4. Wer sind Männer und Frauen der Kirche?

„Tu ora – du bete!“ So lautet gemäß der Sozialordnung des Mittelalters die Aufgabe des Klerus. Der Sinn seiner Existenz sind die Pflege des Gebets und die Fürsprache vor Gott. Seine Vermittlerrolle garantiert ihm über Jahrhunderte eine elitäre Stellung. Dabei sind die sozialen Unterschiede innerhalb der Geistlichkeit groß. In den Klöstern sichert sich der steirische Adel die hohen Ämter. Die Söhne der übrigen gesellschaftlichen Gruppen erhalten nur schrittweise Zutritt und bleiben auch innerhalb der Klöster unterprivilegiert.

 

Für Frauen bedeuten die Orden die einzige Möglichkeit der Mitwirkung in der Kirche. Vom 13. bis zum 15.Jahrhundert existieren in der Steiermark acht Frauenklöster, u.a. in Göß, Seckau und Judenburg. Die soziale Herkunft bestimmt auch hier die Rollen: Während die gut ausgebildeten adeligen Damen in der Verwaltung oder der Apotheke tätig sind, kümmern sich die Laienschwestern um Küche, Garten und Wäsche. Mit dem Eintritt in das Kloster übermitteln die wohlhabenden Familien eine Art Mitgift für „aufenthaltung und narung“ und kommen damit im Vergleich zu einer Verheiratung günstig davon.

 

Fernab von der gesellschaftlichen Macht des hohen Klerus steht die niedere Geistlichkeit am Land, die dem Grundherrn untersteht. Oftmals nur schlecht ausgebildet, obliegt ihr die seelsorgerische Betreuung der bäuerlichen Untertanen. Im frühen 13.Jahrhundert wird das Bistum Seckau mit rund 20 Pfarren gegründet.

Hl. Bischof, Österreich
Datierung: um 1420
Material: Holz
Besitz: Alte Galerie

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