8. Wie macht man sich ein Bild von exotischen Tieren?

„Hic sunt leones“ – hier gibt es Löwen. So heißt es auf mittelalterlichen Karten, wenn es um die Grenzen der bekannten, d. h. beherrschten Welt geht. Jenseits dieses Terrains gibt es unbekannte, gefährliche Zonen, die „weißen Flecken“ im Weltbild der Zeit.

 

Wie ein Löwe aussieht, glaubt man im Mittelalter aufgrund von Dichtungen in den „Bestiarien“ zu wissen, in denen es um Eigenschaften geht, die man Tieren zuschreibt und immer mit christlichen Inhalten verbindet. Die Bibel kennt den brüllenden Löwen, der nach Opfern sucht und für die Macht des Bösen steht. Was Furcht auslöst, wird auch schnell zum Symbol von Herrschaft. So entwickelt sich der Löwe zu einem der häufigsten Wappentiere oder tritt an romanischen Kirchenportalen als Unheil abwehrender Torwächter auf.

 

Weil wir unseren Löwen aus der abgetragenen Thomaskapelle des Schlossberges aus Gewichtsgründen nicht in die Ausstellung bringen können – mit rund 600 Kilogramm hätte er die Statik sehr gefordert –, veranschaulichen wir das Thema mithilfe der Kachelfragmente: In der Wohnkultur der spätmittelalterlichen Oberschicht haben Löwen, Greifen und Drachen als beliebte dekorative Muster ihren festen Platz, vor allem in der reichen Produktion von Ofenkacheln. Deren Spuren sind in Ungarn und der Untersteiermark, heute Štajerska nachweisbar.

Ofenkachelfragment mit Löwenmaske
Datierung:
15./16. Jh.
Besitz: Kulturhistorische Sammlung

Ofenkachelfragment mit Greif, wohl Ungarn
Datierung: 14./15. Jh.
Besitz: Kulturhistorische Sammlung

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