Wer kämpft, wie wird rekrutiert?

Im Mittelalter kämpfen Ritterheere Mann gegen Mann. Im 15.Jahrhundert treten geschlossen operierende Verbände zu Fuß und berittene Truppen an ihre Stelle. Dafür braucht es die Neuorganisation der Landesverteidigung, was eine durchaus komplexe Sache ist: Ausgehend von den Pfarren wird die Steiermark in Wehrbezirke gegliedert. Die adeligen und kirchlichen Grundbesitzer, aber auch die Städte und Märkte müssen aus der Summe ihrer Untertanen bzw. ihrer Bürgerschaft jeden zehnten Mann zum Kriegsdienst entsenden. Der Landesfürst stellt 500 gerüstete Reiter, die landesfürstlichen Städte und Märkte lagern Waffen und Munition und garantieren die Versorgung der Truppen. Die führende Rolle bei alldem liegt bei den Landständen. Sie bestellen mit den „Verordneten“ ein fünfköpfiges Gremium, das als Schnittstelle hin zu den landesfürstlichen Behörden fungiert, die Finanzen, den Waffenkauf etc. kontrolliert.

 

Regelmäßige Musterungen sollen die Eignung der aufgerufenen Personen sicherstellen. Dabei haben die Grundherren wenig Interesse, ihre besten Männer für den Kriegsdienst abzustellen: „Ist krump, Ist plöd, Ist plind“, vermerken Musterkommissare im 17.Jahrhundert erbost in den Registern. Zwischenzeitige Versuche, die zumeist unerfahrenen Aufgebote durch kampferprobte Söldner zu ersetzen, erweisen sich als nicht finanzierbar. Ab dem 18.Jahrhundert übernimmt die kaiserliche Armee die Rolle der steirischen Aufgebote. Hans von Lonispergks (= Deutschlandsberg) Porträt aus dem Jahr 1540 zeigt ihn als Angehörigen einer Eliteeinheit. Mit dem geschulterten „Bidenhänder“ sollen feindliche Schlachtreihen aufgebrochen und so der nachstoßenden Reiterei der Weg freigemacht werden.

Relief Hans von Lonispergks
Datierung: 1540
Besitz: Kulturhistorische Sammlung

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