Informel

Die Herkunft der Aktion aus der Malerei

Im Frühling 1960 reist Günter Brus gemeinsam mit Alfons Schilling nach Mallorca. Dort lernen sie die amerikanische Künstlerin Joan Merritt kennen, die mit ihren abstrakt expressionistischen Bildern einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Brus zeichnet nun direkt am Boden auf dünnen Blättern, wobei er zahlreiche Bleistiftschraffuren übereinander kreuzt und währenddessen das Blatt auch dreht – so entstehen gitterartige Strukturen ohne Anschein eines Raumes. Mehrere Stellen am Papier sind eingerissen, da Brus seine Striche mit großem Kraftaufwand aufgetragen hat.

 

 

Durch den Besuch der XXX. Biennale in Venedig und der Publikation der documenta II (1959) setzt sich Günter Brus mit den Arbeiten des internationalen Informel auseinander. Es entstehen Arbeiten auf ungrundiertem Packpapier mit überwiegend schwarzer Kunstharzfarbe und der Intention auf die Erzeugung einer Tiefenillusion bewusst zu verzichten.

 

 

 

„[…] Eine räumliche Unfassbarkeit – zumindest von der Tradition nicht fassbar, das verlange ich von meinen Bildern. Die vollkommenste Abkehr vom Zentralpunkt im Bild. […]
[…] Meine Bilder sind verdrängtes Schreien und Pfauchen – ich versuche den physisch fühlbaren Prozess in einen psychisch sichtbaren umzusetzen.“

 

Günter Brus, 1960

 

 

 

„Ich hatte endlich jemanden getroffen, von dem ich etwas lernen konnte, Brus malte einen psychomotorischen Expressionismus, ein wildes Gewirr von hingeschleuderten Linien. Die Farbe war beim Aufschlag aufs Bild manchmal wie eine Bombe explodiert. Das war totaler schöpferischer Exzess. Ich verstand sofort und war begeistert. Die Bilder waren oft fünf Meter lang und drei Meter hoch. Das gesamte Zimmer war mit Farbspritzern bedeckt, auf dem Boden lag der eingetrocknete Farbschlamm zentimeterhoch. Wegwaschen hatte hier keinen Sinn mehr. Es lagen verkrustete, abgenutzte, stumpfe Pinsel, mit denen er ins Bild kratzte, herum. Günter Brus war tatsächlich ein Genie, das einzige Genie dem ich je begegnet bin. […] Er pendelte zwischen äußerster schöpferischer Energie und Depressionen.“

 

Otto Muehl, Weg aus dem Sumpf, Nürnberg, 1977

 

 

 

Günter Brus, Weiblicher Akt (Informel), 1962
Tusche auf Papier, 62,5 x 45,3 cm
Inv.-Nr. II/39214
Erwerbung 2007, Geschenk Galerie Philipp Konzett, Wien

Neue Galerie Graz

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T +43-316/8017-9100
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