13. Was essen die Menschen hierzulande im Mittelalter?

Die Ernährung in Mitteleuropa basiert lange Zeit weitgehend auf Getreide und Hülsenfrüchten. Fleisch ist teuer und kommt wohl auch in der Steiermark nur selten auf den Tisch. Für Brot werden hierzulande Roggen und Weizen angebaut, für Breie findet Buchweizen Verwendung. Um 1660 erreicht der Mais über Südosteuropa die Steiermark.

 

Wetter- oder kriegsbedingte Missernten führen aber immer noch zu Hungerzeiten. Erst ab dem ausgehenden 18.Jahrhundert bringt eine Pflanze die Lösung: die Kartoffel.

 

Einen Einblick in die mittelalterliche Speisenzubereitung erlauben archäologische Funde wie Bruchstücke von Töpfen und anderen Gefäßen. Dass die lokale Ernährungsgeschichte aufgrund langer Winter, Missernten oder Kriege eine des Mangels war, lässt sich aus menschlichen Überresten ablesen. So beispielsweise aus dem Schädel eines 45 bis 55 Jahre alten Mannes, der 2010 in der Grazer Burg aus einem mittelalterlichen Grab geborgen wurde: Obwohl der gut 170 cm große Mann kräftig gewachsen war, zeigt sein Schädel Spuren von Hunger- und Mangelperioden im Laufe seines Lebens wie Porosierungen am Augenhöhlendach und Schädelknochen oder Querrillen an den Frontzähnen.

 

Andererseits gibt es bereits im Mittelalter den überregionalen Austausch von Lebensmitteln. Dies belegt zum Beispiel der Rest einer Auster, die in einem mit Salzwasser gefüllten Fass von einer der Küsten Europas nach Graz transportiert worden sein dürfte.

Schädel, Randscherbe eines Topfes, Glasbruchstück mit blauer Fadenauflage, Fragment eines Messinggefäßes, Bruchstück einer Auster
Datierung:
13./14. Jh.
Besitz: Archäologische Sammlung

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