Neues aus der Gattung der Primeln (Primula)

In einer umfangreichen Studie haben L.-B. Zhang und W. Kadereit in der Gattung Primula die Sektion Auricula intensiv untersucht. Sie stellten Herbarstudien, Feldbeobachtungen und DNA-Analysen an, um letztendlich zu einer monographischen Bearbeitung dieser Gruppe, inklusive Morphologie, Karyologie, Phänologie, Verbreitung und Ökologie zu gelangen. Auch die Verwandschaftsverhältnisse dieser Sippen werden diskutiert.

 

Primula sect. Auricula

 

Derzeit kennt man weltweit rund 500 Arten von Primeln, die in 37 Sektionen gegliedert werden. In der österreichischen Flora ist die Sektion Auricula mit den meisten Arten vertreten. Diese Sektion ist gekennzeichnet durch eine glatte Blattoberfläche und durch die involute Knospenlage der Blätter (d. h. die Blattränder sind nach oben gedreht). Die Blütenstiele sind länger als die Tragblätter und die Kelchzähne sind obtus (d. h. die Kelchspitze schließt einen stumpfen Winkel ein).

 

Untersektion von Primula sect. Auricula

 

Die Sektion Auricula wird noch in zwei Untersektionen gegliedert. Im Folgenden werden diese mit ihren charakteristischen Merkmalen dargestellt.

Subsektion EuauriculaSubsektion Cynopsis
Pflanzen mehlig oder nicht mehligPflanzen nicht mehlig
Tragblätter schuppenförmig, 1-3 mm langTragblätter folios, 4-14 mm lang
Kelch 2-6 mm langKelch 8-20 mm lang
Samenoberfläche papillösSamenoberfläche glatt

 

Bei den auch in Österreich heimischen Arten sind hier (abgekürzt) die Bundesländer angegeben, in denen sie vorkommen:

Subsektion EuauriculaSubsektion Cynopsis
P. "auricula" fehlt in B, WP. clusiana N, O, S, St
P. daonensis TP. glutinosa St, K, S, T, V
P. hirsuta V, T, S?P. integrifolia T, V
P. villosa St, K, SP. minima fehlt in B, W, V
P. wulfeniana K

 

Petergstamm: Primula auricula und Primula balbisii

 

Die DNA-Analysen haben gezeigt, dass der Petergstamm (Primula auricula) aus zwei Sippen besteht, die als selbstständige Arten anzusehen sind. Von der P auricula wird nun die P. balbisii wie folgt unterschieden:

P. auriculaP. balbisii
Blätter(fast) nicht bemehlt, trocken graugrün, dick, glänzendmeist bemehlt, trocken grün, dünn, nicht glänzend
Spreitenformschmal obovat bis lanzettlichbreit obovat
Blattrandganz oder gekerbtoft gezähnt
Haare an Blattrand und -oberflächeschütter mit kurzen (<0,2 mm) Drüsenhaarendicht mit langen (0,3-0,4 mm) Drüsenhaaren
Blütenfarbehellgelbdunkelgelb
Verbreitungnördliche und westliche Alpen, Jura, Tatra-Gebirgesüdliche und östliche Alpen, Apennin, Balkan, SW-Karpaten, Ungarn

 

In der Steiermark ist also nur P. balbisii anzutreffen, der Name P. auricula verschwindet damit aus der heimischen Flora!
In dieser Artauffassung von P. balbisii sind die Sippen P. hungarica und P. auriculaf. serratifolia inkludiert. Allerdings muss darauf hingewiesen werden, dass die Sippenabgrenzung nicht ident ist mit der von P. auricula subsp.balbisii bzw. subsp. ciliata!

Unterarten von Primula Auricula

 

Von der Primula auricula werden schließlich noch drei Unterarten unterschieden, die gut geographisch definiert sind: die subsp. widmerae kommt nur im Schwarzwald vor, die subsp. tatriaca ist in der Tatra beheimatet und die subsp. auricula in allen sonstigen Gebieten des Areals.

 

Primula villosa, die Zottige Primel

 

Die Zottige Primel ist gekennzeichnet durch die bis 1,1 mm langen Drüsenhaaren mit einem schwärzlichen Drüsenköpfchen. Die Blätter sind leicht fleischig, die Blüten lila bis rosafarben.
In der subalpinen bis alpinen Stufe findet man die Zottige Primel. Sie wächst auf sauren Böden (Granit, Gneis, Schiefer) und auch auf leicht basischen Böden (Kalk).
P. villosa wächst im südlichen Österreich (S, K, St), im nordöstlichen Italien und in Slowenien (Karawanken). Die Art ist in diesem Gebiet endemisch. Bisher wurde für P. villosa noch ein disjunktes Areal in den Cottischen Alpen angegeben. Die dort vorhandene Sippe wird nunmehr aber als eigene Art (P. cottia) angesehen wird.

 

Unterarten von Primula villosa

 

Von der Zottigen Primel werden drei Unterarten unterschieden, die alle auch in der Steiermark vorkommen:
Bei der subsp. villosa sind die längsten Drüsenhaare an der Blattspitze sind meist länger als 0,5 mm; diese Unterart findet sich an mehreren isolierten Lokalitäten der Ostalpen, wie den Gurktaler Alpen, dem Seckauer Zinken und den Karawanken.
Die subsp. irmingardis unterscheidet sich von der vorhergehenden Unterart durch die Länge der Drüsenhaare: die längsten Drüsenhaare sind meist kürzer als 0,3 mm. Bisher ist diese Unterart nur aus der Stubalpe bekannt. Eine erste Überprüfung von Herbarbelegen hat ergeben, dass auch die Populationen auf der Koralpe dieser Unterart zuzuordnen sind. Die tatsächliche Verbreitung dieser Sippe wird wohl erst nach weiteren Forschungen feststellbar sein.
Von Schloss und Tierpark Herberstein schließlich ist noch eine dritte Unterart bekannt, die subsp. commutata. Bei ihr sind die Blätter oblong und recht groß (bis 17 cm lang und 4 cm breit).

 

Literatur

 

Zhang Li-Bing, Kadereit Joachim W. (2004): Classification of Primula sect.Auricula (Primulaceae) based on two molecular data sets (ITS, AFLPs), morphology and geographical distribution. – Botanical Journal of the Linnean Society 146: 1–26.

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