23. Was bedeutet Armut in der vorindustriellen Gesellschaft?

Bis ins 19.Jahrhundert ist auch in der Steiermark arm, wer nichts besitzt. Hinzu kommen jene, die trotz harter Arbeit wenig verdienen. Dies trifft auf Knechte und Mägde am Land zu, deren Dienstverträge bei Bauern jährlich gekündigt werden können und die im Fall eines Ortswechsels ihre wenigen „Habseligkeiten“ gewöhnlich in einem Sack unterbringen. Ähnlich schlecht geht es besitzlosen Tagelöhnern und Hilfsarbeitern im Handwerk und den frühen städtischen Industriearbeitern.

 

Die „Ärmsten der Armen“ sind aber jene Menschen, die in der Hoffnung auf ein besseres Leben ihren Heimatort verlassen haben und in der „Fremde“ erwerbs- und mittellos werden. Für sie fühlt sich keine Behörde zuständig. Um zu überleben, sind sie auf den „Bettel“ angewiesen und müssen die Feindseligkeit großer Teile der Bevölkerung ertragen, die ihnen unterstellt, an ihrem Unglück selbst schuld zu sein.

 

Bettlern und „fahrendem Volk“ droht in der Steiermark sogar polizeiliche Verfolgung, für die ein „Landprofos“ zuständig ist. Einheimische werden der Gemeindeversorgung übergeben oder in das 1726 gegründete große Grazer Armenhaus eingewiesen. Landfremde – „abgedankhte Soldaten“, „Ziggeiner, straiffende Croathen“, „dienstlose Gesindl“, „Hausierer“ und „dergleichen Vaganten“ – werden kurzerhand ausgewiesen. Nach dem 1721 ergangenen Edikt Kaiser Karls VI. werden sie als Gefahr für die öffentliche Sicherheit gesehen.

Eine der Holzstatuetten, Hausierer nach Motiven von Jacques Callot, Gröben/Tirol, 18. Jh.

Holzstatuetten, Hausierer nach Motiven von Jacques Callot
Datierung: Gröben/Tirol, 18. Jh.
Besitz: Kulturhistorische Sammlun

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