Universalmuseum Joanneum GmbH

Neue Ausstellung erzählt vom Leben an der südsteirischen Grenze bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs

 

Am 13. September wurde im Grazer Museum für Geschichte der zweite Teil der Ausstellungsreihe 100 Jahre Grenze eröffnet. Die Schau zeichnet die dramatische Entwicklung der steirischen Südgrenze in den bewegten Jahren zwischen 1919 und 1945 anhand zahlreicher Bild- und Tondokumente nach. „Es war uns wichtig, die Vielfalt der Bedeutungen und Verschiebungen der Grenze sowie die dramatischen Auswirkungen auf die Bevölkerung der Region darzustellen“, betont Kurator Helmut Konrad.

Wissenschaftliche Mitarbeiterin Petra Greeff und Kurator Helmut Konrad,

Wissenschaftliche Mitarbeiterin Petra Greeff und Kurator Helmut Konrad, Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek

Basierend auf dem Bestand der Multimedialen Sammlungen des Joanneums konnte die Ausstellung durch Unterstützung zahlreicher privater Sammlerinnen und Sammler sowie regionaler Institutionen zusammengestellt werden, wie die wissenschaftliche Mitarbeiterin Petra Greeff erzählt. Private Fotografien und historische Filmaufnahmen sowie Zeitzeugenberichte vermitteln Geschichte nah am Alltag der Menschen nördlich und südlich der Grenze, ohne das politisch Verstörende oder wirtschaftliche und soziale Konflikte auszusparen.

Ausstellungsansicht, "100 Jahre Grenze II"

Ausstellungsansicht, Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek

Die Grenzziehung nach dem Ersten Weltkrieg durch den Friedensvertrag von Saint Germain war für die Bewohner/innen der Grenzregion großteils schmerzhaft, doch in den Folgejahren stellte sich eine gewisse Normalität ein: Die Mur wurde für Freizeitaktivitäten und Wassersport genutzt, Passierscheine erlaubten den kleinen Grenzverkehr, der vor allem für die Landwirtschaft und die Weinernte wichtig war. Gut 20 Jahre lang war die Südgrenze der Steiermark für viele eine schmerzende Wunde – vor allem für jene, die die Untersteiermark meist unfreiwillig verlassen mussten – aber die Bevölkerung der Grenzregion akzeptierte die neue politische Realität und lernte, mit ihr zu leben. Als 1941 von Graz aus der Überfall des Deutschen Reiches auf Jugoslawien begann, war eine radikale und grausame Germanisierung die Folge: Slowenische Aufschriften mussten verschwinden, Amts- und Unterrichtssprache wurde ausschließlich Deutsch, etwa 80.000 Menschen wurden nach Süden deportiert, Widerstandskämpfer verfolgt und getötet.

 

Nach Kriegsende wurde die steirische Grenze als Teil der Besatzungszone durch die Alliierten wieder an den Verlauf von 1919 angeglichen. Im neuen Jugoslawien südlich der Mur kam es zu einer brutalen Verfolgung der deutschsprachigen Bevölkerung: Wer nicht nach Norden fliehen konnte, musste mit der Internierung in Konzentrationslagern rechnen. Im Lager Sterntal/Strnišče wurden ca. 10.000 Menschen festgehalten, etwa 5000 Personen kamen dort ums Leben. Die südliche Grenze der Steiermark wurde nun Teil des „Eisernen Vorhangs“, der Europa von der Ostsee bis zur Adria auf Jahrzehnte spalten sollte.

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100 Jahre Grenze II: 1919–1945. Leben an der Grenze

Museum für Geschichte, Sackstraße 16, 8010 Graz

14.09.2018–20.01.2019

www.museumfürgeschichte.at

 

Weitere Informationen sowie Bildmaterial zum Download finden Sie unter: 100 Jahre Grenze II