Universalmuseum Joanneum GmbH

„100 Jahre Grenze III: 1946–2018“ beleuchtet Kapitel regionaler Geschichte

 

Gestern Abend wurde die Ausstellung 100 Jahre Grenze III: 1946–2018 im Museum für Geschichte eröffnet. Unter dem Titel Leben mit der Grenze gibt die Schau Einblick in die jüngeren Entwicklungen der Geschichte der Grenze im Süden der Steiermark. Der dritte und letzte Teil der Ausstellungsreihe 100 Jahre Grenze fokussiert auf die ersten Jahre am Eisernen Vorhang, die „Gastarbeiterroute“, die gefühlte Auflösung der Grenzen nach dem EU-Beitritt Sloweniens sowie die Fluchtbewegungen der Jahre 2015 und 2016.

Gruppenfoto,

Gruppenfoto, Helmut Konrad (Kurator), Alexia Getzinger (kaufmännische Direktorin), Wolfgang Muchitsch (wissenschaftlicher Direktor) und Petra Greeff (wissenschaftliche Mitarbeiterin), Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek

Nach den vorhergehenden Ausstellungen, die vom Zeitraum zwischen 1900 und dem Ende des Zweiten Weltkrieges erzählten, wird im letzten Kapitel die Entwicklung der Grenzlinie von 1946 bis heute nachgezeichnet. Über 160 Fotografien sowie Ton- und Videodokumente machen die sich im Laufe der Jahre verändernde Bedeutung der Grenzlinie für die Bevölkerung in der Steiermark und in Slowenien nachvollziehbar. „Ziel dieser Ausstellungsreihe war es, ein Kapitel regionaler Geschichte kompakt aufzuarbeiten“, erklärt Ausstellungskurator Helmut Konrad. „Grenzen sind fluid. Vor hundert Jahren sahen sie anders aus als 1945 und heute haben sie wieder eine andere Bedeutung“, so sein Resümee. Dass die Schau nicht ohne die Unterstützung zahlreicher privater Fotografinnen/Fotografen sowie Museen und Sammlungen aus der Region zustande kommen hätte können, betont die wissenschaftliche Mitarbeiterin Petra Greeff.

Eröffnung, „100 Jahre Grenze III",

Eröffnung, Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner

Die Grenze im Wandel der Zeit

Die Fotoschau macht die Durchlässigkeiten und Undurchlässigkeiten der vermeintlichen Trennlinie zum Thema. So blieb der „Eiserne Vorhang“ im Süden der Steiermark durchlässiger als andere Abschnitte der durch Europa laufenden Grenze. In den 1960er-Jahren begann die österreichische Anwerbung von „Gastarbeitern“, zeitgleich wurde die kroatische Adriaküste ein beliebtes Urlaubsziel für Österreicher/innen – der Grenzübergang Spielfeld wurde zum Nadelöhr, kilometerlange Staus waren keine Seltenheit. Nach dem Zerfall Jugoslawiens 1991 wurde die Grenzregion erneut für einige Tage zum Kriegsschauplatz: Ein jugoslawisches Kampfflugzeug kam sogar bis nach Graz. Das österreichische Bundesheer zeigte sich bereit, die Grenze zu schützen, die Grenzübergänge in Radkersburg und Spielfeld waren auf slowenischer Seite zentrale Kampfschauplätze.

Eröffnung, „100 Jahre Grenze III",

Eröffnung, Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner

Wenige Monate später, nach Abzug der jugoslawischen Truppen, entstand südlich der Grenze mit der Republik Slowenien ein neuer Nachbar, der durch den EU-Beitritt im Jahr 2004 auch die Kontrolle der Grenzen zum historischen Relikt werden ließ. 2015 stand die Grenze jedoch erneut im Fokus der Öffentlichkeit: Der Krieg in Syrien trieb Millionen von Menschen in die Flucht, viele von ihnen machten sich auf den Weg nach Europa. Am 21. Oktober durchbrachen gut 1000 Menschen die Grenze in Spielfeld und versuchten nach Deutschland zu gelangen. Diese Ereignisse veränderten das politische Klima in Österreich, Rufe nach einer „sicheren Grenze“ kamen wieder auf.

 

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100 Jahre Grenze III: 1946–2018. Leben mit der Grenze

Museum für Geschichte, Sackstraße 16, 8010 Graz

01.02.–19.05.2019

www.museumfürgeschichte.at

 

Weitere Informationen sowie Bildmaterial zum Download finden Sie unter: 100 Jahre Grenze III

 

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