Kästchen von Abt Valentin Pierer, 1519

Kästchen dienten der Verwahrung kostbaren privaten Besitztums und waren demzufolge besonders gesichert. Ihre Form entspricht einer miniaturisierten Truhe mit Tragringen und einem bartförmigem Schloss. Mit seiner reichen Polychromie und den aufwendigen Sicherungsvorrichtungen ist das seitlich 1519 datierte Exemplar im Joanneum ein herausragender Vertreter seiner Gattung. Die auffällige Mischung spätgotischer Motive und vereinzelter Übernahmen aus dem Formengut der Renaissance war im frühen 16. Jahrhundert weit verbreitet. Sind die Bauform der aufgesockelten Truhe wie auch das Fischblasenmotiv noch ganz der Tradition verpflichtet, kündigen monochrom gehaltene Schmuckformen wie Lorbeerkränze und Füllhörner bereits den einsetzenden Stilwandel an. Das am unteren Truhenrand zu erkennende, große „L“ spielt auf St. Lambrecht an, der Birnbaum links auf den Nachnamen des inschriftlich genannten Besitzers, Valentin Pierer. Auf diesen beziehen sich auch die rechts dargestellten, gekreuzten Abtsstäbe mit den Initialen „V P“.

 

Die Benediktinerabtei St. Lambrecht in der Obersteiermark, eine der bedeutendsten Kunststätten des Landes, hatte im Spätmittelalter unter den Äbten Abt Heinrich II. Moyker (1419-1455), Johann II. Schachner (1455-1478) und Johann III. Sachs (1478-1518) einen besonderen Aufschwung erlebt. Am Vorabend der Reformation, unter Abt Valentin I. Pierer (1518-1541), fand schließlich die Renaissance Eingang. Davon legt die besonders in dieser Zeit intensiv geförderte, auch in den Sammlungen des Joanneums nachweisbare Tafelmalerei ebenso Zeugnis ab wie das Grazer Kästchen.

 

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