15. Wer ist Teil der neuzeitlichen Gesellschaft?

1964 fand in Graz die Ausstellung Graz als Residenz. Innerösterreich 1564–1619 statt. Aus diesem Anlass wurden 12 Figurinen beauftragt, die uns ein anschauliches Bild der steirischen Gesellschaft am Übergang vom 16. zum 17.Jahrhundert geben.

 

An der Spitze der Gesellschaftspyramide steht Erzherzog KarlII. – hier mit seiner Gemahlin Maria von Bayern dargestellt.

 

Im Zuge der Erbteilung erhält Karl „Innerösterreich“ und er erhebt Graz zu seiner Residenz. Obwohl Landesherr, ist er auf den lokalen Adel angewiesen. Deutlich zeigt sich dies angesichts der osmanischen Bedrohung in dieser Zeit: Die Landesverteidigung kann der katholische Herrscher nur mit Unterstützung des Adels finanzieren. Dieser, von Luthers Lehren überzeugt, sichert seine Unterstützung nur unter der Bedingung der freien Religionsausübung zu.

 

Das Bürgertum bringt es schon im ausgehenden 15.Jahrhundert zu teils bedeutendem Wohlstand. Im Silberbergbau in Schladming arbeiten 1500 Menschen. Im Ausseerland blüht der Salzbergbau. Das Hammerherren-Paar repräsentiert eine neue, wohlhabende Wirtschaftselite: die Eisenindustrie in Vordernberg und Eisenerz floriert im 16.Jahrhundert auch dank der steigenden Waffenproduktion.

 

Die Handwerker werden durch den Hafnermeister und seine Frau vertreten. Die Anzahl der Betriebe ist von der Größe eines Ortes abhängig, die Zahl der Fleischer, Schneider oder Lederer dem Bedarf der Bevölkerung angepasst. Wie die Steuerregister des 16. bis 18.Jahrhunderts zeigen, sind zudem örtliche Schwerpunkte relevant: So sind für Fürstenfeld ein Tabakspinner und 13 Weber belegt, in Marburg/Maribor gibt es einen Plättenbauer. Die Handwerker organisieren sich schon seit dem Mittelalter in Zünften, die über Jahrhunderte die Grundlage der gewerblichen Wirtschaft bilden: Sie kontrollierten neben der Zahl der Betriebe u.a. die Ausbildung der Lehrlinge und die Preise der Waren. Ihre Regelungen reichen aber auch weit ins Private hinein.

 

Genannt werden sollten die Händler und Kaufleute: In der Steiermark gibt es niedergelassene „Krämer“ bereits im Spätmittelalter, im 16.Jahrhundert zeichnen sich Spezialisierungen, z.B. auf Gewürze oder Geschirr ab. Die Versorgungslage im 17. und 18.Jahrhundert lässt sich für diverse steirische Städte – wie Fürstenfeld, Murau, Voitsberg, Kapfenberg oder Luttenberg/Ljutomer – sehr gut über Nachlass- und Konkursinventare sowie Kaufverträge rekonstruieren. So wissen wir beispielsweise, dass Antoni Khellner im Jahr 1712 in seinem Laden in Kapfenberg 858 verschiedene Produkte anbot. Und schließlich fehlen die Bauern! Über ihr Los gibt die Nummer 20 Auskunft.

Foto: UMJ

Figurinen zu steirischen Sozialgeschichte der Frühen Neuzeit, Atelier Helmut Krauhs
Datierung: Wien 1964
Besitz: Kulturhistorische Sammlung

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