7. Was passiert in einem mittelalterlichen Kloster?

Wenn von einem Kloster die Rede ist, denken wir heute an mächtige historische Architekturen und an Kulturgüter, die dank ihrer Existenz erhalten geblieben sind, vielleicht auch an die wirtschaftliche Bedeutung, die sie mit ihren Besitzungen und Betrieben für viele Regionen nach wie vor haben.

 

Es ist kaum zu ermessen, wie zentral die Rolle der Klöster für die Entwicklung des Landes in gleich mehreren Bereichen in einer Zeit ist, zu der es vieles von dem, was uns heute selbstverständlich ist, noch nicht gibt.

 

Klöster bilden im Mittelalter den Rahmen für das streng geregelte Leben der Mönchsgemeinschaft. Die Mönche beten nicht nur: Sie betreiben Feldarbeit und Tierzucht und tragen durch Rodungen und Trockenlegungen zur landwirtschaftlichen Erschließung ganzer Regionen bei. Eingebunden in ein überregionales Netzwerk, haben sie Zugang zu technischen, handwerklichen und wirtschaftlichen Neuerungen, die sie einsetzen und verbreiten. In ihren Schreibstuben wird das Wissen der damaligen Welt erfasst und weitergegeben. Konkurrenzlos ist ihre Stellung als Förderer der Kunst. Den geistlichen Gemeinschaften kommt schließlich eine wichtige soziale Rolle zu, da sie sich auch in der Krankenpflege und Armenfürsorge engagieren.

 

All das trifft auch auf die Steiermark zu, wo im 11. und 12. Jahrhundert die zentralen Gründungen der „alten Orden“ wie Benediktiner, Zisterzienser oder Augustiner-Chorherren vonstattengehen.

 

Im Jahr 1004 entsteht in Göß das erste Kloster und wird von Salzburg aus mit Benediktinerinnen besiedelt. Über Jahrhunderte ein Ort der Erziehung und Versorgung adliger Töchter, wird es unter Joseph II. aufgehoben. Das älteste bestehende Kloster der Steiermark ist das 1074 gegründete Benediktinerstift Admont. Das Modell zeigt das seit 1129 bestehende Stift Rein, ältestes Zisterzienserkloster der Welt.

Modell der Reiner Basilika mit Turm und romanischem Kreuzgang, Bauzustand 14. Jh.
Mit freundlicher Unterstützung von Elisabeth und Eugen Brenner

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