22. Welche Gegenmaßnahmen setzt die Kirche?

In der zweiten Hälfte des 16.Jahrhunderts gehen die katholische Kirche und die glaubenstreu gebliebenen Habsburger gegen die Protestanten vor – der Streit um den wahren Glauben wird brutal ausgefochten. Geistliche und militärisch gesicherte Kommissionen bereisen das Land. So wird 1599 z. B. Radkersburg mit gut 700 Mann besetzt. Der Stadt werden Privilegien und Gerichtsbarkeit entzogen. Wer den öffentlichen Schwur auf Kirche und Landesfürst verweigert, wird ausgewiesen. Verbotene Bücher werden verbrannt. „Die Kirch [...] wie auch das Schull, Prediger und Messner Hauss sambt dem Freydthoff“ werden gesprengt.

 

Mancherorts erhält sich der evangelische Glaube im Geheimen, so im Ennstal. Noch im 18.Jahrhundert werden hier Protestanten verfolgt und von Maria Theresia als „unbelehrbare Ketzer“ nach Ungarn ausgewiesen. Ihre Kinder müssen sie zum Teil bei katholischen Familien oder in Waisenhäusern zurücklassen.

 

Doch man führt den Krieg auch mit feinerer Klinge: Die Verbreitung der Barockkunst kommt einer multimedialen Kampagne gleich, die die Sinne der Gläubigen betören soll. Kirchliche Prunkbauten entstehen, so das Stift St. Lambrecht, die Stiftskirchen in Pöllau und Vorau oder die Basiliken in Maria Trost und Mariazell. Die Kirchenräume selbst verwandeln sich in geistliche Theatersäle. Miniaturausgaben des großen Theaters finden auch Eingang in die privaten Wohnräume. Krippe, Miniaturaltar und Holzschnitzerei aus dem 18. und 19. Jahrhundert geben Zeugnis davon.

Miniaturaltar
Datierung: Österreich, 18./19. Jh.,
Besitz: Kulturhistorische Sammlung

Kastenkrippe
Datierung: Österreich, 18./19. Jh.,
Besitz: Kulturhistorische Sammlung

Christus im Grabe 
Datierung: Österreich, 18./19. Jh.,
Besitz: Kulturhistorische Sammlung

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