Nachhaltigkeitsmaßnahmen im Universalmuseum Joanneum und Kunsthaus Graz

Museen als Orte des Wandels und Experimentierens

 

Graz und Steiermark, 02.09.2026

 

Mit seinen 20 Museen ist das Universalmuseum Joanneum seit Herbst 2021 Teil des Netzwerkes Museums for Future. Derzeit sind 8 Museen an 6 Standorten mit dem Österreichischen Umweltzeichen für Museen und Ausstellungshäuser ausgezeichnet. Ziel ist es, dass bis zum Jahr 2030 alle Standorte dieses Zertifikat erhalten.
Vorreiter waren hier das Kunsthaus Graz und das Volkskundemuseum am Paulustor. Ersteres zeigt nun mit einer experimentellen Klimaanlage des Künstlers und Architekten Markus Jeschaunig am Dach des Eisernen Hauses, dass Nachhaltigkeit nicht nur thematisiert, sondern auch praktisch erprobt wird.

Mit der Arbeit "Expanded Garden" hat Künstler Markus Jeschaunig eine experimentelle Klimaanlage am Dach des Eisernen Hauses installiert: Wasser aus der Grundwasserzisterne liefert ebenso einen kühlenden Effekt, wie Beschattung durch Pflanzen, Foto: Kunsthaus Graz/J.J. Kucek

Das Kunsthaus Graz als Klimaforschungslabor
Lärchenholz, Erde, Wasser und Pflanzen, das sind die wesentlichsten Materialien, aus denen der Grazer Architekt und Künstler Markus Jeschaunig das Projekt „Expanded Garden“ für das Kunsthaus Graz im Rahmen der Ausstellung 30 % Löwenzahn umgesetzt hat. Es handelt sich dabei um eine experimentelle Klimaanlage, die er als Forschungsprototyp für klimaverantwortliches Bauen versteht. Zudem will er das Wunderwerk Pflanze in den Vordergrund rücken: „Es ist eine Win-Win-Situation, Pflanzen sind günstig und einfach zu beschaffen, sie können kühlen und kompensieren und liefern den für uns Menschen notwendigen Sauerstoff.“

Die mehrteilige Intervention besteht aus leichten Holzlatten, an denen selbstrankende Pflanzen – wie wilder Wein, Hopfen oder Geißblatt – wachsen, während Wasser aus der Grundwasserzisterne des Kunsthauses Graz nach dem Prinzip eines Gradierwerks einen spürbar kühlenden Effekt schafft.

 

Begleitend führt Jeschaunig gemeinsam mit dem Institut für Architekturtechnologie und Institut für Siedlungswasserwirtschaft der TU Graz wissenschaftliche Messungen durch: Untersucht wurden sowohl die technische Kühlleistung der Installation als auch die Wirkung des Mikroklimas auf die menschliche Wahrnehmung. Das Ergebnis: Das Wärmeempfinden des menschlichen Körpers wird durch die kühlen Wände deutlich positiv beeinflusst. In der überhitzten Umgebung der Dachterrasse verschiebt sich das menschliche Wärmeempfinden innerhalb der Installation deutlich in einen Komfortbereich. Während die gefühlte Temperatur unter Beschattung des Sonnensegels um ca. 4.4 Kelvin abnahm, sank sie in Kombination mit der passiv gekühlten Wand des Gradierwerks um 6.7 Kelvin – eine Verbesserung von ca. 50%.

 

Niederschlag war gestern
Eine Ausstellung, die sich konkret mit dem Klimawandel in der Steiermark auseinandersetzt, trägt den Titel Schnee war gestern und ist im Naturkundemuseum im Joanneumsviertel zu sehen. Die Schau zeigt, wie unterschiedlich Tier- und Pflanzenarten auf steigende Temperaturen, veränderte Niederschläge und verschobene Jahreszeiten reagieren und welche Folgen das für uns Menschen hat.

Ausgangspunkt sind zwei Temperaturkurven, die die Klimageschichte der Erde in den letzten 539 Millionen sowie in den vergangenen 2025 Jahren sichtbar machen. Sie zeigen eindrücklich, wie stark der aktuelle, menschengemachte Temperaturanstieg verläuft und welche Entwicklungen sich in naher Zukunft abzeichnen. „Wir messen Temperaturen seit 1850 und sehen heute einen massiven globalen Anstieg. Früher waren solche Ausschläge nur regional – heute betrifft die Erwärmung jedoch den gesamten Planeten", so Wolfgang Paill, Kurator und Leiter des Naturkundemuseums.

Interaktive Elemente in der Ausstellung "Schnee war gestern" laden dazu ein, selbst einzuschätzen, welche Organismen in Zukunft von steigenden Temperaturen profitieren oder welche aufgrund der klimatischen Veränderungen zunehmend bedroht sind, Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek

Schritt für Schritt zu nachhaltigeren Museen
Nachhaltigkeit und der Umgang mit der Klimakrise spielen nicht nur in Ausstellungen und Projekten eine Rolle, sondern sind auch im laufenden Betrieb als zentrale Bestandteile in der Unternehmensstruktur verankert. Das Österreichische Umweltzeichen des Umweltministeriums, das Museen und Ausstellungshäuser in den Bereichen umweltfreundliches Management und soziale Verantwortung auszeichnet, ist ein Meilenstein in dieser Entwicklung. Die Kriterien reichen von Energie- und Wassereinsparung bis hin zur Vermeidung von Chemikalien und einer nachhaltigen Pflege der Außenanlagen.

Mittlerweile sind acht Häuser an sechs Standorten zertifiziert: Neben dem Kunsthaus Graz und dem Volkskundemuseum am Paulustor sind seit 2025 auch die Museen in Schloss Stainz, das Rosegger-Museum und Rosegger-Geburtshaus sowie das Österreichische Freilichtmuseum Stübing zertifiziert. Schloss Trautenfels sowie das Museum für Geschichte und das Landeszeughaus starten 2026 in den Erstzertifizierungsprozess. Ziel ist es, langfristig alle Häuser und Standorte zu zertifizieren.

 

Schonende Ressourcennutzung
Energieeffiziente Maßnahmen wurden bereits umgesetzt: Einige Standorte haben bereits vollständig auf LED-Beleuchtung umgestellt. Zuletzt das Landeszeughaus Anfang 2026, die Modernisierung spart voraussichtlich rund 50 Prozent Strom und erhöht die Sicherheit im denkmalgeschützten Gebäude. Ebenfalls auf LED-Beleuchtung umgestellt hat Schloss Trautenfels, zudem wurde kürzlich die Photovoltaik-Anlage am Fuß des Schlosses in Betrieb genommen, die einen Teil des Strombedarfs deckt. Auch das Archäologiemuseum deckt seit heuer einen Teil seines Stromverbrauchs durch eine hauseigene Photovoltaikanlage ab.

Ausstellungsaufbauten aus dem Kunsthaus Graz, dem Volkskundemuseum und der Neuen Galerie Graz gehen nach Ausstellungsende regelmäßig an die Initiative circulART, wo sie Kulturschaffenden, Vereinen und Privatpersonen zur Nachnutzung kostengünstig zur Verfügung stehen.

Nachhaltige Energie: Das Archäologiemuseum deckt seit 2026 einen Teil seines Stromverbrauchs durch eine hauseigene Photovoltaikanlage ab, Foto: Universalmuseum Joanneum/N. Lackner

Vielfalt bewahren – Natur erleben
Nachhaltiges Handeln zeigt sich im Universalmuseum Joanneum ebenso im Umgang mit Natur und Landschaft. Durch die Pflege traditioneller Kulturlandschaften, den Erhalt heimischer Tier- und Pflanzenarten und die Förderung naturnaher Lebensräume leistet das Österreichische Freilichtmuseum Stübing einen aktiven Beitrag zum Naturschutz. Das als Naturschutz- und teilweise Natura-2000-Gebiet ausgewiesene Museumsgelände wird besonders schonend bewirtschaftet: Traditionelle Nutzgärten mit alten Gemüse-, Kräuter- und Kulturpflanzensorten werden gepflegt, deren Erzeugnisse auch in der Gastronomie verwendet. Auf chemische Pflanzenschutz- und künstliche Düngemittel wird verzichtet, sämtliche Garten-, Acker- und Wiesenflächen sind biozertifiziert. 2025 wurden zudem Bäume nachgepflanzt, um die Beschattung im Museumstal zu sichern.

 

Die Tierwelt Herberstein engagiert sich für den Artenschutz im Zoo und im Haus der Biodiversität, aber auch im angrenzenden Europaschutzgebiet Feistritzklamm/Herberstein: Ein EU-gefördertes Beweidungsprojekt zeigt, dass gezielte Beweidung, Gehölzregulierung und Monitoring zur Erhaltung sensibler Lebensräume beitragen, die Beweidung mit Steinböcken und Ziegen soll daher bis 2028 ermöglicht werden.

 

Für einen langfristig gesicherten und klimafitten Baumbestand wurden im vergangenen Jahr in der Tierwelt zusätzlich 100 Bäume aus 45 Baumarten gepflanzt, insbesondere um entlang der Besucher*innenwege weitere Schattenplätze zu schaffen.

Die extensive Beweidung mit (Blobe-)Ziegen gewinnt bei stark verbuschenden Trockenlebensräumen stetig an Bedeutung, Foto: Gernot Kunz

Einen umfassenden Überblick über viele weitere Maßnahmen liefert der Nachhaltigkeitsbericht 2025, den das Universalmuseum Joanneum Anfang September veröffentlichte. Es ist bereits der zweite Bericht nach dem Pilotbericht 2024 und dokumentiert entlang der Bereiche Umwelt, Soziales und Unternehmensführung, wo das Universalmuseum steht – von der ersten Treibhausgasbilanz über die neue Gleichstellungsstrategie bis zum 2025 eingeführten Kinderschutzkonzept.

„Mit dem Nachhaltigkeitsbericht 2025 legen wir nun schon zum zweiten Mal umfassend offen, wo wir als Universalmuseum Joanneum stehen – und wo wir noch hinwollen. Die Zertifizierung unserer Standorte mit dem Österreichischen Umweltzeichen ist dabei kein Schlusspunkt, sondern ein Etappenziel auf dem Weg, langfristig alle unsere Häuser nachhaltig auszurichten", sagt Josef Schrammel, kaufmännischer Geschäftsführer des Universalmuseums Joanneum.

 

Hitze als Stressfaktor auch für Museen, Parkanlagen und Kunstwerke
Nachhaltigkeit heißt für das Universalmuseum Joanneum aber auch, die eigenen Häuser klimafit zu machen, denn anhaltende Hitze und zunehmende Extremwetterereignisse, wie Starkregen und Stürme, stellen die Standorte vor Herausforderungen.

Schloss Eggenberg begegnet der Klimakrise mit sichtbaren Anpassungsmaßnahmen und kämpft zugleich mit den Folgen zunehmender Extremwetterereignisse: Seit sechs Jahren wird die Ost- und Südseite des Gebäudes gezielt bepflanzt, um eine natürliche Beschattung zu erreichen. Die Prunkräume sind dadurch im Sommer bis zu fünf Grad kühler, was für deren langfristigen Erhalt von zentraler Bedeutung ist.

 

Nicht nur Bäume und Gebäude leiden unter extremen Temperaturen – auch empfindliche Kunstwerke und Sammlungsobjekte stellt die Hitze vor Herausforderungen. Historische Objekte und Kunstwerke brauchen bestimmte Bedingungen – neben speziellen Lichtverhältnissen sind das vor allem konstante Temperaturen und eine stabile Luftfeuchtigkeit.

„Nachhaltigkeit im Museum heißt auch, Kulturgüter für nachfolgende Generationen zu bewahren – gerade in Sommern mit solchen Temperaturen zeigt sich, wie eng Klimaschutz und Bestandserhaltung zusammenhängen. Unsere Aufgabe als Museum ist ja nicht nur das Ausstellen, sondern auch das Sammeln, Bewahren, Pflegen und Erforschen unserer Bestände", sagt Marko Mele, wissenschaftlicher Direktor des Universalmuseums Joanneum.

 

 

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Markus Jeschaunig
Expanded Garden

Ort: Kunsthaus Graz, Terrasse und Teil der Ausstellung 30 % Löwenzahn
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Umgesetzt wurde das Projekt mit Unterstützung des Instituts für Architekturtechnologie der TU Graz, des Botanischen Gartens der Universität Graz, der Abteilung für Bautechnik der HTBLVA Ortweinschule Graz sowie der JH Naturrein Biogarten GmbH.

 


Schnee war gestern
Klimawandel in der Steiermark

Ort: Naturkundemuseum
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Umweltzeichen/Green Museum & Nachhaltigkeitsbericht 2025
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Bildmaterial zum Download finden Sie hier: NACHHALTIGKEIT IM MUSEUM

 

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Mit herzlichen Grüßen

 

 

Daniela Teuschler
+43/664/8017 9214, daniela.teuschler@museum-joanneum.at

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