Die Gattung Gentianella (Kranzenzian) in den Ostalpen

Bericht über einen Vortrag am Landesmuseum Joanneum

Über neueste Forschungsergebnisse aus der Gattung der Kranzenziane (Gentianella) berichtete Dr. Josef Greimler in einem Vortrag am 13. Dezember 2004 am Landesmuseum Joanneum. Dr. Greimler ist am Institut für Botanik an der Universität Wien tätig und beschäftigt sich mit Fragen der Systematik und Evolution von Blütenpflanzen.

Die Kranzenziane

 

Die Gattung der Kranzenziane (Gentianella) umfasst, wenn man den Fransenenzian (Gentianopsis) und den Haarschlund (Comastoma) jeweils als eigene Gattung ansieht, weltweit gesehen ca. 260 Arten mit dem Diversitätsschwerpunkt in Südamerika.
In den Ostalpen sind die zweijährigen Pflanzen gekennzeichnet durch fransig-bärtige Schlundschuppen auf der Innenseite der lilafarbenen Kronblätter; Kelch- und Kronblätter sind in der unteren Hälfte zu einer deutlichen Röhre verwachsen.
Während der Feld-Kranzenzian, Gentianella campestris (vierzählige Blüte), und der Bittere Kranzenzian, Gentianella amarella (Blütenstand zylindrisch bis schmal-pyramidenförmig, 10–20 mm langer Kelch mit kurz-papillösen Zipfeln), recht leicht erkennbar sind, bilden alle anderen heimischen Sippen einen schwierigeren Formenkreis, der als Artengruppe des Deutschen Kranzenzians (Gentianella germanica agg.) bezeichnet wird.

 

Die Artengruppe des Deutschen Kranzenzians

 

Der Deutsche Kranzenzian (Gentianella germanica) wächst in Nordwest-Mitteleuropa und Westeuropa; die bisher in den Ostalpen als „Gentianella germanica“ bezeichneten Populationen wurden schon von den Gebrüdern Kerner als eigene Art (Gentianella rhaetica) abgespalten. Diese Art findet sich vor allem in den zentralen und südöstlichen Teilen der Ostalpen. Diese Systematik konnte trotz der schwachen morphologischen Unterschiede zur außeralpinen Gentianella germanica durch genetische Untersuchungen bestätigt werden.
In den Niederösterreichisch-Steirischen Kalkalpen und im Wiener Becken kommt der Österreichische Kranzenzian (Gentianella austriaca) vor An die Nördlichen Kalkalpen hält sich im Wesentlichen das Areal des Rauen Kranzenzians (Gentianella aspera), mit einzelnen südlichen Ausreißern im Bereich der Hohen Tauern.

 

Was ist der Steirische Kranzenzian?

 

Die im Grazer Bergland häufige, in Maurers „Flora der Steiermark“ als ‚Gentiana stiriaca’ bezeichnete Sippe verdient nähere Betrachtung. Genetische Untersuchungen haben nämlich gezeigt, dass es sich dabei nicht nur um Übergangspopulationen zwischen Gentianella austriaca und Gentianella rhaetica handelt; die etwas weiter nördlich in der Steiermark zu findenden „Steirischen Kranzenziane“ stellten sich als Übergangspopulationen zwischen Gentianella austriaca und Gentianella aspera heraus. Obwohl diese beiden Gruppen der Steirischen Kranzenziane sich morphologisch so sehr ähneln, dass sie de facto nicht voneinander unterschieden werden können und daher als eine Sippe betrachtet werden, sind sie unterschiedlicher genetischer Herkunft.

 

Sammeln von Herbarbelegen

 

Beim Aufsammeln von Gentianella für das Herbarium ist es vorteilhaft, bei zwei bis drei Blüten vom Kelch ein Flachpräparat herzustellen. Dabei ist der Kelch auf einer Seite aufzuschneiden und anschließend flach ausgebreitet zu pressen. Das gleiche Verfahren ist auch für die Krone sinnvoll, da man hiermit einen Einblick ins Andröceum (Position der Staubblätter) und vor allem auf die Länge des Fruchtknotenstiels (= Gynophor) bekommt.

Kelch und Krone (Flachpräparate). Die beiden grundsätzlichen Kelchtypen von: (A) Gentianella campestris, (B) G. germanica s.l., (C) Krone: f = Schlundfransen, g = Gynophor; Balken = 1cm. (Fotos und Zusammenstellung: J. Greimler)

 

Kelch-Flachpräparate von (A) Gentianella anisodonta (beachten Sie die sehr ungleichen zurückgerollten Kelchzipfel), (B) G. aspera, (C) G. pilosa, (D) G. ramosa – alle mit spitzen Kelchbuchten; (E) G. austriaca, (F) G. fatrae, (G) G. lutescens, (H) G. amarella – alle mit stumpfen Kelchbuchten; Balken = 1 cm. (Fotos und Zusammenstellung: J. Greimler)

 


Literatur

  • Greimler Josef & Jang Chang-Gee 2003: Gentianella sect. Gentianella(Gentianaceae) in den Ostalpen. Mit einem illustrierten Bestimmungsschlüssel. – Neilreichia 2–3: 209–234.
  • Greimler Josef, Hermanowski B. & Jang Chang-Gee 2004: A re-evaluation of morphological characters in European Gentianella section Gentianella (Gentianaceae). – Plant Systematics and Evolution 248: 143–169.

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