26. Gibt es hierzulande Hexenprozesse?

Ja, auch in der Steiermark gab es Hexenprozesse. Die Gründe, warum Frauen, aber auch Männer der Hexerei beschuldigt werden, sind vielfältig. Abergläubische Praktiken und Wunderglaube können ebenso zur Anklage führen wie der Vorwurf, für Hagel und Unwetter verantwortlich zu sein. Ein wichtiges Motiv ist Neid, etwa bei gutem Milchertrag der Kühe oder blühenden Blumen im Winter.

 

Bis in die zweite Hälfte des 18.Jahrhunderts dient allein das Geständnis als Grundlage für eine rechtskräftige Verurteilung. Die sicherste Methode, es zu erhalten, ist die Folter: Streckleiter, Schnürung der Glieder, Brennen mit Kerzen, das Anlegen von Daumenschrauben. Folter führt nicht nur meistens zum Geständnis, sondern auch oft zur Beschuldigung weiterer Personen. Ein bekanntes Beispiel ist der Massenprozess in Feldbach im Jahr 1673.

 

In der Steiermark erlangt Johannes Wendteisen als „Hexenrichter“ eine traurige Berühmtheit, der in kaiserlichem Auftrag die Hexenverfolgung in der Südoststeiermark systematisch betreibt. Vermutlich fallen ihm mehr als 50 Frauen zum Opfer.

 

In ganz Europa werden rund 100.000 Menschen Opfer der Hexenverfolgung. In Österreich wird sie erst von Maria Theresia 1740 in ihrem Herrschaftsbereich verboten.

 

Interessant ist, dass die Akteure rund um diese Prozesse gut an ihnen verdienen: der Bürgermeister, der Rat, Schöffen, Stadtschreiber, Stadtdiener, der Landesherr.

Daumenschraube
Datierung:
1. Viertel 17. Jh.
Besitz: Kulturhistorische Sammlung

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