Dose, 19. Jahrhundert

Zum Erziehungsprogramm im habsburgischen Kaiserhaus gehörte, dass die jungen Erzherzöge ein Handwerk erlernten. In besonderem Ansehen stand die Drechselkunst, die bereits seit der frühen Neuzeit in vielen Fürstenhäusern einen beliebten Zeitvertreib darstellte. Auch lag darin eine Beziehung zu einer verbreiteten Gattung innerhalb der „artificialia“, der von Menschenhand entstandenen Wunderwerke aus Holz und Elfenbein, wie sie v.a. in der Wiener Kunstkammer überreich vertreten sind. Bereits Maximilian I. hatte sich in dieser Fertigkeit geübt. Ein schlichter, eher kurios denn virtuos anmutender Nachfolger dieser Gattung ist diese Dose in Form eines Fasses. Wie auf einem beiliegendem Zettel vermerkt, hat sie Erzherzog Johann eigenhändig gedrechselt und seinem Kutscher Ledinek geschenkt. In der Ausübung dieses Handwerks liegt auch eine Hommage an die kulturelle Tradition der eigenen Dynastie, der sich der Erzherzog ungeachtet seiner Distanz zum Wiener Hof eng verbunden fühlte. Über den Enkel Ledineks, der als Korbmacher am Grazer Odilien-Blindeninstitut arbeitete, gelangte die Dose in den Besitz des Joanneums.

 

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Museum im Palais

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