Universalmuseum Joanneum GmbH

CSI Leben: der österreichischen Artenvielfalt auf der Spur

 

Die Abteilung Naturkunde am Universalmuseum Joanneum ist an einem spannenden Projekt beteiligt: Im Rahmen von „ABOL – The Austrian Barcode of Life“ soll die DNA sämtlicher heimischer Organismen analysiert und in einer Datenbank gespeichert werden. Das kann künftig auch die Bestimmung eingewanderter Arten erleichtern.


Leiter der Abteilung Naturkunde am Universalmuseum Joanneum, Foto: Universalmuseum Joanneum/J. J. Kucek

Immer wieder wird Wolfgang Paill, Leiter der Abteilung Naturkunde am Universalmuseum Joanneum, als Experte hinzugezogen, wenn es darum geht, mögliche Neozoen –  also eingewanderte Tierarten – zu bestimmen. Und das ist gar nicht einfach: „Es gibt bei uns mehr als 45.000 verschiedene Tierarten, auch ich muss oft weitere Expert*innen hinzuziehen, um eine genaue Bestimmung zu machen“, erklärt Paill. Doch in Zukunft könnte die exakte Zuordnung erheblich einfacher werden. Unter Federführung des Naturhistorischen Museums Wien arbeitet derzeit ein österreichisches Netzwerk am Projekt „ABOL – The Austrian Barcode of Life“. Langfristiges Ziel ist es, Barcodes aller heimischer Organismen zu sammeln, zu kategorisieren und in einer Datenbank zu speichern, um so eine Übersicht über sämtliche Arten zu erhalten. Anhand der entsprechenden DNA könnten so auch gebietsfremde Lebewesen eindeutig klassifiziert werden.

 

Doch warum ist es so wichtig zu wissen, mit welchem Tier man es zu tun hat? „In letzter Zeit kommt es – aufgrund des Klimawandels und der damit verbundenen wärmeren Witterung – bei uns zum Beispiel zu einer vermehrten Ausbreitung der Bernstein-Waldschabe. In schwülen Nächten kommen die Insekten, angezogen durch das Licht, ins Haus“, weiß Paill. Das Problem: Die einst nur in Südeuropa heimische Schabe sieht der Deutschen Schabe zum Verwechseln ähnlich. Immer wieder kontaktierte das Gesundheitsamt der Stadt Graz in den letzten Jahren die Abteilung Naturkunde zwecks eindeutiger Bestimmung: Denn während die neu eingewanderte Bernstein-Waldschabe im menschlichen Haushalt völlig harmlos ist und nicht überleben kann, da sie sich nur von sich zersetzendem Pflanzenmaterial ernährt, stellt die Küchenschabe eine echte Gesundheitsgefahr dar. „In diesem Fall ist der Neubürger harmlos, während die bei uns schon länger heimische Küchenschabe als Überträgerin von Krankheiten gilt – vor allem in Krankenhäusern stellen diese Tiere ein echtes Problem dar“, weiß Paill.


stammt ursprünglich aus Asien und hat sich mittlerweile weltweit ausgebreitet. Die Larven sind so gefräßig, dass sie Palmen zum Absterben bringen. Foto: Universalmuseum Joanneum/Wolfgang Paill

Eingewandert oder eingeschleppt?

 

Während einige Arten, wie die Bernstein-Waldschabe, bedingt durch den Klimawandel selbstständig einwandern und in unseren Breiten heimisch werden, werden andere Tiere eingeschleppt. So zum Beispiel die Buschmücke, eine gefürchtete Überträgerin zahlreicher tropischer Krankheiten; sie nutzt besonders gern Reifentransporte als „Mitreisegelegenheit“. Wenn es in Südostasien, woher dieses Insekt ursprünglich stammt, regnet, bilden sich dort in den Hohlräumen der Reifen Wasserlachen, in denen die Mücken ihre Eier ablegen. Völlig ungestört und ohne Fressfeinde gelangen diese unbeschadet in unsere Breiten, wo sie sich rasant ausbreiten und diverse Krankheiten übertragen. Das Studien- und Sammlungszentrum des Universalmuseums Joanneum nimmt an einem Monitoring der Veterinärmedizinischen Universität Wien teil, bei dem Fallen aufhängt werden, um die Verbreitung dieser unerwünschten Einwanderer zu überprüfen. „Jede Woche zählen wir Hunderte Eier“, so Paill.

 

In den meisten Fällen kann der Zoologe jedoch Entwarnung geben: „Zwar treten manche Arten in großer Zahl auf und wirken dadurch bedrohlich. Meist handelt es sich jedoch nicht um gefährliche Schädlinge, sondern nur um harmlose Lästlinge, die man mit einfachen Mitteln vertreiben kann.“ Dennoch stellen die „zugereisten“ Organismen eine Gefahr für die heimische Biodiversität dar, auch wenn sie oft in bester Absicht „importiert“ wurden. So scheint der Asiatische Marienkäfer, der ursprünglich zur Bekämpfung von Blattläusen in Glashäusern und auch im Freiland eingesetzt wurde, heimische Marienkäfer-Arten immer mehr zu verdrängen.

 

Aufgrund der vielen, teils sehr alten Präparate in den naturkundlichen Sammlungen des Joanneums haben Paill und sein Team nun ein neues Teilprojekt im Rahmen von ABOL eingereicht. Dabei soll auch die DNA bereits regional ausgestorbener Arten dechiffriert werden, um zu bestimmen, ob es in früheren Jahrhunderten eine höhere Diversität im Genpool gab und welche Auswirkungen das hatte.

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Bildmaterial zum Download finden Sie unter: Naturkundemuseum

 

ABOL – The Austrian Barcode of Life

www.abol.ac.at

 

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