25. Wie gehen Recht und Körperstrafen zusammen?

Das Recht gilt lange Zeit als gottgegebene Lebensordnung, deren Überwachung den irdischen Autoritäten obliegt. Wer sie stört, wird mit einer Strafe belegt, die als Ausgleich für den Verstoß gilt. In der Regel ist das eine – manchmal in Geld ablösbare – Körperstrafe, deren Härte abschrecken soll: Köpfen, Glieder abhacken, Hängen, Ertränken oder Verbrennen. Im Vordergrund steht dabei der Gedanke, so die verletzte gottgegebene Ordnung wiederherzustellen und durch „Spiegelung der Tat“ angemessene Vergeltung zu üben.

 

In der österreichischen Strafrechtspflege sind bis in das 18.Jahrhundert 42 Delikte mit der Todesstrafe bedroht, wobei das Hängen am Galgen dominiert. In der Steiermark gibt es bis in das 19.Jahrhundert 75 Richtstätten zum öffentlichen Vollzug.

 

Steirische Belege zeugen davon, wie abergläubische und volksmedizinische Vorstellungen auf den Umgang mit den Körpern von Gehängten und deren Überresten wirken: So werden Knochen zermahlen und dem Schweinefutter zur Ertragserhöhung beigemischt oder dienen als Heils- und Glücksbringer. Die Möglichkeit, ein Stück Galgen-Bauholz käuflich zu erwerben, wird ebenfalls als Glücksfall eingestuft.

 

Die Handfessel und Fußschelle mit Kette entstammen der Kulturhistorischen Sammlung und stehen für den Freiheitsentzug im Zuge der Rechtsprechung.

Fußschelle mit Kette
Datierung: 19. Jh.
Besitz: Kulturhistorische Sammlung

Handschelle
Datierung: 19. Jh.
Besitz: Kulturhistorische Sammlung

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