Schale, 17. Jahrhundert

Im frühen 17. Jahrhundert entstanden schalenförmige Majoliken zum Anbieten von Früchten in den Keramikzentren im Veneto, v.a. Padua und Venedig, wo man sich an der Produktion im westanatolischen Iznik orientierte. Um diese Zeit erlebten die dortigen Werkstätten eine besondere Blüte. Von Iznik aus wurde das gesamte Osmanische Reich mit einer Vielzahl von Gebrauchs- und Baukeramik versorgt. Besonders mit Pflanzenmotiven geschmückte Schalen stellten eine begehrte Handelsware dar, die auch in Europa geschätzt wurde. Die italienische Nachfolge lehnte sich kompositorisch wie motivisch eng an das orientalische Vorbild an, ohne jedoch dessen technische Raffinesse zu erreichen. Charakteristisch ist das zentrale, in flachen S-Schwüngen über die gesamte Innenseite gezogene Fiederblatt („sāz“-Blatt), umgeben von Nelken, Päonien und Blütenrispen. Die Grazer Majolika, die mit verwandten Stücken ein kleines Ensemble bildet, erinnert an die sog. „Candiana“-Gruppe. Diese Bezeichnung wurde lange mit einer Ortschaft in Verbindung gebracht und demzufolge eine Herstellung außerhalb Paduas angenommen. Doch konnte Andrea Moschetti 1931 nachweisen, dass der Name auf die Besitzerin eines 1633 datierten Stücks zurückgeht, die paduanische Ordensschwester „Suore Chandiana“. Solche Geschenke waren mit dem Eintritt ins Kloster verbunden. Vergleichbare Objekte finden sich in zahlreichen kunstgewerblichen Sammlungen, so auch im Victoria & Albert Museum in London und im Kunstgewerbemuseum in Dresden. 

 

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Museum im Palais

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