Sense

Lange Zeit war die Sense eines der wichtigsten Agrargeräte. Zusammen mit dem Pflug ist sie Symbol für die landwirtschaftliche Bodennutzung. Chronos, die antike Verkörperung der Zeit, führt wie der Tod die Sense zum Zeichen der Vergänglichkeit alles Irdischen. Als Gewerbe war die Sensenschmiede in der Steiermark seit dem 16. Jahrhundert erfolgreich. Ihre Hochblüte erreichte sie Mitte des 18. Jahrhunderts. Voraussetzung dafür war der erstmalige Einsatz des Wasserhammers zum Breiten der Sense durch den Essmeister Konrad Eisvogel (1584). Die Sense wurde in der Folge der schärfste Exportartikel. 

Herstellung

Unsere Sense wird im Entstehungsprozess gezeigt. Dafür sind sechs Schritte entscheidend:

 

1. Abschienen: Eisenschüssiger Stahl (= Mock) wird zu flachen Schienen ausgeschmiedet, die im kalten Wasser gehärtet werden.

 

2. Garben: 9 bis 15 dieser Schienen werden in einer Garbzange eingeklemmt und wiederholt erhitzt. Mit dem Zainhammer werden sie zu einer Stange (= Ruckeisen) verschweißt, die danach in kleinere Stücke zerlegt wird. Aus diesem Material wird der Rücken der Sense gefertigt. Die Schneide hingegen stellt man aus Schneideisen her. Dieses wird ebenfalls durch das „Garben“ hergestellt. Das verwendete Material hierfür ist Stahl.

 

3. Zainen: Mit dem Zainhammer werden beide Teile zusammengeschweißt. In diesem Schritt wird auch die Hamme ausgeschmiedet. An ihr ist der Stiel befestigt.

 

4. Breiten: Mit dem Breitenhammer wird das gekrümmte und dünne Sensenblatt ausgeschmiedet.

 

5. Abrichten: Die sogenannte Breitsense erhält ihre endgültige Form, und ihr Rücken bekommt mehr Widerstandsfähigkeit.

 

6. Ausmachen: Nun wird die Sense fertiggestellt (Markieren, Feinputzen, Blaufärben, Schleifen). 

Zuständigkeiten

Die Sensenproduktion war durch eine strenge Hierarchisierung und Arbeitsteilung gekennzeichnet. Die wichtigste Position hatte der Essmeister. Ihm folgten der Breitenheizer, der Beschneider, der Abrichter, der Kleinhämmerer, der Hammerschmied und der Heizer. Einfache Tätigkeiten wie das Abschienen übernahm der Lehrling. Die Lehrzeit betrug drei Jahre. Um die Position des Essmeisters zu erlangen, musste man weitere drei Jahre in Ausbildung sein. Alte und invalide Knechte hatten das Recht, auf den Märkten Sensen in geringem Umfang zu verkaufen und so ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

 

 

Museum im Palais

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Öffnungszeiten
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5. Juni
15. August
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24. bis 25. Dezember