontakt für wissenschaftliche Rückfragen:

Marko Mele

Tel.: +43/664/8017-9576

E-Mail: marko.mele@museum-joanneum.at

 

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